Das Peter-Prinzip

Es gibt Hörspiele, in denen ein Sachbuch ungemein passend umgesetzt wird. „Das Peter-Prinzip“ nach Laurence J. Peter und Raymond Hull unter der Regie von Ulrich Gerhardt, eine Produktion des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2008, gehört dazu.

Angeblich gehört das gleichnamige Buch „Das Peter-Prinzip“ von Laurence J. Peter und Raymond Hull, das bereits 1969 in den USA und 1970 in deutscher Übersetzung erschienen ist, zu den Klassikern der amerikanischen Management-Literatur. Peters These ist, dass jedes Mitglied einer beruflichen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat. Oder, wie es im Hörspiel heißt: „Die Schlagsahne steigt so lange hoch, bis sie sauer wird.“ Die eigentliche Arbeit wird von denen verrichtet, die das Maß ihrer Inkompetenz noch nicht erreicht haben.

Im unter der Regie von Ulrich Gerhardt und mit den Sprechern Hans Peter Hallwachs, Graham F. Valentine und Klara Manzel großartig umgesetzten Text ist etwa von einer Grundschullehrerin die Rede, die vor der Klasse immer breit lächelnd und sehr langsam sprach, weil sie der Ansicht war, nur so von ihren Kindern verstanden zu werden. Als sie zu einer Ausbilderin für angehende Grundschullehrer befördert wurde, konnte sie davon nicht abweichen, was im Umgang mit Kollegen bzw. Untergebenen nicht so gut ankam. Sie war zwar eine gute Lehrerin, aber als Dozentin konnte sie damit nur versagen!

Eine andere These ist die der „geräuschlosen Sublimierung“, bei der eine Beförderung eines als unfähig bekannten Angestellten nur deshalb stattfindet, um damit den Anreiz unter den anderen Mitarbeitern auszulösen, dass man es selbst auch schaffen kann. Eine Stabilisierung der Hierarchie also! Umgekehrt kann eine „Super-Kompetenz“ eine Gefahr für diese sein, und wer eine solche vorweist, wird unter Umständen sehr schnell in eine Position befördert, aus der er die Rangordnung nicht stört.

Bei der „seitlichen Arabeske“ hingegen werden etwa Titel oder Abteilungen ohne Kompetenzen geschaffen, die es vorher nicht gab, um einen als unfähig bekannten Mitarbeiter quasi „auszulagern“ oder „ruhigzustellen“.

Götz Schmedes schrieb im Internetportal von WDR 5 zu diesem Hörspiel, das eher einem Feature ähnelt und das 2008 vom Hessischen Rundfunk produziert wurde: „Peter und sein Kollege Raymond Hull gehen bei ihrer Analyse von den alltäglichen Beobachtungen der Unfähigkeit aus, die jedermann kennt: Der Pfusch von Ärzten, Handwerkern und Managern entgeht den beiden Forschern ebenso wenig wie der gelangweilte Beamte, verschlafene Lehrer und Hochschullehrer.“ Fallen einem da nicht noch Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte, speziell der neueren ein? Und Schmedes weiter: „Man sollte also, meinen Peter und Hull, seine Energie vielleicht sinnvoller auf die Vermeidung einer Karriere verwenden.”

Verweise zum Thema:
Über die Radiosendung: „Management-Literatur: Das Peter-Prinzip“ auf phonostar.de, und wer glaubt, dass das ein fiktives Hörspiel sei, siehe das Peter-Prinzip bei Wikipedia, „Das Peter-Prinzip oder: Die Hierarchie der Unfähigen“ in einem privaten Weblog, und [Nachtrag vom 11. Juni 2015] es gibt sogar ein Video darüber:


 

Veröffentlicht unter Leben und arbeiten,Markt und Wirtschaft Verschlagwortet mit ,, permalink

Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

Kommentare

Das Peter-Prinzip — 9 Kommentare

  1. Tja und wenn ich dann noch bedenke, dass in Rom ja der Stuhl des Petrus steht auf dem der Papst regelmäßig seinen angestammten Platz nimmt, wen wundert es dann, dass es so viele Atheisten gibt. 😆
    Das sagt dann wohl noch viel mehr aus oder?

    • Obwohl dieses Prinzip vom Mitautor Raymond Hull nach seinem Entdecker Laurence J. Peter benannt wurde und somit eher zufällig so heißt, ist diese Assoziation doch interessant! Allerdings bezweifle ich, dass das Atheistentum nur allein auf den Papst zurückzuführen ist. Außerdem lehnt die evangelische Kirche den Papst auch ab.

  2. Man sollte nicht auf Karriere verzichten sondern aufpassen, dass man mit einer Beförderung nicht auf eine Stelle rutscht, wo man das, was man besonders kann, gar nicht mehr machen kann. Solche Beispiele kenne ich auch.

    Schlimm wenn die Ablehnung eines Karrieresprungs böse Konsequenzen hat, wie in dem Hörspiel beschrieben (Gespött der Kollegen, Ehepartner weg).

    Und ich kenne auch Fälle, wo jemand mit lauter Einsen hochgelobt eine Stelle bekam, aber in der Praxis dann völlig versagte. Noten sind eben blanke Theorie. Da aber Noten in vielen Berufen über den Zugang zu den Berufen entscheiden, kann einem z.B. bei Ärzten manchmal durchaus bange werden. Ich will nicht verallgemeinern. Nur umgekehrt heißt das z.B. auch, dass jemand, der nicht einen Einser-Notendurchschnitt hat, unter Umständen begabt und geeignet ist für einen solchen Beruf.

  3. Ich bin zufällig auf dieses Hörspiel gestossen, nur scheint es nirgends verfügbar zu sein. Schade, dass man es sich nicht einfach bei einer der üblichen Plattformen kaufen kann.
    Hat jemand eine Idee, wie man da rankommt?

    • Seit der Veröffentlichung dieses Beitrags ist das Hörspiel wenigstens einmal im Radio wiederholt worden. Ob und wann es erneut gesendet wird, lässt sich über die ARD-Radioübersicht feststellen: auf der Seite etwas nach unten gehen und unter dem Programmkalender auf „Hörspiel“ klicken, worauf sich ein Vorschaufenster öffnet. Nach der Erstellung eines Kontos und der Anmeldung kann man sich über die Termine benachrichtigen lassen — eine feine Sache, wie der Autor, selbst begeisterter Hörer von Hörspielen, findet!

      Ansonsten hilft nur, sich das Buch zu besorgen.

Lob, Kritik, Ergänzung, ...? Kommentieren!