Mein Stadtteil: das Frankfurter Nordend

Blick auf das Frankfurter Nordend

Blick auf das Frankfurter Nordend (EvaK/ Wikimedia Commons; alle Bilder zum Vergrößern anklicken)

Fichardstraße, Ecke Bornwiesenweg

Fichardstraße, Ecke Bornwiesenweg (EvaK/ Wikimedia Commons)

Das Nordend ist eines der beliebtesten Wohnviertel in Frankfurt am Main. Mit 54.000 Einwohnern ist es Frankfurts am dichtesten besiedelter Stadtteil. Es ist die Mischung aus schönen Wohnhäusern aus dem späten 19. Jahrhundert, der Gründerzeit, der Neurenaissance und des Spätklassizismus, Geschäften, Parks und nicht zuletzt der Kneipenkultur, die den Reiz des Nordends ausmacht. Ob Tante-Emma-Laden oder Supermarkt, ob gemütliche Kneipe oder schicke Bar, alles ist mit wenigen Schritten zu erreichen — vorausgesetzt, man hat hier eine Wohnung gefunden. Die Nähe zur Innenstadt und die gute Verkehrsanbindung tragen wesentlich zur Attraktivität des Nordends bei. Begeben wir uns auf einen kleinen Spaziergang durch das Viertel, in dem ich, bis auf eine Unterbrechung während meiner ersten beiden Lebensjahre, immer gewohnt habe. (Das Bild ganz oben zeigt eine Luftaufnahme des Nordends, das untere rechte wirft einen Blick auf die Straße, in der der Autor wohnt.)

Lage und Geschichte

Das Frankfurter Nordend grenzt an die Innenstadt und an den Anlagenring; Grenze zum Westend ist die Eschersheimer Landstraße (Fassaden, Bild: Michael König, GNU-Lizenz für freie Dokumentation), zum Ostend der Sandweg. Nördlich grenzt das Viertel an den Dornbusch und an den Alleenring. Schon vor der Gründung Frankfurts war das Nordend besiedelt. In der Nähe des heutigen Günthersburgparks stand eine römische Villa, die von der römischen Stadt Nida (heute Frankfurt-Heddernheim) verwaltet wurde. Im Mittelalter entstanden einige königliche Fronhöfe, die im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit in Patrizierbesitz übergingen. Ab dem späten 19. Jahrhundert, der Gründerzeit, wurde die Fläche westlich von Bornheim zum Wohngebiet ausgebaut und erhielt seinen heutigen Namen.

Bekannte Bauwerke

HR-Sendesaal

Großer Sendesaal des Hessischen Rundfunks (Peng/ Wikimedia Commons)

Eines der bekanntesten Bauwerke des Nordends ist das Funkhaus des Hessischen Rundfunks an der Bertramstraße. Der Große Sendesaal war ursprünglich als Plenarsaal des Deutschen Bundestages geplant, doch die Geschichte verlief anders und Frankfurt unterlag Bonn in der Hauptstadtfrage knapp.

Deutsche bibliothek

Deutsche Bibliothek (Soyburg/ Wikimedia Commons)

An der Kreuzung Adickesallee/Eckenheimer Landstraße befindet sich sie Deutsche Bibliothek, neben Leipzig ein Standort der Deutschen Nationalbibliothek, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Bewahrung deutschen Schriftguts gegründet wurde.

Nibelungenplatz mit BCN-Hochhaus

BCN-Hochhaus am Nibelungenplatz (Dontworry/ Wikimedia Commons)

Exponiertestes Gebäude des Stadtteils ist das ehemalige Shell-Hochhaus am Nibelungenplatz. 1966 errichtet, war es mit 110 Metern das höchste Gebäude der Stadt und ganz im Zeichen der Zeit mit einem Atomschutzbunker im Keller ausgestattet. 1993 wurde es umfassend renoviert und in „Büro Center Nibelungenplatz“ (BCN) umbenannt. Es erhielt eine blaue Glasfassade und einen Panoramaaufzug, der durch ein Video der Band Soulsister und die Fernsehserie „Ein Fall für zwei“ internationale Aufmerksamkeit erhielt.

Der Glauburgbunker, ein während des Zweiten Weltkriegs gebauter imposanter Zivilschutzbunker (einer von insgesamt drei im Frankfurter Nordend), beherbergt heute die Wissenschaftsausstellung und Erlebnismuseum EXPLORA sowie eine Bar, in der die beeindruckende Stärke der Wände zu erkennen ist.

Parks im Frankfurter Nordend

Holzhausen-Schlösschen

Holzhausen-Schlösschen (Chalco/ Wikimedia Commons)

Zur Entspannung kann man seine Seele in einem der drei Parks des Nordends baumeln lassen. Der kleinste davon ist der Holzhausenpark mit dem Holzhausen-Schlösschen. Das Wasserschloss inmitten eines kleinen Weihers ist seit der Renaissance ein Ort der Kunst und Kultur und ein architektonisches Kleinod.

Chinesischer Garten

Garten des himmlischen Friedens (Chinesischer Garten) im Bethmannpark (Dontworry/ Wikimedia Commons)

Der Bethmannpark, ehemaliger Sommersitz der Bankiersfamilie Bethmann, ist mit seinen prachtvollen Blumenbeeten und dem nach klassischen Elementen des Feng-Shui angelegten chinesischen „Garten des himmlischen Friedens“ eine Oase der Ruhe.

Der größte Park ist der Günthersburgpark im Nordosten. Er wurde vor wenigen Jahren nach Norden erweitert und gliedert sich nun in den alten südlichen Teil mit imposantem Baumwuchs und mannigfaltigen Spielgelegenheiten. Im Sommer können Kinder nach Herzenslust in den Wasserspielen planschen, währenddessen sich die Eltern in der kleinen Gartenkneipe gemütlich einen „Äppelwoi“ oder „Ebbelwoi“ (Apfelwein) zu Gemüte führen können. Der neue nördliche Teil zeichnet sich durch eine großräumige, lichte Liege- und Spielwiese aus, wo auch die Kulturveranstaltungen des Stalburgtheaters „Stalburg offen Luft“ („Stoffel“) stattfinden.

Mausoleum Reichenbach-Lessonitz

Mausoleum Reichenbach-Lessonitz auf dem Hauptfriedhof (EvaK/ Wikimedia Commons)

Die grüne Lunge des Nordends ist der Hauptfriedhof, in dem ich mich seit meiner Kindheit und Jugend gerne aufhalte, und der in verschiedene Bereiche aufgeteilt ist. Hier finden sich u. a. die Gräber von Dr. Heinrich Hoffmann, dem Schöpfer des weltberühmten Kinderbuches „Struwwelpeter“, und von Pauline Schmidt, die ihm zum Vorbild für „Die traurige Geschichte von Paulinchen mit den Streichhölzern“ diente, die der Philosophen Arthur Schopenhauer und dem der Frankfurter Schule Theodor W. Adorno, des Lokalpoeten Friedrich Stoltze und der Mundartschauspielerin Liesel Christ, des Jazzmusikers Albert Mangelsdorff und den Mitbegründern der „Neuen Frankfurter Schule“, den Autoren, Zeichnern und Satirikern F. K. Waechter und Robert Gernhardt. Auch meine Eltern liegen hier, mein Bruder und ich werden es einst vermutlich ebenso …

Kultur und Einkaufen

Der typische Nordendler ist eher im linksliberalen Spektrum anzusiedeln. Familien mit Kindern, Intellektuelle, Künstler, Lehrer und (ehemalige) WG-Bewohner verleihen dem Frankfurter Nordend seine Lebendigkeit. So finden sich hier Öko- und Weinlädchen, Szene-Kneipen und gemütliche Restaurants, wie z. B. das „Größenwahn“ oder das „Strandcafé“, lokale Institutionen, in denen sich einst Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit ein Stelldichein gaben.

Berger Straße, Ecke Höhenstraße

Berger Straße, Ecke Höhenstraße (Dontworry/ Wikimedia Commons)

Im Frankfurter Nordend lässt es sich auch hervorragend einkaufen. Hier ist vor allem die Berger Straße, aber auch die Glauburgstraße und der Oeder Weg zu nennen, wo Öko-Supermarkt und Reformhaus, Billig-Discounter und Tante-Emma-Lädchen, Fachgeschäfte und Handwerksbetriebe ihren Platz haben. Besonders im Oeder Weg bei mir um die Ecke, der seinen Namen nach „die Oed“ hat, wie das Gelände zwischen Eschenheimer Tor und Holzhausen-Schlösschen früher genannt wurde, weil es als unfruchtbar galt, ist jedoch zu beobachten, dass viele alteingesessene Geschäfte die steigenden Mieten nicht mehr bezahlen können und von kettenähnlichen Läden verdrängt werden.

Zur Stalburg mit Stalburg-Theater

Eingang Apfelweingaststätte Stalburg und Stalburgtheater, Glauburgstraße (EvaK/ Wikimedia Commons)

Und wie wäre es damit, den Rundgang mit einem Besuch im Kleinkunsttheater und typischen Apfelweinlokal „Stalburg“ oder einer der vielen anderen Kneipen ausklingen zu lassen?

Weitere Verweise

Und wer mehr über das Frankfurter Nordend wissen und/oder sich mehr Bilder anschauen möchte:
Nordend-Chronik * Die Geschichte des Frankfurter Nordends
Frankfurter Stadtteile – Nordend
Wikipedia-Artikel Frankfurt-Nordend

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!


Kommentare

Mein Stadtteil: das Frankfurter Nordend — 4 Kommentare

  1. Das liest sich sehr schön und vermittelt einen ganz anderen Eindruck, den man sonst von Frankfurt hat.
    Ich wäre froh, wenn meine Stadt (ca. 78.000 EW) nur halb so viel zu bieten hätte…

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