Archive for Mai, 2009

Erotik und Finger hinein

Mittwoch, Mai 20th, 2009

Bei Auswertung meiner Logfiles fand ich auch die Suchanfrage nach „erotikund finger hinein“, wobei ich davon ausgehe, dass vergessen wurde einen Wortzwischenraum einzugeben. Alle diese vier Wörter sind hier zu finden, nur leider nicht in EINEM Text! Daher schreibe ich, in der Hoffnung, dass sich der oder die Suchende wieder einmal hier einfindet (man will sein Publikum ja nicht vergraulen!), nicht nur einfach einen Text, sondern sogar ein Gedicht zur Suchanfrage:

Erotik und Finger: darauf und hinein.
Hinein mit Erotik, hinauf und hinunter.
Hinein mit Finger. Was fällt dir ein?
Finger und Erotik: das Beste, mitunter!

Ähem, zufrieden?

Das Hohelied der Liebe

Montag, Mai 18th, 2009

(auch: Die Liebe als höchste Geistesgabe)

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

(1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 13; revidierte Lutherübersetzung von 1984, in die neue Rechtschreibung überführt. Das musste einfach wieder einmal zitiert werden!)

„Vomitas verbum“

Freitag, Mai 15th, 2009

Bei „Verweile doch“ habe ich diese schöne „Hitliste der sinnlosen Phrasen und Wörter von A bis Z“ mit dem Titel „Vomitas verbum“ gefunden, die hoffentlich immer wieder erweitert wird. Ein Blick lohnt sich!

Das Peter-Prinzip

Mittwoch, Mai 13th, 2009

Es gibt Hörspiele, in denen ein Sachbuch ungemein passend umgesetzt wird. „Das Peter-Prinzip“ nach Laurence J. Peter und Raymond Hull unter der Regie von Ulrich Gerhardt, eine Produktion des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2008, ist so eins.

Angeblich gehört das gleichnamige Buch, das bereits 1969 in den USA und 1970 in deutscher Übersetzung erschienen ist, zu den Klassikern der amerikanischen Management-Literatur. Ihre These ist, dass jedes Mitglied einer beruflichen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat. Oder, wie es im Hörspiel heißt: „Die Schlagsahne steigt so lange hoch, bis sie sauer wird.“ Die eigentliche Arbeit wird von denen verrichtet, die das Maß ihrer Inkompetenz noch nicht erreicht haben.

Da ist etwa von einer Grundschullehrerin die Rede, die vor der Klasse immer breit lächelnd und sehr langsam sprach. Als sie zu einer Ausbilderin für angehende Grundschullehrer befördert wurde, konnte sie davon nicht abweichen, was im Umgang mit Kollegen bzw. Untergebenen nicht so gut ankam. Sie war zwar eine gute Lehrerin, aber als Dozentin konnte sie damit nur versagen!

Eine andere These ist die der „geräuschlosen Sublimierung“, bei der eine Beförderung eines als unfähig bekannten Angestellten nur deshalb stattfindet, um damit einen Anreiz unter den anderen Mitarbeitern auszulösen, dass man es selbst auch schaffen kann. Eine Stabilisierung der Hierarchie also! Umgekehrt kann eine „Super-Kompetenz“ eine Gefahr für diese sein, und wer eine solche vorweist, wird unter Umständen sehr schnell in eine Position befördert, aus der er die Rangordnung nicht stört.

Götz Schmedes schrieb im Internetportal von WDR 5 zu diesem Hörspiel: „Peter und sein Kollege Raymond Hull gehen bei ihrer Analyse von den alltäglichen Beobachtungen der Unfähigkeit aus, die jedermann kennt: Der Pfusch von Ärzten, Handwerkern und Managern entgeht den beiden Forschern ebenso wenig wie der gelangweilte Beamte, verschlafene Lehrer und Hochschullehrer.“ (Fallen einem da nicht noch Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte, speziell der neueren ein?) Und weiter: „Man sollte also, meinen Peter und Hull, seine Energie vielleicht sinnvoller auf die Vermeidung einer Karriere verwenden.”

Wer glaubt, dass das ein fiktives Hörspiel war: das Peter-Prinzip bei Wikipedia.

Gedanken über Trennungen …

Dienstag, Mai 12th, 2009

… beim Lesen von Peter Schneiders Erzählung „Lenz“

„Morgens wachte Lenz aus einem seiner üblichen Träume auf.“ Er träumte von seiner ehemaligen Freundin, in der Erzählung nur „L.“ genannt, und schon beim Kaffeekochen überfällt ihn der Wunsch sie anzurufen. (Alle Zitate wurden übrigens von mir aus Gründen der besseren Lesbarkeit in die neue Rechtschreibung überführt.)

Das ist der Anfang von Peter Schneiders „Lenz“. Den Plan, sie anzurufen, verwirft er zuerst, weil sie „mit dieser verschlafenen Kinderstimme ‚Hallo‘ sagen wird und mich dann fertigmachen, dass ich schon wieder anrufe“. In der morgendlichen Hektik des Berufsverkehrs tut er es dann doch, sie ist jedoch nicht erreichbar.

Dieses Gefühl, soll ich oder soll ich nicht, kommt vielen sicher sehr bekannt vor, die eine Trennung hinter sich haben. Es fällt zunächst schwer, den Ernst der Lage zu begreifen. Lenz hätte es bereut, wenn L. zu Hause gewesen wäre; er hätte das zu hören bekommen, was er sich vorstellt.

Es fällt Lenz schwer, sie so einfach aus seinem Leben zu verbannen. In einem seiner vielen nicht abgeschickten Briefe schreibt Lenz: „Es ist schon so weit gekommen, dass ich nichts mehr sehe, ohne es in irgendeine Beziehung zu dir zu bringen, überall erkenne ich dich wieder, stelle mir vor, was du dazu sagen würdest“, und weiter: „Ich wusste nicht, wie grauenhaft es ist, jemanden so zu begehren, … ich glaube, es sind deine Zärtlichkeiten, für die ich nicht stark genug bin.“ Er sendet den Brief nicht ab, weil ihm einfällt, dass es für L. Ernst war, dass sie wirklich nichts mehr von ihm hören wollte.

Es fällt einem oft nicht leicht, diesen Ernst zu begreifen, selbst wenn man mit der Trennung einverstanden war. Meist hat sie sich schon angekündigt, lange bevor sie ausgesprochen wird. Eine Trennung ist nie plötzlich, wenn es ein gemeinsam geführtes Leben gab, sie verläuft meist zuerst innerlich und unbewusst, dann äußerlich, bevor der innere Schritt der endgültigen Loslösung vollzogen werden muss.

L. sagt an einer Stelle zu Lenz, dass er nur durch eine fremde Kraft zu leben begonnen hat. „Der Intellektuelle verschweigt sich und seiner Geliebten diese Erfahrung.“ Ein Hinweis darauf, dass notwendige Gespräche nicht geführt wurden – der Tod einer jeden Beziehung!

Die Erinnerung an die vergangene Beziehung bleibt übermächtig, so wie bei Lenz, als er meinte L.s Geruch im Zimmer zu verspüren und ihre Haare auf seinem Gesicht. „Sein Glied stand groß und lästig unter der Bettdecke … er merkte, dass sich alle seine Fantasien auf weit zurückliegende Ereignisse bezogen.“ Lenz muss sich immer wieder klarmachen, dass er jetzt alleine wohnt. Geht er in eine Kneipe und trifft dort Bekannte, ist er ganz plötzlich wieder bei „seiner Geschichte mit L.“, ratlos geht er in Telefonzellen und hat das Bedürfnis sie anzurufen, nachts träumt er von ihr.

Diejenigen, die eine Trennung von einem geliebten Menschen erlebt haben, werden die erste Zeit danach kaum etwas machen können, ohne an den Partner zu denken, mit dem man bis vor kurzem noch zusammen war. Und das Erste, was man vermissen wird, ist die Banalität des Alltags, die vielen täglichen Handgriffe, das tägliche Vertrauen, die Routine. Dinge, die vorher scheinbar das Zusammenleben lähmten, erscheinen einem plötzlich als ungeheuer wichtig.

Eines Abends verabredet sich Lenz mit L. Er bekommt weiche Knie bei ihrem Anblick und ist froh, dass er sitzt. Sie schaut genauso aus, wie er sie sich die ganze Zeit vorgestellt hat. Lenz hat sie eine Weile nicht mehr gesehen und empfindet ein ähnliches Gefühl wie damals, als er sie zum ersten Mal sah. Er war sofort in sie verliebt gewesen. Nun sitzt er ihr gegenüber, aus Verlegenheit studiert ein paar Briefe, die sie ihm mitgebracht hatte. Sie benehmen sich „wie ein Ehepaar, das sich erst beim Frühstück voneinander verabschiedet hat“. Ihre Verhaltensweise lässt darauf schließen, dass sie, sobald sie wieder zusammen wären, wieder in ihre alten Kommunikationsstrukturen und Verhaltensweisen zurückfallen würden. Als L. ihm die Stelle zeigt, wo ihr ein Zahnarzt eine neue Plombe eingesetzt hat, schaut er ihr in den Mund, seine Neugier kommt ihm blöd vor und L. ärgert sich über ihre Vertrauensseligkeit. Sie fragt sofort, warum er sie eigentlich sehen wollte.

„Lenz hatte sich vorher einiges zurechtgelegt, zwischendurch waren ihm einige Formulierungen eingefallen, von denen er meinte, sie würden ihre Beziehung revolutionieren.“ Können Formulierungen eine Beziehung verändern? Nein, Lenz möchte zu ihr zurück: „… jetzt, so nah vor L., kam ihm alles hohl und ausgedacht vor. Es fasste ihn eine Wut, dass er sich schon nach kurzer Zeit wie an Armen und Beinen gefesselt vorkam.“ Es ist die Wut darüber, dass er verdrängen muss, dass er noch an ihr hängt: „Da sieht doch ein Blinder, dass ich wie eine Klette an dir hänge, jeden Tag, jede Nacht muss ich an dich denken … ich platze vor Sehnsucht.“

Man versucht ein Gefühl der Überlegenheit herzustellen, das natürlich auf sehr wackligen Beinen steht! Lenz ekelt seine eigene Sachlichkeit selbst an, ihm fällt nichts mehr ein, was er noch sagen könnte. Sein Blick fällt auf ihren neuen Pullover; es empört ihn, dass „sie es fertig gebracht hatte, sich diesen Pullover und wer weiß noch alles zu kaufen. … Er war jetzt von der Vorstellung besessen, dass er sich nie wieder würde einkleiden können ohne L.“ Er kann sich die Frage nicht verkneifen, wo und mit wem sie ihn sich einkaufte.

Trennungen sind umso schmerzlicher, je abhängiger man von seinem Partner war. Abhängigkeit hat jedoch nichts mit Liebe zu tun! Die meisten Menschen machen den Fehler, den anderen als Urheber für seine eigenen Glücksgefühle zu sehen. Dadurch entsteht Abhängigkeit, weil man das Schöne und damit den Partner (be)halten will. Man „liebt“ den anderen und hebt ihn in den Himmel, solange er dieses Bedürfnis befriedigt, tut er es nicht, stellt sich Enttäuschung ein. Man wird „ent-täuscht“, obwohl eine „Täuschung“ nie stattgefunden hat; man hat den Partner nur nicht so gesehen, wie er wirklich ist, und das wird ihm nun vorgeworfen, obwohl man sich dieses „Miss-Verständnis“ eigentlich selbst vorwerfen müsste!

Lenz ist wie vor den Kopf geschlagen. Er stellt sich vor, was L. ohne ihn macht. Man stellt sich gerne vor, der andere könne ohne einen unmöglich leben. Doch L. hat sich schneller an ein Alleinsein gewöhnt als er. So muss er mit Befremden feststellen, wie wenig seine Vorstellungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Für einen Moment dämmert es ihm, ihm war „als würde ihm ein Schleier von den Augen fortgenommen … Es waren Empfindungen, die nur aus ihm selbst kamen, er wusste nicht woher“. Die Erleichterung, die er beim Auseinandergehen verspürt, würde nicht lange vorhalten, das wusste er, denn bald würde die Sehnsucht wieder von ihm Besitz ergreifen …

Ist man über die Zeit der dunkelsten und trübsinnigsten Wochen hinweg, merkt man irgendwann doch, dass man wieder ein bisschen mehr zu sich selbst zurückgefunden hat, mit sich selbst und seinen Gefühlen wieder etwas anfangen kann, so wie Lenz, der zunächst nach Italien geht. Auch, wenn es noch dauert, bis man die unmittelbare Vergangenheit verarbeitet hat. Doch mit Nachdenken allein ist es nicht getan und seine Gefühle kann man nicht beeinflussen. Man kann nur lernen sie zu akzeptieren, mit ihnen umzugehen, sie zu fühlen, wie die Rose nach einem Gewitter fühlt, dass sie genug Feuchtigkeit bekam und ihre Blätter wieder öffnet.