Das Intime
Das Intime zwischen Menschen ist Nachsicht, Duldung, Zuflucht für Eigenheiten.
(aus Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben)
Dieser Eintrag wurde am Sonntag, 20. Dezember 2009 um 20:21 verfasst und befindet sich in Liebe und Beziehungen, Erotik und Sexualität, Zitate. Sie können alle Antworten zu diesem Eintrag über den Feed RSS 2.0 mitverfolgen. Hinterlassen Sie eine Antwort oder einen Trackback-Link zu Ihrer eigenen Homepage.
Sonntag, 20. Dezember 2009 bei 22:40
Intimität ist ein Zustand tiefster Vertrautheit - so Wikipedia.
Überlege gerade ob ich erst nachsichtig sein kann, etwas dulden oder Eigenheiten an einem Menschen akzeptieren kann, wenn ich diesen Zustand erreicht habe.
Ich glaube nicht - ist es nicht eher der Weg dahin?
Montag, 21. Dezember 2009 bei 2:10
Du meinst, dass Nachsicht usw. auf dem Weg zum Vertrauen liegen? Oder zur Intimität? Ich glaube, dass sich Intimität und Vertrauen gegenseitig bedingen. Beides entsteht nicht von heute auf morgen und manchmal ist es ein langer Weg dahin.
Montag, 21. Dezember 2009 bei 10:28
genau so, ich meinte dass Nachsicht usw. auf dem Weg zum Vertrauen liegen. Vertrauen erfordert für mich nicht unbedingt Intimität, aber keine Intimität ohne Vertrautheit. Gerade jetzt fällt mir auf, dass ich unterscheide zwischen Vertrauen und Vertrautheit. Ich kann blind vertrauen ohne intim zu sein oder werden zu wollen, aber es gibt wohl keine Intimität ohne Vertrautheit.
Samstag, 2. Januar 2010 bei 17:03
Nach dem Lesen der Kommentare hab ich auch noch mal selbst nach der Definition geguckt: “In der Alltagssprache bedeutet demgegenüber Intimität oft nur Sexualkontakt, der aber, z. B. als Quickie, durchaus keine tiefste Vertrautheit bedeuten muss.”
Der Hinweis “keine Intimität ohne Vertrautheit” stimmt also wohl nicht ganz, wenn auch Vertrautheit eine wichtige Voraussetzung für eine zufriedenstellende Intimität bedeutet.
Aber da mögen durchaus unterschiedliche Vorstellungen herrschen.
Das enge “intime” Miteinander erfordert m. E. auf jeden Fall, die Eigenarten des anderen anzunehmen (dulden), ihm/ihr die persönlichen Marotten nachzusehen und ihm/ihr Zuflucht zu eigenen Interessen zu ermöglichen, auch wenn man sie evtl. selbst nicht mitträgt. Intimität ermöglicht vielleicht überhaupt erst, sich vorurteils- und angstfrei mit dem Anderen über das Innerste (auch Marotten, Eigenarten usw.) auszutauschen und so in seiner/ihrer Gesamtheit von anderen angenommen zu werden. Bei dem Thema geht es sicher auch nicht nur um Sexualität.
Sonntag, 3. Januar 2010 bei 5:54
Richtig: Adorno ging es bei Intimität „auch nicht nur um Sexualität“, zumal er kein Sexual-, sondern Philosoph und Gesellschaftswissenschaftler war, und dein vorletzter Satz ist immens wichtig!