Archive für Oktober 2009
Der poussierte Gast 3
Dienstag, 27. Oktober 2009 von Ronald.
von Hans Arp
Grabsteine trag ich auf dem Kopf
und wasserhaltig ist mein Leib.
Den alten Adam zieh ich aus
zwölfmal pro Tag zum Zeitvertreib.Ich stecke bis zum Heft im Licht
und dennoch spring ich durch mein Maul
und trage Eulen nach Athen
und spanne mich vor meinen Gaul.Lebwohl viel hund- und katzenmal.
Ich folge einem Zug der Zeit
inkognito mit Blei verglast
zum Spiritus der Heiterkeit.Privaten Kampfer menge ich
mit dem Holundermark der Zeit
und klimm am Mast- und Segeldarm
endgültig in die Ewigkeit.
(Hans Arp, * 1886, † 1966, deutsch-französischer Maler, Bildhauer und Lyriker des Dadaismus, zitiert aus Hans Richter: DADA — Kunst und Antikunst, Köln 1973)
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Guerilla-Marketing
Samstag, 17. Oktober 2009 von Ronald.
Vor Kurzem stolperte ich zum ersten Mal über den Begriff „Guerilla-Marketing“. Dabei dachte ich zunächst an im Untergrund agierende Marketing-Abteilungen, die ohne Wissen des obersten Chefs Kampagnen lancieren, an vermummte und mit Megaphonen ausgerüstete Werbefuzzis, die plötzlich während Konzert-, Theater- oder Filmveranstaltungen auftauchen und die Vorteile des neuen Superwaschmittels preisen oder gar Sendezentralen von Radio- oder Fernsehsendern überfallen und die Programmleiter zwingen Werbebotschaften auszustrahlen, die Autofahrer anhalten und ihnen die Vorzüge der Konkurrenzmarke erklären usw. „Werbung total“ sozusagen und nur echt aus dem Untergrund.
Ganz so schlimm ist es aber (noch) nicht, wie mich der Prospekt eines Seminaranbieters aufklärt, der hauptsächlich Kurse zu Verkaufsförderung anbietet. Danach ist Guerilla-Marketing „die kostengünstigste Form der Kundengewinnung“ und angeblich „in Amerika … das Geheimrezept erfolgreicher Unternehmen“. „Lokale Zeitungen und (ähem) Blogs berichten über Guerilla-Kampagnen“, die dann beispielsweise so aussehen: Eine Bäckerei, die nicht weiter auffällt, „macht plötzlich Wahlwerbung“ und ruft zum „Wahlkampf an der Kuchentheke auf: Welcher Kuchen ist am beliebtesten?“ „Ein Männermagazin nahm die Wirtschaftslaute zum Anlass und ließ drei Bodypainting-Models in den Farben Schwarz, Rot und Gold vor dem Berliner Reichstag posieren — mit dem Slogan: ‚Ab jetzt geht’s wieder aufwärts!‘“ Angeblich berichtete sogar eine angesehene Tageszeitung darüber.
Aha! Bevor ich also in Zukunft meine Brötchen oder mein Brot erhalte, wird mir zunächst ein Stimmzettel gereicht, den ich auszufüllen habe. Der Leiter eines Supermarkts läuft während meines Einkaufs neben mir her, befragt mich zu Produkten und Service und legt dabei unaufgefordert Waren in meinen Korb („Probieren Sie DAS doch mal!“). Beim Kauf von einem Paar Socken werden mir Filme vorgespielt, durch die ich mein Gehverhalten überprüfen soll („Also, bei DEM Hallux valgus in Verbindung mit Senk- und Spreizfuß gehen DIESE Socken aber mal gar nicht!“). Der Inhaber einer Reinigung kippt ein Glas Rotwein über mein Hemd, die Vorzüge seiner Wäscherei gegenüber der Konkurrenz hervorhebend („WIR kriegen das wieder raus, die da drüben bestimmt nicht!“). Während eines Theaterbesuchs entert plötzlich eine vermummte und Megaphonen ausgestattete Gruppe die Bühne und …
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Verregnete Sonntage
Sonntag, 11. Oktober 2009 von Ronald.
Wie können verregnete Sonntage doch so angenehm sein: kein Zwang, unbedingt nach draußen gehen zu müssen, sofern keine Termine anstehen, und eine echte Begründung, einfach mal faul sein zu dürfen! Lange frühstücken, dabei eine Platte auflegen, die man schon lange nicht mehr gehört hat, etwas Zeitung lesen, sich danach eventuell nochmals hinlegen, mit Buch oder ohne, oder sich an den Rechner setzen und Dinge erledigen, die unter der Woche keine Zeit finden. Was gibt es Entspannenderes?
Hin und wieder aus dem Fenster schauen: Hauptsächlich Paare, die ihren üblichen Sonntagsnachmittagsspaziergang machen, sind unterwegs (schon mal daran gedacht, den ganzen Tag zusammen im Bett zu verbringen, oder sind diese Zeiten schon vorbei?), und man ist ausnahmsweise froh, dass man nicht dazugehört, genauso nicht zu den Paaren mit Kind(ern), die sich zwischen Mittagessen und Nachmittagskaffee oder gleich dem Abendessen die Füße vertreten, nur manchmal Einzelpersonen, wobei die meisten nicht unbedingt freiwillig unterwegs sein dürften, und ganz selten Leute, denen man ansieht, dass sie gerne spazieren, egal, ob es regnet oder nicht.
Es ist herrlich ruhig im Haus und wenn ich das Fenster kippe, wirkt das Rauschen des Regens zusätzlich beruhigend. Später eine Dusche oder ein Bad, sofern eines vorhanden ist, und weiter geht’s mit dem Faulenzen oder den produktiven Tätigkeiten wie ein solch sinnloses Blog zu schreiben. Am Abend dann einen Wein oder ein Bier zu einem Hörspiel im Radio oder einem Film.
Schade nur und seltsam, dass solche Tage meist viel zu früh wieder zu Ende gehen, bevor es erneut Montag ist, an dem es dann garantiert nicht regnet …
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Bohlen
Dienstag, 6. Oktober 2009 von Ronald.
Nein, nicht von den dicken Brettern ist hier die Rede und solche bohren wollen wir erst recht nicht, sondern vom Namen. Genauer: von Bohlen namens Dieter, also von Dieter Bohlen. Seit letzter Woche ist es amtlich: Er darf sich „Künstler“ nennen!
Laut Frankfurter Rundschau vom 2. bis 4. Oktober 2009 war ein Rechtsstreit mit dem ihn beschäftigenden Privatsender vorausgegangen, der ihn bisher als „Experten“ führte und daher meinte, keine Abgaben in die Künstlersozialkasse (KSK) abführen zu müssen. Das Bundessozialgericht entschied nun, dass Bohlen (der Name, nicht das Brett!) ein Teil der Show und daher „Künstler“ ist. Dabei mache es keinen Unterschied, wie dick (oder dünn) die Bretter sind, die Bohlen (wieder der Name!) bohrt, um den Anwalt der KSK mit meinen eigenen Worten wiederzugeben.
Das freut mich ganz aufrichtig für alle Bohlen(s) dieser Welt! Einzig die Tatsache, dass ich diesen bescheidenen Beitrag in Ermangelung geeigneter Kategorien unter „Kunst und Kultur“ einsortieren muss, bereitet mir Kopfzerbrechen. Vielleicht sollte ich eine neue mit dem Namen „Abfall“ anlegen?
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