Archive für Montag, 1. Juni 2009

Hallo!

Seit einer ganzen Weile fällt mir auf, dass ich immer öfter mit einem Hallo begrüßt werde. Nein, nicht von engen Freunden oder guten Bekannten; das ist üblich und keine Notiz wert!

Ich betrete ein Geschäft und schon schallt mir ein fröhliches „Hallo!“ entgegen, ebenso an der Kasse eines Supermarkts (hier meist weniger fröhlich), der Marktleiter begrüßt mich als Stammkunde damit, in Kneipen ist es von Bedienungen genauso das Erste, was ich höre, wie am Telefon von Fremden. In offiziellen, also nicht privaten E-Mails werde ich damit angesprochen, begegne ich Nachbarn, gibt es nur noch „Hallo“, und sogar am Arbeitsplatz ersetzte inzwischen anscheinend das Hallo sämtliche tageszeitlich abgestuften Begrüßungen, wie etwa das gute alte „Mahlzeit“ (dem ich allerdings immer etwas ratlos gegenüberstand; meist habe ich mit „Danke, gleichfalls!“ geantwortet, aber das wäre eine andere Notiz wert …).

Moment mal, denke ich mir: Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Sind wir denn schon näher bekannt, gar intim? Haben oder hatten wir etwas miteinander?

Oder soll dadurch vielleicht eine Nähe provoziert werden, so nach dem Motto: Wir sitzen alle in einem Boot? Verkaufsfördernde Maßnahmen: Wenn wir uns nahe sind, kaufst du bestimmt etwas? Mit einem Hallo löschst du die E-Post nicht sofort? Wenn ich dich am Telefon mit einem Hallo begrüße, legst du nicht gleich wieder auf? (Hier springt sogar die Frankfurter Rundschau auf ihren Karriereseiten vom 30./31. Mai 2009 auf den Zug, indem sie in ihrem Artikel „Der erste Eindruck zählt“ empfiehlt, sich bei geschäftlichen Anrufen mit „Hallo Frau X, hier ist Frau Y“ zu melden.) Oder einfach nur zu faul ein paar Silben mehr auszusprechen?

Mir geht dieses dauernde Hallo auf die Nerven und ich sehne mich zurück nach Zeiten, in denen am Morgen mit „guten Morgen“, ab etwa mittags mit „guten Tag“, abends mit „guten Abend“ und eventuell noch nachts mit einem „gute Nacht“ gegrüßt wurde, selbst wenn das erste Wort fast immer verschluckt wurde (auf „Morgen“ habe ich dann oft mit der Nennung des folgenden Wochentags geantwortet, aber auch das wäre …).

Ich meine: Begrüße ich Sie etwa mit „Grüß dich“, „Na, mein Bester“, „Ei Gude, wie?“ oder „Na, altes Haus“?

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