Archive für Juni 2009
Höflichkeit
Freitag, 26. Juni 2009 von Ronald.
Die meisten Probleme entstehen dadurch, daß die Menschen höflich sind. Zumindest ihrer eigenen Einschätzung nach. Aber in den meisten dieser Höflichkeitsfälle sind sie noch gemeiner, als es ihre Ehrlichkeit gewesen wäre.
(aus Leander Scholz: Fünfzehn falsche Sekunden)
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Sommersonnenwende
Dienstag, 23. Juni 2009 von Ronald.
Die Tage werden kürzer, die Nächte wieder länger. Sommersonnenwende.
Ob das einen Unterschied macht, denkt er. Als ob meine Nächte nicht ohnehin schon lang genug sind! Nächte, die er vor seinem Rechner verbrachte, um zu arbeiten. Oder, wenn er davon langsam genug hatte, zu seinem Vergnügen. Oft bis morgens. Nun, dann halt kein Vogelgezwitscher beim Zubettgehen mehr.
Er beschließt den Pullover anzuziehen, es wurde langsam kühl. Es wurde ihm überhaupt schneller kalt. Früher konnte er mit Hitze und Kälte besser umgehen; sie machten ihm kaum etwas aus. Früher! Aber er war inzwischen nicht mehr der Jüngste …
Seit er und seine Frau sich trennten, war er alleine geblieben. Sicher, hier und da mal eine Liebschaft, eine Affäre, aber nie von Dauer. Sie wurden immer seltener, bis sich keine mehr einstellte. Über seiner Arbeit war er einsam geworden. Zunächst einfach zu oft allein war aus dem Alleinsein irgendwann Einsamkeit geworden. Wenn er sich früher vor Freunden und Bekannten kaum retten konnte, gab es nun kaum jemanden mehr.
Er setzt sich auf eine Bank, um eine Zigarette zu rauchen. Und um wieder zu Atem zu kommen. Ja, er wurde kurzatmiger. Seine Kondition ließ nach. Dass das auch an den Zigaretten lag, wusste er. Neben dem Bewegungsmangel. Sport würde ihm gut tun! Aber die Vorstellung, in irgendeinem Sportstudio Gewichte zu heben oder in dem Park, in dem er gerade saß, laufend seine Runden zu drehen, entlockte ihm selbst in Gedanken nur ein Kopfschütteln.
Genüsslich zieht er an seiner Zigarette, während wieder einer dieser Jogger dicht an ihm vorbeirennt. Zu dicht, wie er findet: Der Weg ist doch breit genug. Er hat nicht übel Lust, ihm beim nächsten Mal, wenn er wieder zu dicht an ihm passiert, eine volle Ladung Rauch ins Gesicht zu blasen. Oder dir ein Bein zu stellen, schimpft er in Gedanken. Geschieht ihm recht, wenn er mir mit seinem Ertüchtigungsdrang zu nahe kommt!
Ja, er war vereinsamt. Die körperliche Nähe anderer Menschen war ihm zuwider geworden. Sein Umgang beschränkte sich auf den wenigen mit Kollegen, private Einladungen nahm er nur sehr ungern an oder sprach sie aus. Sein früherer Charme, der nur noch in wenigen Augenblicken aufblitzte, war einem feinen Sarkasmus gewichen, seine Manien wurden immer augenfälliger. Selbst seine Kleidung, auf die er einst viel Wert legte, wurde nachlässiger. Nicht schmutzig oder gar zerrissen, nur nachlässiger. Man begann, ihn zu meiden. Und er mied die anderen.
Ein Steppenwolf, denkt er. Wie hatte er dieses Buch geliebt! Der Gedanke, den Harry Haller vor dem Spiegel hat, während er sich rasiert, hatte ihn nie mehr losgelassen. Beim Rasieren einfach „verunglücken“! Eine Option fürs Leben. Oder besser gesagt: Für den Tod, korrigiert er sich lächelnd.
Aber noch ist es nicht so weit. Andererseits: Was hat er noch zu erwarten? Gibt es da noch etwas? Eine unbestimmte Hoffnung? Und doch: Er glaubt nicht mehr daran, jemals wieder eine Frau für eine zeitweilige Liebschaft kennenzulernen, geschweige denn einer letzten großen Liebe zu begegnen. Liebespaare beobachtete er mit einem mitleidigen Lächeln und die vielen Schwangeren in seinem Wohnviertel mit Missvergnügen. Wie kann man nur, fragte er sich. Geht sowieso alles zu Ende. Und wieder irgendwelche Bengel öder Gören mehr, die ihn im Park durch ihren Lärm beim Lesen stören werden! Und dazu die wirtschaftliche Situation, die des Planeten … wie egoistisch! Können sich auch einen Hund zulegen, wenn sie unbedingt etwas zum Streicheln brauchen! Obwohl: Hunde kann er genauso wenig leiden. Diese Ausscheidungen überall, außerdem scheinen ihm alle Hundebesitzer eine Macke zu haben. Dieses Gedöns um die armen Tierchen, die doch nur spielen wollen … lächerlich!
Er zieht eine neue Zigarette aus seiner Packung und zündet sie an. Zusammen mit gutem Essen und teurem Wein eine seiner letzten Vergnügen. Die Schachtel hatte sich während all der Jahre nicht verändert, nur dieses unansehnliche weiße Rechteck mit Trauerrand und dem Satz über die mögliche Tödlichkeit des Rauchens stört die einst vollkommene Ästhetik. Als ob das Leben selbst nicht tödlich wäre, schüttelt er den Kopf, bevor er husten muss.
„Sie rauchen zu viel“, hört er eine weibliche Stimme. Sein Blick schwenkt auf die Frau, die auf der Nachbarbank sitzt und über ihrem Buch zu ihm herüberblickt. Er mustert sie: keine Schönheit, aber hübsch. „Und Sie sprechen zu viel“, gibt er ihr zur Antwort. „Vor allem, wenn Sie lesen! Lassen Sie sich in Ihrem Buch nicht stören …“
Er betrachtet das Gespräch als beendet, aber er kann nicht umhin zu versuchen, den Titel oder wenigstens den Autor des Buchs herauszufinden. Sie bemerkt sein Schielen und hält das Buch in die Höhe. „Der Steppenwolf“, liest er auf der Vorderseite, nachdem er seine Brille aufgesetzt hat. Er ist sprachlos, nicht nur, weil er wieder husten muss.
Es wird kühl, befindet er, und macht sich auf den Heimweg, während gerade die Sonne in einem herrlichen Rot untergeht, das einen sonnigen nächsten Tag ankündigt. Sommersonnenwende, geht es ihm nicht aus dem Kopf. Und: So, so, den „Steppenwolf“ liest sie also …
(unter anderem inspiriert von der Diskussion zu Hauptberuflich Optimist: „Heilmittel gegen andauernden Liebeshunger“; Fortsetzung: Der Steppenwolf)
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Die Rapanui und wir
Donnerstag, 18. Juni 2009 von Ronald.
Der Film „HOME“ von Yann Arthus-Bertrand
Die Rapanui auf der Osterinsel haben es vor Jahrhunderten bereits vorgemacht: Nachdem sie die gesamte Bewaldung stückweise in Form von Nutzholz verkauft hatten, konnten sie sich selber keine Kanus mehr bauen und fischen; außerdem brach das ökologische Gleichgewicht der Insel zusammen, sodass auch Landwirtschaft und damit ein Überleben des Volks nicht mehr möglich war.
Was hier im Kleinen geschah, findet seit Jahrzehnten in großem Maßstab auf der Erde statt. Das ist das Thema des unbedingt sehenswerten Films „HOME“ des französischen Fotografen und Journalisten Yann Arthus-Bertrand, der seit Anfang Juni einen eigenen Kanal auf YouTube hat und inzwischen allein in der englischen und französischen Version jeweils weit über eine Million Mal aufgerufen wurde.
Der Film präsentiert in eineinhalb Stunden die Schönheit der Natur und zeigt gleichzeitig ihre Verletzlichkeit: Man sieht die angesichts mancher Bilder geradezu wortwörtlich zu nehmenden Wunden, die der Mensch in seiner relativ kurzen Lebenszeit auf Erden dieser bereits zugefügt hat.
Der Regisseur sagt u. a.: „Wir leben in einer alles-entscheidenden Zeit. Wissenschaftler sagen uns, wir hätten nur 10 Jahre um unsere Lebensweise zu ändern, um das Aufzehren von Rohstoffen … und um eine katastrophale Entwicklung des Weltklimas zu verhindern. Jeder Einzelne muss an dieser gemeinsamen Anstrengung teilnehmen. … handeln Sie.“ Im Film selbst heißt es mehrmals: „Es ist zu spät für Pessimismus!“
Der YouTube-Kanal von homeproject.de; die Seite ist auf Deutsch, der Film jedoch in Englisch. Wer dieser Sprache nicht so mächtig ist, klickt etwas weiter unten auf der Seite auf „HOME (DE)“ und aktiviert vor dem Abspielen, das bei ganzer Bildschirmgröße erfolgen sollte, die Untertitel rechts unten. Weitere Informationen zur Produktion findet man auch unter dem Wikipedia-Artikel zum Film. Der Film soll demnächst auch auf DVD mit verschiedenen Sprachen erscheinen und in die Kinos kommen, allerdings hat er bisher für Deutschland und die Schweiz noch keinen Verleih gefunden.
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Cristiano Ronaldo und Karl-Gerhard Eick
Sonntag, 14. Juni 2009 von Ronald.
Auf den ersten Blick mögen der portugiesische Fußballspieler und der Vorstandsvorsitzende von Arcandor nichts gemein haben. Oder etwa doch?
Florentino Pérez, der Präsident des spanischen Fußballvereins Real Madrid, ist bereit 80 Millionen Pfund (etwa 94 Millionen Euro) an den Verein Manchester United zu zahlen, damit Cristiano Ronaldo künftig für diesen spielt. Und zwar für ein Jahresgehalt von wahrscheinlich (der Vertrag muss noch ausgehandelt werden) 9 Millionen Euro netto. Pérez hat sogar noch Größeres vor: Insgesamt sollen 300 Millionen Euro für Transfers ausgegeben werden, was mit Spielerverkäufen und Krediten gedeckt werden soll. Nebenbei bemerkt: Nach einem kurzen Wirtschaftsaufschwung steigt die Arbeitslosigkeit in Spanien wieder; sie liegt derzeit bei etwa 4 Millionen Menschen.
Die Firma Arcandor ist pleite. Das hält Dr. Karl-Gerhard Eick nicht davon ab, auf die Erfüllung seines Fünf-Jahres-Vertrags zu bestehen, der ihm ein jährliches Grundgehalt von 2 Millionen Euro, eine „Variable“ von 1 Millionen Euro plus Erfolgsprämien zusichert, selbst wenn er früher aus dem Unternehmen scheidet. Das garantiert ihm der Hauptaktionär, das Bankhaus Sal. Oppenheim, auch im laufenden Insolvenzverfahren. Nebenbei bemerkt: Vor kurzem bekräftigte Eick in einem Interview mit der Bild-Zeitung, dass eine Rettung von Arcandor ohne staatliche Hilfen ausgeschlossen sei.
Bei der Arcandor-Tochter Karstadt, die im vorigen Geschäftsjahr einen Verlust von 272 Millionen Euro „erwirtschaftet“ hatte, haben die Angestellten freiwillig auf Teile ihres Gehalts verzichtet (eine einfache Verkäuferin etwa auf 100 Euro im Monat) und damit dem Konzern seit 2004 300 Millionen Euro Lohn geschenkt. Nebenbei bemerkt: Nicht nur deswegen schreibt Karstadt inzwischen wieder schwarze Zahlen.
Währenddessen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff, der schon vor seinem Einstieg bei Arcandor fünf Gebäude für überteuerte Mieten an Karstadt verpachtet haben soll. Auch gegen Eick sind mehrere Anzeigen wegen Insolvenzverschleppung eingegangen.
Cristiano Ronaldo kann, außer vielleicht, dass er gut Fußball spielt, nichts dafür, wenn jemand 94 Millionen Euro für seinen Vereinswechsel zahlt. Er ist damit ein (vorläufiger) Einzelfall. Dass er bei seinem neuen Verein nicht für weniger Gehalt als vorher spielen möchte, eint ihn mit Karl-Gerhard Eick, der nach seinem Vier-Jahres-Vertrag bei der Telekom schlau genug war, dass sein Vertrag mit Arcandor dieselbe, wenn nicht gar eine bessere Sicherheit bieten sollte, womit er allerdings keinen Einzelfall in der Management-Landschaft abgibt. Die Frage nach dem eigenen Gewissen, der Moral oder gar Ethik scheint sich jedoch wiederum für beide nicht zu stellen …
(Alle Fakten und Zahlen aus der Frankfurter Rundschau vom 13./14. Juni 2009, die allerdings die Zahlen von Eicks Bezügen von der Bild-Zeitung übernimmt.)
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Mein Stadtteil: das Frankfurter Nordend
Samstag, 13. Juni 2009 von Ronald.
Das Nordend ist eines der beliebtesten Wohnviertel in Frankfurt am Main. Mit 54.000 Einwohnern ist es Frankfurts am dichtesten besiedelter Stadtteil. Es ist die Mischung aus schönen Wohnhäusern aus dem späten 19. Jahrhundert, der Gründerzeit, der Neurenaissance und des Spätklassizismus, Geschäften, Parks und nicht zuletzt der Kneipenkultur, die den Reiz des Nordends ausmacht. Ob Tante-Emma-Laden oder Supermarkt, ob gemütliche Kneipe oder schicke Bar, alles ist mit wenigen Schritten zu erreichen – vorausgesetzt, man hat hier eine Wohnung gefunden. Die Nähe zur Innenstadt und die gute Verkehrsanbindung tragen wesentlich zur Attraktivität des Nordends bei. Begeben wir uns auf einen kleinen Spaziergang durch das Viertel, in dem ich, bis auf eine Unterbrechung während meiner ersten beiden Lebensjahre, immer gewohnt habe. (Das obige Bild, das eine Luftaufnahme des Nordends zeigt, wie das untere, das einen Blick auf die Straße wirft, in der ich wohne, stammen von „EvaK“ (Eva Kröcher), Wikipedia-Artikel: GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Quelle für alle Bilder: Wikimedia Commons.)
Lage und Geschichte
Das Nordend grenzt an die Innenstadt und an den Anlagenring; Grenze zum Westend ist die Eschersheimer Landstraße (Fassaden, Bild: Michael König, GNU-Lizenz für freie Dokumentation), zum Ostend der Sandweg. Nördlich grenzt das Viertel an den Dornbusch und an den Alleenring. Schon vor der Gründung Frankfurts war das Nordend besiedelt. In der Nähe des heutigen Günthersburgparks stand eine römische Villa, die von der römischen Stadt Nida (heute Frankfurt-Heddernheim) verwaltet wurde. Im Mittelalter entstanden einige königliche Fronhöfe, die im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit in Patrizierbesitz übergingen. Ab dem späten 19. Jahrhundert, der Gründerzeit, wurde die Fläche westlich von Bornheim zum Wohngebiet ausgebaut und erhielt seinen heutigen Namen.
Bauwerke und Parks
Das bekannteste Bauwerk des Nordends ist wohl das Funkhaus des Hessischen Rundfunks an der Bertramstraße. Der Große Sendesaal war ursprünglich als Plenarsaal des Deutschen Bundestages geplant, doch die Geschichte verlief anders und Frankfurt unterlag Bonn in der Hauptstadtfrage knapp (Bild: „Peng“, GNU-Lizenz für freie Dokumentation).
An der Kreuzung Adickesallee/Eckenheimer Landstraße befindet sich sie Deutsche Bibliothek, neben Leipzig ein Standort der Deutschen Nationalbibliothek, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Bewahrung deutschen Schriftguts gegründet wurde (Bild: „Soyburg“, GNU-Lizenz für freie Dokumentation).
Exponiertestes Gebäude des Stadtteils ist das ehemalige Shell-Hochhaus am Nibelungenplatz. 1966 errichtet, war es mit 110 Metern das höchste Gebäude der Stadt und ganz im Zeichen der Zeit mit einem Atomschutzbunker im Keller ausgestattet. 1993 wurde es umfassend renoviert und in „Büro Center Nibelungenplatz“ (BCN) umbenannt. Es erhielt eine blaue Glasfassade und einen Panoramaaufzug, der durch ein Video der Band Soulsister und die Fernsehserie „Ein Fall für zwei“ internationale Aufmerksamkeit erhielt (Bild: S. Kasten, GNU-Lizenz für freie Dokumentation).
Der Glauburgbunker, ein während des 2. Weltkriegs gebauter imposanter Zivilschutzbunker (einer von insgesamt drei im Nordend), beherbergt heute die Wissenschaftsausstellung und Erlebnismuseum EXPLORA sowie eine Bar, in der die beeindruckende Stärke der Wände zu erkennen ist.
Zur Entspannung kann man seine Seele in einem der drei Parks des Nordends baumeln lassen. Der Kleinste ist der Holzhausenpark mir dem Holzhausen-Schlösschen. Das Wasserschloss inmitten eines kleinen Weihers ist seit der Renaissance ein Ort der Kunst und Kultur und ein architektonisches Kleinod (Bild: „Chalco“, gemeinfrei/„public domain“).
Der Bethmannpark, ehemaliger Sommersitz der Bankiersfamilie Bethmann, ist mit seinen prachtvollen Blumenbeeten und dem nach klassischen Elementen des Feng-Shui angelegten chinesischen „Garten des himmlichen Friedens“ eine Oase der Ruhe (Bild: Dr. Meierhofer, GNU-Lizenz für freie Dokumentation).
Der größte Park ist der Günthersburgpark im Nordosten. Er wurde vor wenigen Jahren nach Norden erweitert und gliedert sich nun in den alten südlichen Teil mit imposantem Baumbewuchs und mannigfaltigen Spielgelegenheiten. Im Sommer können Kinder nach Herzenslust in den Wasserspielen planschen, währenddessen sich die Eltern in der kleinen Gartenkneipe gemütlich einen „Äppelwoi“ oder „Ebbelwoi“ (Apfelwein) zu Gemüte führen können. Der neue nördliche Teil zeichnet sich durch eine großräumige, lichte Liege- und Spielwiese aus, wo auch die Kulturveranstaltungen des Stalburgtheaters „Stalburg offen Luft“ („Stoffel“) stattfinden.
Die grüne Lunge des Nordends ist der Hauptfriedhof, in dem ich mich seit meiner Kindheit und Jugend gerne aufhalte, und der in verschiedene Bereiche aufgeteilt ist. Hier finden sich u. a. die Gräber von Dr. Heinrich Hoffmann, dem Schöpfer des weltberühmten Kinderbuches „Struwwelpeter“, und von Pauline Schmidt, die ihm zum Vorbild für „Die traurige Geschichte von Paulinchen mit den Streichhölzern“ diente, die der Philosophen Arthur Schopenhauer und dem der Frankfurter Schule Theodor W. Adorno, des Lokalpoeten Friedrich Stoltze und der Mundartschauspielerin Liesel Christ, des Jazzmusikers Albert Mangelsdorff und den Mitbegründern der „Neuen Frankfurter Schule“, den Autoren, Zeichnern und Satirikern F. K. Waechter und Robert Gernhardt. Auch meine Eltern liegen hier, mein Bruder und ich werden es einst vermutlich ebenso … (Mausoleum Reichenbach-Lessonitz, Bild: Harald Fester, GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
Kultur und Einkaufen
Der typische Nordendler ist eher im linksliberalen Spektrum anzusiedeln. Familien mit Kindern, Intellektuelle, Künstler, Lehrer und (ehemalige) WG-Bewohner verleihen dem Nordend seine Lebendigkeit. So finden sich hier Öko- und Weinlädchen, Szene-Kneipen und gemütliche Restaurants, wie z. B. das „Größenwahn“ oder das „Strandcafé“, lokale Institutionen, in denen sich einst Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit ein Stelldichein gaben.
Im Nordend lässt es sich auch hervorragend einkaufen. Hier ist vor allem die Berger Straße (Autor: „Dontworry“, Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported-Lizenz), aber auch die Glauburgstraße sowie der Oeder Weg zu nennen, wo Öko-Supermarkt und Reformhaus, Billig-Discounter und Tante-Emma-Lädchen, Fachgeschäfte und Handwerksbetriebe ihren Platz haben. Besonders im Oeder Weg bei mir um die Ecke, der seinen Namen nach „die Oed“ hat, wie das Gelände zwischen Eschenheimer Tor und Holzhausen-Schlösschen früher genannt wurde, weil es als unfruchtbar galt, ist jedoch zu beobachten, dass viele alteingesessene Geschäfte die steigenden Mieten nicht mehr bezahlen können und von kettenähnlichen Läden verdrängt werden.
Und wie wäre es damit, den Rundgang mit einem Besuch im Kleinkunsttheater und typischen Apfelweinlokal „Stalburg“ oder einer der vielen anderen Kneipen ausklingen zu lassen?
Und wer mehr über das Nordend wissen und/oder sich mehr Bilder anschauen möchte:
Nordend-Chronik * Die Geschichte des Frankfurter Nordends
Frankfurter Stadtteile - Nordend
Wikipedia-Artiikel Frankfurt-Nordend
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