Fenster putzen
Es gibt kaum eine Tätigkeit beim Wohnungsputz, bei der das Ergebnis so unmittelbar sichtbar ist, wie das Fensterputzen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass diese Tätigkeit meist so lange aufgeschoben wird, bis kein Weg mehr daran vorbeiführt, sofern man keine Putzfrau oder Ähnliches beschäftigt oder verheiratet ist (was oft auf dasselbe herauskommt).
Ich erinnere mich an eine Radiowerbung für die Gelben Seiten („… machen das Leben leichter!“), in der ein Mann wie ein Blinder durch eine Wohnung tappt und dabei allerlei Zeug umstößt, während man draußen ein paar Jungs Fußballspielen hört. Als der Ball ein Fenster dieser Wohnung zerschlägt, stellt der Mann verwundert fest: „Ich kann wieder sehen!“
Sogar in einem Gedicht Christian Morgensterns kommt das Fensterputzen vor. In „Zäzilie“ soll ebendiese in ihrer Eigenschaft als Dienstmädchen die Fenster putzen, „sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen“, und zwar so, dass man nicht erkennen kann, „ob dieser Fenster Glas Glas oder bloße Luft ist“. Als sie feststellt, dass „Ähnlichkeit mit Luft“ nicht zu schaffen ist, „ermannt sie sich mit einem Schrei – und schlägt die Fenster allesamt entzwei! Dann säubert sie den Rahmen von den Resten, und ohne Zweifel ist es so am besten.“
Ach ja: Habe ich übrigens schon erwähnt, dass ich es heute auch wieder einmal geschafft habe meine Fenster zu putzen? Diese Klarheit ist schon unglaublich …