Das große Eszett
Donnerstag, Mai 13th, 2010Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geriert sich gerne als (moralisches) Vorbild nicht nur für unsere Jugend. Er engagiert sich einerseits gegen Rassismus und Neonazismus, andererseits werden schon einmal spielende Angeber (oder umgekehrt), die den ausgestreckten Mittelfinger gegen das Publikum zeigen, oder unbequeme Torhüter aus dem erlesenen Kreis der Nationalmannschaft ausgeschlossen.
Weder eine Vorbildfunktion noch eine glückliche Hand beweist der weltweit größte Sportverband beim Bedrucken der Trikots der Spieler Stefan Kießling und Kevin Großkreutz, denn es scheint sich nicht bis zum DFB herumgesprochen zu haben, dass es, im Gegensatz zur Überschrift, kein großes Eszett gibt! Wie sonst ist es zu erklären, dass, wie vorhin im Spiel gegen Malta gesehen, ihre Namen darauf als „KIEßLING“ und „GROßKREUTZ“ angegeben werden, da doch „KIESSLING“ oder „GROSSKREUTZ“ in der Majuskelschreibung, falls diese denn unbedingt sein muss, korrekt wäre?
Da das SZ nur noch in Österreich gebräuchlich und wegen dessen nationalmannschaftlicher Nichtqualifizierung in keiner der Sprachen der während der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft vertretenen Länder vorhanden ist: Wie stellt sich der DFB vor, dass deren Namen von anderen Nationen entziffert und gesprochen bzw. geschrieben werden sollen, sofern ihre Träger an diesem Ereignis teilnehmen werden? Etwa „Kiebling“ und „Grobkreutz“?
Es soll hierbei kein Trost sein, dass dieser Fehler anscheinend nicht auszurotten ist und nicht nur der DFB darauf hereinfällt, auch dann nicht, wenn das große Eszett inzwischen in den internationalen Unicode-Zeichensatz für Computer aufgenommen wurde, obwohl es es eigentlich gar nicht gibt …