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Guerilla-Marketing
Dieser Eintrag stammt von Ronald Am Samstag, 17. Oktober 2009 @ 21:35 In Markt und Wirtschaft | 1 Kommentar
Vor Kurzem stolperte ich zum ersten Mal über den Begriff „Guerilla-Marketing“. Dabei dachte ich zunächst an im Untergrund agierende Marketing-Abteilungen, die ohne Wissen des obersten Chefs Kampagnen lancieren, an vermummte und mit Megaphonen ausgerüstete Werbefuzzis, die plötzlich während Konzert-, Theater- oder Filmveranstaltungen auftauchen und die Vorteile des neuen Superwaschmittels preisen oder gar Sendezentralen von Radio- oder Fernsehsendern überfallen und die Programmleiter zwingen Werbebotschaften auszustrahlen, die Autofahrer anhalten und ihnen die Vorzüge der Konkurrenzmarke erklären usw. „Werbung total“ sozusagen und nur echt aus dem Untergrund.
Ganz so schlimm ist es aber (noch) nicht, wie mich der Prospekt eines Seminaranbieters aufklärt, der hauptsächlich Kurse zu Verkaufsförderung anbietet. Danach ist Guerilla-Marketing „die kostengünstigste Form der Kundengewinnung“ und angeblich „in Amerika … das Geheimrezept erfolgreicher Unternehmen“. „Lokale Zeitungen und (ähem) Blogs berichten über Guerilla-Kampagnen“, die dann beispielsweise so aussehen: Eine Bäckerei, die nicht weiter auffällt, „macht plötzlich Wahlwerbung“ und ruft zum „Wahlkampf an der Kuchentheke auf: Welcher Kuchen ist am beliebtesten?“ „Ein Männermagazin nahm die Wirtschaftslaute zum Anlass und ließ drei Bodypainting-Models in den Farben Schwarz, Rot und Gold vor dem Berliner Reichstag posieren — mit dem Slogan: ‚Ab jetzt geht’s wieder aufwärts!‘“ Angeblich berichtete sogar eine angesehene Tageszeitung darüber.
Aha! Bevor ich also in Zukunft meine Brötchen oder mein Brot erhalte, wird mir zunächst ein Stimmzettel gereicht, den ich auszufüllen habe. Der Leiter eines Supermarkts läuft während meines Einkaufs neben mir her, befragt mich zu Produkten und Service und legt dabei unaufgefordert Waren in meinen Korb („Probieren Sie DAS doch mal!“). Beim Kauf von einem Paar Socken werden mir Filme vorgespielt, durch die ich mein Gehverhalten überprüfen soll („Also, bei DEM Hallux valgus in Verbindung mit Senk- und Spreizfuß gehen DIESE Socken aber mal gar nicht!“). Der Inhaber einer Reinigung kippt ein Glas Rotwein über mein Hemd, die Vorzüge seiner Wäscherei gegenüber der Konkurrenz hervorhebend („WIR kriegen das wieder raus, die da drüben bestimmt nicht!“). Während eines Theaterbesuchs entert plötzlich eine vermummte und Megaphonen ausgestattete Gruppe die Bühne und …
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