Hallo!
Seit einer ganzen Weile fällt dem Autor auf, dass er immer öfter mit einem Hallo begrüßt wird. Nein, nicht von engen Freunden oder guten Bekannten; das ist üblich und keine Notiz wert!
Er betritt ein Geschäft und schon schallt ihm ein fröhliches „Hallo!“ entgegen, ebenso an der Kasse eines Supermarkts (hier meist weniger fröhlich), der Marktleiter begrüßt ihn als Stammkunde damit, in Kneipen ist es von Bedienungen genauso das Erste, was er hört, wie auch am Telefon von Fremden. In offiziellen, also nicht privaten E-Mails wird er damit angesprochen, begegnet er Nachbarn, gibt es nur noch „Hallo“, und sogar am Arbeitsplatz ersetzte inzwischen anscheinend das Hallo sämtliche tageszeitlich abgestuften Begrüßungen wie etwa das gute alte „Mahlzeit“ (dem er allerdings immer etwas ratlos gegenüberstand; meist hat er mit „Danke, gleichfalls!“ geantwortet, aber das wäre eine andere Notiz wert …).
Moment mal, denkt er sich: Hat er da etwas nicht mitbekommen? Sind wir denn schon näher bekannt, gar intim? Haben oder hatten wir etwas miteinander?
Oder soll dadurch vielleicht eine Nähe provoziert werden, so nach dem Motto: Wir sitzen alle in einem Boot? Verkaufsfördernde Maßnahmen: Wenn wir uns nahe sind, kaufst du bestimmt etwas? Mit einem Hallo löschst du die E-Post nicht sofort? Wenn ich dich am Telefon mit einem Hallo begrüße, legst du nicht gleich wieder auf? (Hier springt sogar die Frankfurter Rundschau auf ihren Karriereseiten vom 30./31. Mai 2009 auf den Zug, indem sie in ihrem Artikel „Der erste Eindruck zählt“ empfiehlt, sich bei geschäftlichen Anrufen mit „Hallo Frau X, hier ist Frau Y“ zu melden.) Oder einfach nur zu faul ein paar Silben mehr auszusprechen?
Ihm geht dieses dauernde Hallo auf die Nerven und er sehnt sich zurück nach Zeiten, in denen am Morgen mit „guten Morgen“, ab etwa mittags mit „guten Tag“, abends mit „guten Abend“ und eventuell noch nachts mit einem „gute Nacht“ gegrüßt wurde, selbst wenn das erste Wort fast immer verschluckt wurde (auf „Morgen“ hat er dann oft mit der Nennung des folgenden Wochentags geantwortet, aber auch das wäre …).
Begrüßt er Sie, eine wildfremde Person, etwa mit „Grüß dich“, „Na, mein Bester“, „Ei Gude, wie?“ oder „Na, altes Haus“?
Ja, selbst ich, die ich ja einige Jahre jünger bin, finde ein Hallo oft wirklich unangebracht und störend. Wobei ich es erschreckender finde, wenn ich schräg angeschaut werde, weil ich jemanden mit “Grüß Gott” oder “Guten Tag” begrüße…Naja, daran muss man sich wohl gewöhnen, aber es wirkt einfach…respektlos!
Kommentar von Tindomerel — Freitag, 5. Juni 2009 @ 21:18
Die Zeiten ändern sich; heutzutage wirkt das „Guten Tag“ für viele, gerade jüngere Menschen antiquiert und unpersönlich. Ein „Hallo“, finde ich, ist aber keine Alternative dazu. Übrigens grüßte mich gerade vorhin der Verkäufer in meinem Stamm-Tabakladen, wie üblich, mit „Grüß Gott“. Selbst diese Möglichkeit finde ich akzeptabel, allerdings gefällt das dann Atheisten nicht. Man kann es halt niemandem recht machen …
Kommentar von Ronald — Freitag, 5. Juni 2009 @ 21:50
Ich habe mich bisher wenig über Pro & Contra des “Hallos” auseinander gesetzt. Aber bis jetzt bin ich definitiv Anhänger des Hallos. Ich bin ein sehr offener Mensch und verabscheue ein kühles Auftreten gegenüber meinen Mitmenschen. Wobei ich denke, das Hallo kann hier nicht einfach so über einen Kamm geschoren werden.
Es ist besonders situationsabhängig. Ich habe Kontakt mit Bürgern, welche meist Anliegen haben, also etwas von mir wollen. Ein freundliches Hallo finde ich hier viel angebrachter, als ein (meiner Meinung nach) kühl wirkendes Guten Tag. Allerdings bevorzuge auch ich das Guten Tag, wenn ich merke, mein Gegenüber ist weniger eingeschüchtert, verklemmt sondern macht eher den gegenteiligen Eindruck.
Was das Verhalten zu Mitarbeitern angeht bin ich ganz klar für ein Hallo (Vorgesetzte vielleicht ausgeschlossen). Menschen in Supermärkten etc. begrüße ich auch meist mit einem freundlichen Hallo. Lediglich am Telefon nutze ich Floskeln wie Schönen guten Tag/Abend, meine Name ist …
Ansonsten bin ich Anhänger des Hallos, weil es einen offenen, zugänglichen Eindruck vermittelt. Es wirkt nicht so steif, es wirkt locker, umgänglich. Das ist natürlich nicht immer angebracht. Dann sollte man wieder auf das gute Guten Tag/Abend zurückgreifen. Mahlzeit oder Grüß Gott hingegen mag ich absolut nicht (ebenso wie Auf Wiedersehen - nutze ich auch nur, wenn es angebracht ist).
Kommentar von Optimistin — Montag, 8. Juni 2009 @ 23:33
Danke für deinen Kommentar, zu dem ich nichts mehr antworten kann, was ich nicht schon vorher geantwortet hatte, außer, dass mir „Mahlzeit“, wie beschrieben, auch noch nie gefallen hat (und das übrigens eine Kurzform von „gesegnete Mahlzeit“ ist). Bin aber gerade in einem anderen Fenster auf deinen Seiten und werde mich mal bei dir einlesen.
Kommentar von Ronald — Dienstag, 9. Juni 2009 @ 0:03
Selbst benutze ich das “Hallo” eher selten, jedenfalls im normalen Sprachgebrauch. Allerdings empfinde ich es auch nicht als besonders persönlich. Ich würde nur deshalb keine Mail lesen und mich auch nicht von einem Verkäufer einfangen lassen.
Im Übrigen kann ich mir das Hallo durchaus mit verschiedenen Betonungen vorstellen und dann kann es vielleicht sogar eine sehr persönliche, sogar anzügliche, Note bekommen.
Im Nordwesten sagt man übrigens oft kurz “Moin” oder auch “Moin, moin” und sagt das den ganzen Tag, nicht nur morgens. Das ist wohl die mundartliche Variante von “Guten Morgen”.
Kommentar von Cornelia — Freitag, 25. Dezember 2009 @ 1:55
„Moin“ oder „Moin, moin“ ist inzwischen vereinzelt sogar bis hierher vorgedrungen. Die Ableitung von „guten Morgen“ ist allerdings nicht bewiesen!
Kommentar von Ronald — Freitag, 25. Dezember 2009 @ 2:18