Ronalds Notizen

Dienstag, 10. Februar 2009

Ein Tag und Ein Traum

Abgelegt unter: Lyrik und Prosa, Erotik und Sexualität, Träume und Fantasien — Ronald @ 22:13

Nichts ist vollkommen. Auch nicht
der Schlaf, aus welchem ich gerade erwache
Die Müdigkeit noch in mir, erhebe ich mich
aber sie verfliegt, als ich mich zu den Sonnenstrahlen
auf meinem Balkon geselle

Ein Mädchen bringt mir ein paar Zeitungen
in denen die Summe alles Schlechten im Menschen
lesbar ist
und vielfach auch des Guten

Aus einem gegenüber liegenden Fenster
dringt Musik zu mir herüber (Pink Floyd)
Sie hallt zwischen den Häusern hin und her
klingt wie aus einer anderen Welt
als ich gerade frühstücke
und dabei anfange diese Zeilen zu schreiben

Kurz darauf kommt eine Freundin zu mir
Ich umarme sie, öffne ihren Mund
mit meiner Zunge
Sie drückt mich fester an sich
ihr Atem wird heftiger
Ich schiebe meine Hand unter ihrem Pullover
nach oben massiere ihren Rücken
fallen zu Boden küssen weiter unsere Beine umschlingen sich
sie presst ihr Gesicht in meinen Pullover
ich suche ihre Brüste und streichele sie
sie beißt in mich hinein öffnet mein Hose
als ich anfange meinen Unterkörper rhythmisch zu bewegen
nach einer Musik der Liebe
und sie stöhnt und keucht schwer
als ich feststelle, dass meine Wunschträume
mit mir durchgehen
und ich aufhöre diese Zeilen zu schreiben

Abendwolken

Abgelegt unter: Lyrik und Prosa, Liebe und Beziehungen — Ronald @ 22:11

Dahin, dahin
ziehen die schweren Abendwolken
mit dem Regen
der meine Haut so sanft
berührte
wie einst ihre Fingerspitzen —
und mit ihnen
die Windgeschenke
ihrer fühlbaren Gegenwart
die so alltäglich war
und so selbstverständlich
wie ihre Vergangenheit
und ihre Zukunft

Das Mädchen im roten Anorak

Abgelegt unter: Träume und Fantasien — Ronald @ 22:00

Ein Traum

vor langer zeit lebte ich in einem brückenhaus. daneben standen zwei bretterhütten, wovon die linke durch einen kurzen gang mit dem haupthaus verbunden war. wenn ich in die rechte hütte wollte, musste ich außen herum. eines tages bekam ich besuch von ein paar freunden (dieter, jano, urmel), die sich auf meine ganzen zimmer verteilten. ich fühlte mich gelangweilt, wollte meine ruhe haben, so ging ich durch den gang in die linke hütte, die am wenigsten wohnlich war. große, offene fenster (es war kein Glas mehr drinnen) gaben einen blick auf die dahinter liegende landschaft frei. da erblickte ich das mädchen, das da stand. sie lächelte mich an. ihr roter anorak lag locker über ihren schultern, nun zog sie ihn sich langsam, immer noch verführerisch lächelnd, über ihren kopf und ihr gesicht. ich ging auf sie zu und wollte den reißverschluss schließen, sodass sie unter ihm gefangen gewesen wäre, aber es klappte nicht. wir umarmten uns und gaben uns einen so tiefen kuss, dass ich meinte, meine zunge steckt fast in ihrem hals. anschließend schliefen wir zusammen auf einer matratze. so plötzlich sie erschien, so plötzlich war sie verschwunden. irgendwie lernte ich ein anderes mädchen kennen, von dem ich dachte, es wäre ihre schwester, und bat sie, mir bei meiner suche nach dem mädchen im roten anorak behilflich zu sein. und sie tat das auch, in einer sehr netten, fast schon kameradschaftlichen art. wir suchten die ganze landschaft ab, bis wir auf einem hügel standen, von dem wir auf die flache, etwas hügelige ebene schauen konnten. vor uns tat sich ein see auf (der neusiedler see?). ich legte einen arm um sie, was sie erwiderte. dann wurde es gleich dunkel, ein gewitter begann, die gelben blitze hoben sich kontrastreich vom himmel ab. wir suchten noch eine ganze zeit, bis meine freundin wieder auftauchte. sie erzählte von ihrer reise, ihrer suche, ihrem leben, von der landschaft, in der sie gewesen war. damit zeigte sie mir ein bild ihrer landschaft, das meine fantasie erzeugte (ein park, ein weg, der eingerahmt von bäumen ist, die links und rechts des weges standen und die sich in der ferne zu einem dunklen punkt trafen), und sie zeigte mir ein foto, worauf uli meinte, das wäre doch am rhein, und ich schaute das bild länger an, bis ich feststellte, dass das papier immer größer wurde und das motiv immer kleiner und an den nun frei gewordenen rändern sich neue bilder auftaten, die ineinander übergingen, ohne sich jedoch zu überlagern, und die sich in ihrer schönheit gegenseitig übertrafen.

Frei

Abgelegt unter: Zitate — Ronald @ 21:46
Er war frei, alles zu tun, weil er frei war, alles zu lassen.

(aus Dieter Wellershoff: Die Sirene)

Ich glaube an nichts. Ich erhoffe mir nichts. Ich bin frei.

(aus Antonio Tabucchi: Es wird immer später)

Soziokulturelles Leben mit Arbeitslosengeld II

Abgelegt unter: Politik und Gesellschaft, Leben und Arbeiten — Ronald @ 21:44

„Arbeitslose kriegen nicht mehr Geld” lautete die Überschrift von „Thema des Tages” in der Frankfurter Rundschau vom 26. November 2006. Der Anlass war ein wenige Tage zuvor beschlossenes Gerichtsurteil des Bundessozialgerichts, nach dem die Hartz-IV-Reform verfassungsgemäß ist.

Wir erinnern uns: In der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland steht so etwas wie „ein Leben in Würde” usw., das jedem Mitglied dieser Gesellschaft zuzugestehen ist. Dazu gehört auch die Bereitstellung eines soziokulturellen Existenzminimums, d. h. also, dass es nicht ausreicht, dass keiner verhungert oder erfriert. Hilfeempfänger sollen auch am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

So weit, so gut. Doch in der Praxis sieht dies ganz anders aus! Und das wurde jetzt durch das vorher genannte Urteil bestätigt, nachdem schon vor Monaten zwei Arbeitslose bei einer unteren Instanz geklagt (und verloren) hatten, dass die neue Arbeitslosenregelung sie vom „gesellschaftlichen Leben” ausschließe. Damals verspürte der Richter immerhin noch „Bauchschmerzen” bei der Verkündung des Urteils (Gericht nicht zuständig für die Änderung der Sätze), wie er sagte.

Tatsache ist, dass ein Auskommen mit inzwischen € 351 im Monat (wobei darin gar nicht alle fixen Kosten übernommen sind, es im Endeffekt also weniger sind) gerade zum Überleben, nicht aber zum Leben reicht!

Woher kommt eigentlich überhaupt diese Festsetzung? Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) sagt dazu: „Bezugsgröße für den Regelsatz ist nicht der mittlere Lebensstandard der Bevölkerung, sondern die Konsumausgaben des unteren Fünftels der Bevölkerung. … Dabei werden, auf Basis politischer und nicht sachlicher Erwägungen, weitere Abzüge vorgenommen. … Zudem bleiben Preissteigerungen unberücksichtigt” (zitiert nach Frankfurter Rundschau vom 28. Juli 2006, Auszeichnungen von mir).

Aha!

Des unteren Fünftels der Bevölkerung!

Mein soziokulturelles Leben sieht dann wohl so aus: billigste Lebensmittel vom Discounter zum Leben und der Treff mit ähnlichen Zeitgenossen an der Trinkhalle oder, weil die ja recht gepfefferte Preise verlangen, mit Billigbier aus der Plastikpulle (am besten noch Weizenbier, das haut mehr rein!) und vielleicht noch’n Flachmann um das runterzukriegen!

Neue Klamotten? Neuer Kühlschrank? Kino, Konzerte, Theater? „Der Regelsatz deckt laufende und einmalige Bedarfe pauschal ab. Sie berücksichtigt den Bedarf für Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie (ohne Heizung) und für die Bedürfnisse des täglichen Lebens sowie in vertretbarem Umfang auch für die Beziehungen zur Umwelt und die Teilnahme am kulturellen Leben” (Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslosengeld II/Sozialgeld). Also Fehlanzeige!

Redet da schon jemand von „neuer Armut”? Prost!

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