Ronalds Notizen

Dienstag, 30. März 2010

Wünschelrute

Abgelegt unter: Lyrik und Prosa, Religion und Spiritualität, Zitate — Ronald @ 13:09

von Joseph Freiherr von Eichendorff

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Göttergleich mit Engelszungen
Und erhaben über Zeit und Raum,
Gesprochen, geflüstert, geweint, gesungen
Ist das Wort doch wie ein Traum.

Sanft ertönt die alte Weise
Und schwillt an zu Sphärenklang,
Und du gehest auf die Reise,
Folgest nach dem Traumgesang.

Bis ans Ende aller Zeiten
Und ans Ende aller Welt
Wird ein Lied dich mitbegleiten
Und das Wort sich zugesellt.

Samstag, 27. März 2010

Kachelmann ein Vergewaltiger?

Abgelegt unter: Information und Medien, Bloggen — Ronald @ 20:10

Hand aufs Herz: Wer hat angesichts der Schlagzeilen der letzten Tage unter anderem der vorgeblichen „Zeitung“ mit den großen Lettern nicht schon mindestens geglaubt, dass daran etwas sein könnte? Vor allem nach der Überschrift von gestern, die scheinheilig fragte, ob Kachelmann „das zuzutrauen“ sei?

Liest man diese Schlagzeilen, ist der Reflex nahe sofort zu glauben oder wenigstens nicht infrage zu stellen, was man da liest, und es ist erschreckend, dass er bei vielen und sogar unter Bloggern bereits (vor)verurteilt zu sein scheint: Man gebe einmal „Kachelmann“ in eine Blog-Suche ein …

Es soll hier nicht um Schuld oder Unschuld gehen, sondern zunächst einmal darum, dass es in unserem Rechtssystem eine Unschuldsvermutung gibt, die besagt, dass jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig gilt! Weiterhin besagt der deutsche Pressekodex unter anderem, dass bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern keine unlauteren Methoden angewandt werden dürfen und dass unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen als solche kenntlich zu machen sind.

Wie kam es aber überhaupt dazu, dass die Medien herausbekommen haben, dass es um Jörg Kachelmann geht, obwohl die Staatsanwaltschaft Mannheim angeblich lediglich berichtete, dass sie „gegen einen 51-jährigen Journalisten und Moderator ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vergewaltigung führe“ und weitergehende Auskünfte aus Ermittlungsgründen und im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten nicht erteilt werden würden? (Eine Frage übrigens, die sich schon im Fall der Trunkenheitsfahrt der damaligen Landesbischöfin Margot Käßmann stellte, da bei Alkoholkontrollen im Straßenverkehr keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden!)

Dass diese vorgebliche „Zeitung“ wenig Skrupel kennt, sich ihre „Informationen“ zu besorgen, kennt man spätestens seit dem Fall eines ehemaligen Klassenkameraden von mir, der sich Ende der 1970er-Jahre plötzlich verhaftet und als „Vampir von Sachsenhausen“ in den Schlagzeilen dieses Schmutzblatts wiederfand: Hier sind vorgebliche „Reporter“ sogar in die polizeilich versiegelte Wohnung des Betroffenen eingebrochen, um an private Bilder zu gelangen, die anschließend in diesem Blatt präsentiert wurden, und um den „Tatort“ beschreiben zu können! (Dass auch das „links-alternative“ Blatt Pflasterstrand diese Geschichte in vergleichbarem Stil ausschlachtete, bevor sich sämtliche Anschuldigungen als haltlos herausstellten, sei hier nur am Rande erwähnt …)

Es wird hier also in einer bisher kaum gekannten und zudem widerlichen Aktion ein Prominenter öffentlich vorgeführt, für den eben diese Unschuldsvermutung zu gelten hat, und das mit ziemlicher Sicherheit mithilfe wenigstens einzelner Beamter der ermittelnden Behörden, die seinen Namen publik gemacht hatten! Umso erstaunlicher ist es, dass beim Deutschen Presserat bisher keinerlei Beschwerden über eine verfehlte oder überzogene Berichterstattung einzelner Medien oder journalistische Verhaltensweisen vorliegen. Wenigstens hat sein Anwalt inzwischen Strafanzeige gegen die ermittelnden Behörden gestellt.

Aber jeder liest die „Zeitung“ (und die Blogs), die er verdient (und intellektuell verkraften kann). „BILD dir deine Meinung“? Irrtum! Hier (und nicht nur in diesem Blatt!) wird Meinung vorgekaut und wieder ausgespien, die ihre Leser nur noch zu sich nehmen und verdauen müssen. Und warum sollten einzelne Blogger einen besseren Magen haben?

Mahlzeit!

(Ähnlicher Beitrag: Auge um Auge)

Samstag, 13. März 2010

Dreißig Menschen

Abgelegt unter: Lyrik und Prosa, Politik und Gesellschaft — Ronald @ 3:53

Dreißig Menschen
stehen herum und gaffen
wie ein Mann verprügelt wird

Keiner traut sich einzuschreiten
alle haben Angst
stehen herum und gaffen

Doch Angst
wird jeder dieser Menschen
auch haben
so wie du
wenn eines Tages
es trifft
DICH

Und wenn dann wieder
dreißig Menschen
stehen herum und gaffen

(Inspiriert von einer Meldung der Frankfurter Rundschau vom 6./7. März 2010, nach der drei Tage vorher ein U-Bahn-Fahrer von drei Jugendlichen zusammengeschlagen wurde, weil er sie des Zugs verwiesen hatte, nachdem sie vorher die Türen blockiert und trotz Aufforderung nicht freigegeben hatten. „Etwa dreißig Menschen“ sollen diesem Vorfall zugesehen haben, ohne einzugreifen!)

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