Ronalds Notizen

Dienstag, 3. November 2009

Der ADC und Schlingensief

Abgelegt unter: Kunst und Kultur, Information und Medien — Ronald @ 21:38

Es gibt Meldungen, da schüttelt man nur den Kopf: „Christoph Schlingensief wird Ehrenmitglied des Art Directors Club für Deutschland“.

Man erinnere sich: Der Art Directors Club für Deutschland e. V. (ADC) ist der Zusammenschluss führender sogenannter „Kreativer“ der sogenannten „Kommunikationsbranche“. Mit anderen Worten: Werbefuzzis, die sich selbst für „am kreativsten“ halten bzw. von anderen dafür gehalten werden. „Der … ADC ist der Impulsgeber für die Kommunikationsbranche und Gradmesser für außergewöhnliche und herausragende Kommunikationslösungen“, tönt er vollmundig in seiner Selbstdarstellung. Und man erinnere sich etwa an Schlingensiefs Aktionen zu Arbeitslosigkeit mit Menschen, die für die Verheißungen einer solchen Branche wenig empfänglich sind.

Zu den früheren und prominentesten Persönlichkeiten, denen der Titel des ADC-Ehrenmitglieds verliehen wurde, gehören solche wie der Komödiant Vicco von Bülow (1980), Karikaturist Tomi Ungerer (1981), der Fotograf Helmut Newton (1984), der Verleger Rudolf Augstein (2000), sogar Titanic-Mitbegründer und Schriftsteller Robert Gernhardt (2002) und jetzt der Regisseur Christoph Schlingensief. Doch wie kommen diese zu dieser Ehrung? Besondere Verdienste um die Werbung, Pardon: „Kommunikation“?

Der Verdacht drängt sich auf, dass sich der ADC eher mit diesen Personen schmückt, als dass die Verleihung dieses Titels umgekehrt eine echte Ehre für diese ist. Aber man muss ja nicht jeden Titel annehmen, mehr noch: Manche können sogar eine Beleidigung sein!

Quellen:
medienhandbuch.de
Über den ADC

Kommt

Abgelegt unter: Lyrik und Prosa, Sprache und Austausch, Zitate — Ronald @ 11:22

von Gottfried Benn

Kommt, reden wir zusammen,
wer redet, ist nicht tot,
es züngeln doch die Flammen
schon sehr um unsere Not.

Kommt, sagen wir: die Blauen,
kommt, sagen wir: das Rot,
wir hören, lauschen, schauen,
wer redet, ist nicht tot.

Allein in deiner Wüste,
in deinem Gobigraun —
du einsamst, keine Büste
kein Zwiespruch, keine Fraun,

und schon so nah die Klippen,
du kennst dein schwaches Boot —
kommt, öffnet doch die Lippen,
wer redet, ist nicht tot.

(Gottfried Benn, 1955; siehe dazu auch Robert Gernhardt: „Wie arbeitet der Lyrikwart? Gottfried Benn wird verbessert“!)

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