Archive für Mittwoch, 4. Februar 2009

Sag’ es mit Blumen!

„Heute muss ich es wissen!“, dachte er sich. Was bedeuteten ihre Blicke, die sie ihm immer noch in unbeobachteten Momenten zuwarf? Liebte sie ihn ja vielleicht doch noch?

Und neulich: Hatte sie sich nicht mit ihrem neuen Freund demonstrativ an einen Tisch gesetzt, von dem aus sie ihn dauernd beobachten konnte? Und er sie auch, wenn er nur den Kopf nach rechts drehte? Hatte er nicht das Gefühl, dass die erotische Anziehung zwischen ihm und ihr viel stärker war als zwischen ihr und ihrem neuen Typen, der ihm sogar ziemlich tumb vorkam? Gutmütig und nett, aber eben auch tumb? Wollte sie ihm damit nicht sagen, dass er überhaupt nicht eifersüchtig zu sein brauchte und dass er ja vielleicht noch eine Chance bei ihr hatte?

„Heute muss ich es also wissen!“ Und dazu mussten es schon Rosen sein! Weiße, weiß wie die Unschuld, klar, mit roten Bändern für die Liebe, die er noch oft genug fühlte, und dreie, für seinen dritten Versuch. Dazu Ginster und noch etwas Grün.

Er beschloss, sich auf den Fenstersims eines Friseurladens neben ihrer Haustür zu setzen und zu warten, bis sie nach Hause kam, und dann einfach mal zu schauen, was passieren würde. Er war zu allem bereit, und er musste noch etwas herausfinden …

Natürlich bestand auch das Risiko, dass sie erst sehr spät oder gar nicht nach Hause kam, aber daran wollte er nicht denken, zu mulmig war ihm zumute in seiner angstvollen Vorfreude.

„Wenigstens hast du mich nicht lange warten lassen!“, denkt er, wenn er sich an diesen Abend zurückerinnert. Schon nach einer guten Stunde bog sie, Hand in Hand mit ihrem Typen, um die Ecke. Glücklich sah sie nicht aus, und als sie ihn erblickte, ließ sie instinktiv die Hand ihres Freundes los und ging, entsetzt geradeaus starrend, an ihm vorbei (während ihr Neuer ihm ahnungslos grüßend zunickte), nicht ohne einen Seitenblick auf den noch eingewickelten Blumenstrauß geworfen zu haben, der neben ihm lag.

„Wie armselig dagegen deine einsame Rose von einem Straßenverkäufer, die du bestimmt von ihm erbettelt hast, denn so tumb, wie er ist, würde er dir wohl nie freiwillig eine schenken! Und meinen Strauß hättest du umsonst haben können!“

Die große Liebe

Sperren, wie an der kalten Grenze. Mauern, die nur einen Spalt freilassen. Für Jugendliche unter 21 Jahren und Frauen verboten! Dämmriges Licht, Schaufenster, dahinter Frauen mit langen Beinen und kurzen Röcken, viel Farbe im Gesicht – Fleischbeschau.

Ich habe hier nichts verloren, bin aus Neugier hier, habe meine große Liebe gefunden, sie, die Einzige, die es für mich gibt – nein, ich habe hier wirklich nichts zu suchen.

Na, Süßer, gefall’ ich dir? Was kostet es denn? Fünfzig. Nein, danke. Aber ich biete dir doch was, oder?

Laufe weiter. Ich sehe sie! Da steht sie, scheu, zart, zerbrechlich. Ihre Augen weiten sich vor Entsetzen, ihr Mund öffnet sich. Was kostet es denn? Ungläubiges Kopfschütteln. Wohl auch fünfzig Mark? Na komm’, ich will mit dir. Keine Bewegung. Ich gebe ihr einen Schubs, sie beginnt sich zu bewegen, erst langsam, dann etwas schneller, wie ein Stein, der einen Berg hinabrollt …

Kommen bei ihr an. Ihr bodenlanger Lackmantel knistert. Komm’, zieh’ dich aus. Das erste Mal, dass ich sie geschminkt sehe, sie, die da reglos steht, nach einer Erklärung, nach Worten suchend. Sie sieht, wie ich mich ausziehe, zuckt hilflos mit den Schultern, lässt ihren Mantel zu Boden gleiten, knistert wieder, schluchzt, nein, sie weint. Ich werfe ihr den Fünfziger hin, gehe auf sie zu, sehe in ihre nassen und dunklen Augen, öffne ihre Hose, ziehe sie herunter. Es bringt mich in Erregung, es passiert …

Dauerte nicht lange, zwanzig Minuten, stehe draußen, Kälte, Dunkelheit, alles wie ein Traum. Nur die Zigarette ist wahr. Mir fällt ein, dass wir uns für morgen verabredet hatten …

Befragung

Kürzlich auf meinem Anrufaufzeichner:

„Wenn Sie an der Befragung teilnehmen möchten, dann warten Sie einen kurzen Moment. … Schön, dass Sie mitmachen, Herr Filkas. Bitte hören Sie sich die Frage (sic!) jeweils bis zum Ende an und drücken dann für Ja die 1 und für Nein die Taste 2 Ihres Telefons. Die Befragung startet jetzt: Sehen Sie sich regelmäßig Kochsendungen im Fernsehen an? Drücken Sie jetzt die 1 für Ja oder die 2 für Nein! … Sind Sie der Meinung, dass der Boom an Kochsendungen in Deutschland für mehr Vielfalt in deutschen Küchen gesorgt hat? Drücken Sie jetzt die 1 für Ja oder die 2 für Nein! … Wir konnten Ihre Eingabe nicht verstehen. Drücken Sie jetzt die 1 für Ja oder die 2 für Nein! … Wir konnten …“

Zum Glück habe ich nur einen Anrufaufzeichner und keinen -beantworter; weiß der Teufel, was mir ein solcher sonst alles eingebrockt hätte …

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