Sag es mit Blumen!

„Heute muss ich es wissen!“, dachte er sich. Was bedeuteten ihre Blicke, die sie ihm immer noch in unbeobachteten Momenten zuwarf? Liebte sie ihn ja vielleicht doch noch?

Und neulich: Hatte sie sich nicht mit ihrem neuen Freund demonstrativ an einen Tisch gesetzt, von dem aus sie ihn dauernd beobachten konnte? Und er sie auch, wenn er nur den Kopf nach rechts drehte? Hatte er nicht das Gefühl, dass die erotische Anziehung zwischen ihm und ihr viel stärker war als zwischen ihr und ihrem neuen Typen, der ihm sogar ziemlich tumb vorkam? Gutmütig und nett, aber eben auch tumb? Wollte sie ihm damit nicht sagen, dass er überhaupt nicht eifersüchtig zu sein brauchte und dass er ja vielleicht noch eine Chance bei ihr hatte?

„Heute muss ich es also wissen!“ Und dazu mussten es schon Rosen sein! Weiße, weiß wie die Unschuld, klar, mit roten Bändern für die Liebe, die er noch oft genug fühlte, und drei, für seinen dritten Versuch. Dazu Ginster und noch etwas Grün.

Er beschloss, sich auf den Fenstersims eines Friseurladens neben ihrer Haustür zu setzen und zu warten, bis sie nach Hause kam, und dann einfach mal zu schauen, was passieren würde. Er war zu allem bereit, und er musste noch etwas herausfinden …

Natürlich bestand auch das Risiko, dass sie erst sehr spät oder gar nicht nach Hause kam, aber daran wollte er nicht denken, zu mulmig war ihm zumute in seiner angstvollen Vorfreude.

„Wenigstens hast du mich nicht lange warten lassen!“, denkt er, wenn er sich an diesen Abend zurückerinnert. Schon nach einer guten Stunde bog sie, Hand in Hand mit ihrem Typen, um die Ecke. Glücklich sah sie nicht aus, und als sie ihn erblickte, ließ sie instinktiv die Hand ihres Freundes los und ging, entsetzt geradeaus starrend, an ihm vorbei (während ihr Neuer ihm ahnungslos grüßend zunickte), nicht ohne einen Seitenblick auf den noch eingewickelten Blumenstrauß geworfen zu haben, der neben ihm lag.

„Wie armselig dagegen deine einsame Rose von einem Straßenverkäufer, die du bestimmt von deinem neuen Freund erbettelt hast, denn so tumb, wie er ist, würde er dir wohl nie freiwillig eine schenken! Und meinen Strauß hättest du umsonst haben können!“

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!


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