Cristiano Ronaldo und Karl-Gerhard Eick

Auf den ersten Blick mögen der portugiesische Fußballspieler Cristiano Ronaldo und der Vorstandsvorsitzende von Arcandor Dr. Karl-Gerhard Eick nichts gemein haben. Oder etwa doch?

Florentino Pérez, der Präsident des spanischen Fußballvereins Real Madrid, ist bereit 80 Millionen Pfund (etwa 94 Millionen Euro) an den Verein Manchester United zu zahlen, damit Cristiano Ronaldo künftig für diesen spielt. Und zwar für ein Jahresgehalt von wahrscheinlich (der Vertrag muss noch ausgehandelt werden) 9 Millionen Euro netto. Pérez hat sogar noch Größeres vor: Insgesamt sollen 300 Millionen Euro für Transfers ausgegeben werden, was mit Spielerverkäufen und Krediten gedeckt werden soll. Nebenbei bemerkt: Nach einem kurzen Wirtschaftsaufschwung steigt die Arbeitslosigkeit in Spanien wieder; sie liegt derzeit bei etwa 4 Millionen Menschen.

Die Firma Arcandor ist pleite. Das hält Dr. Karl-Gerhard Eick nicht davon ab, auf die Erfüllung seines Fünf-Jahres-Vertrags zu bestehen, der ihm ein jährliches Grundgehalt von 2 Millionen Euro, eine „Variable“ von 1 Millionen Euro plus Erfolgsprämien zusichert, selbst wenn er früher aus dem Unternehmen scheidet. Das garantiert ihm der Hauptaktionär, das Bankhaus Sal. Oppenheim, auch im laufenden Insolvenzverfahren. Nebenbei bemerkt: Vor kurzem bekräftigte Eick in einem Interview mit der Bild-Zeitung, dass eine Rettung von Arcandor ohne staatliche Hilfen ausgeschlossen sei.

Bei der Arcandor-Tochter Karstadt, die im vorigen Geschäftsjahr einen Verlust von 272 Millionen Euro „erwirtschaftet“ hatte, haben die Angestellten freiwillig auf Teile ihres Gehalts verzichtet (eine einfache Verkäuferin etwa auf 100 Euro im Monat) und damit dem Konzern seit 2004 300 Millionen Euro Lohn geschenkt. Nebenbei bemerkt: Nicht nur deswegen schreibt Karstadt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Währenddessen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff, der schon vor seinem Einstieg bei Arcandor fünf Gebäude für überteuerte Mieten an Karstadt verpachtet haben soll. Auch gegen Eick sind mehrere Anzeigen wegen Insolvenzverschleppung eingegangen.

Cristiano Ronaldo kann, außer vielleicht, dass er gut Fußball spielt, nichts dafür, wenn jemand 94 Millionen Euro für seinen Vereinswechsel zahlt. Er ist damit ein (vorläufiger) Einzelfall. Dass er bei seinem neuen Verein nicht für weniger Gehalt als vorher spielen möchte, eint ihn mit Karl-Gerhard Eick, der nach seinem Vier-Jahres-Vertrag bei der Telekom schlau genug war, dass sein Vertrag mit Arcandor dieselbe, wenn nicht gar eine bessere Sicherheit bieten sollte, womit er allerdings keinen Einzelfall in der Management-Landschaft abgibt. Die Frage nach dem eigenen Gewissen, der Moral oder gar Ethik scheint sich jedoch wiederum für beide nicht zu stellen …

(Alle Fakten und Zahlen aus der Frankfurter Rundschau vom 13./14. Juni 2009, die allerdings die Zahlen von Eicks Bezügen von der Bild-Zeitung übernimmt.)


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