Ronalds Notizen

Sonntag, 27. Juni 2010

Sambafußball

Abgelegt unter: Reisen und Länder, Sport und Spiele — Ronald @ 3:35

Was gehen sie einem langsam auf die Nerven, weil sie ein jedes Spiel der brasilianischen Mannschaft vermiesen, sie praktisch verunglimpfen: die Reporter aus den Stadien und die sogenannten „Experten“ in den Studios!

Seit zwei Fußball-Weltmeisterschaften sollte es ihnen bekannt sein, dass die Brasilianer durch ihre Trainer ihr Spiel geändert haben: weg vom früheren „Sambafußball“, der zwar oft wunderschön anzusehen, doch lange reichlich brotlos war. Während ihrer schön spielenden Phase mit vielen Stars und Ballkünstlern zwischen 1974 und 1990 gelang ihnen kein Weltmeistertitel. Man denke nur an das WM-Spiel gegen Argentinien 1990, in dem die brasilianische Mannschaft pausenlos das gegnerische Tor belagerte, Torchance über Torchance hatte, aber der Ball einfach nicht ins Tor wollte, weil ein Tor „zelebriert“, der Ball quasi „ins Tor getragen“, „getanzt“ werden musste. Was folgte? Ein genialer Pass Maradonas auf Caniggia, der nur noch den brasilianischen Torhüter Taffarel ausspielen und einschieben musste. Und damit das Aus!

Und hin zu einem ergebnisorientierteren Spiel. Immer wieder gibt es vor einer anstehenden Weltmeisterschaft Berichte im Fernsehen oder Artikel in den Zeitungen, die die am Stand der teilnehmenden Mannschaften Interessierten darüber informieren, dass spätestens mit Dunga ein Trainer der Mannschaft vorsteht, der „erfolgreichen“ Fußball spielen lassen möchte, was allerdings auch in Brasilien auf wenig Akzeptanz stößt. Aber welcher Trainer stößt dort überhaupt auf Akzeptanz?

Trotzdem wird vonseiten der Reporter das brasilianische Spiel weiter bemäkelt. Es wird von dieser Mannschaft immer mindestens das Doppelte, wenn nicht gar das Drei- oder Vierfache der Leistung verlangt, die sie von anderen Mannschaften erwarten. Und „schön“ soll es dazu auch noch sein: eben „Sambafußball“!

Spieler der brasilianischen Fußballnationalmannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Schweden 1958 (Quelle: svt.se)

Schiebt etwa eine Mannschaft während der letzten Minuten eines Spiels den Ball nur noch in den eigenen Reihen hin und her, weil das Ergebnis für sie ausreicht, wird es jedem Team nach Sympathie als legale Möglichkeit zugestanden, den Brasilianern aber verübelt: Sie sind von den Reportern dazu verdammt, bis zur letzten Minute zu „zaubern“. Den Ball möglichst lange in den eigenen Reihen zu halten und ihn dort zu verteilen, bis sich eine Chance zum Angriff ergibt, ist bei anderen Mannschaften „Sicherheit“, bei den Brasilianern „Überheblichkeit“ oder „Ideenlosigkeit“. Den meisten Mannschaften wird ein nicht so gutes Spiel zugestanden, sofern sie die Sympathien der Sprecher und es gewonnen haben, bei der brasilianischen ist es „wenig überzeugend“ oder gar „enttäuschend“. Es wird mit zweierlei Maßstäben gemessen!

Und zur Erinnerung: Gerade während der Zeit des „jogo bonito“, des schönen Spiels, war die „seleção“, die Auswahl, unwillig und lustlos, wenn es sich um Spiele handelte, bei denen es um nichts (mehr) ging, etwa bei Freundschaftsspielen.

„Jogo bonito“: die brasilianischen Spieler Vavá, Gilmar, Garrincha und Moseir beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel in Schweden 1958 (Quelle: svt.se)

Liebe Reporter und Experten: Ihr seid nicht nur völlig desinformiert, wenn ihr noch nicht einmal die Sendungen eures eigenen Programms gesehen habt, die euch über den Wechsel des brasilianischen Spiels aufgeklärt hätten, wie z. B. im Fall von Béla Réthy und dem ZDF, sondern selbst ungeheuer arrogant und keineswegs vorurteilsfrei! Immerhin ist Brasilien Rekord-Weltmeister und hatte bisher als einzige Nation an allen Fußball-Weltmeisterschaften teilgenommen. Blitzt da etwa Neid hervor? Oder gar Missgunst? Oder im Fall des „Titanen“ Kahn als Experte im ZDF: Hat er seinen Lapsus im Endspiel der Weltmeisterschaft 2002 gegen eben diese noch nicht verarbeitet?

Verschont uns also bitte in Zukunft mit euren abwertenden Kommentaren und betrachtet die Brasilianer als eine Mannschaft unter vielen. Das Zeug zum erneuten Weltmeister haben sie auch ohne euch und ohne „Sambafußball“!

Samstag, 26. Juni 2010

Suchanfragen Mai 2010

Abgelegt unter: Information und Medien, Bloggen — Ronald @ 2:31

Neben den ganzen Suchanfragen zu Robert Enke, seiner Leiche und inzwischen vermehrt sogar nach deren Zustand (!) gab es im Mai auch wieder einige ziemlich lustige oder merkwürdige, die ich gerne kommentiere.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals zerstörend in eine Ehe eingegriffen zu haben, und eine oder einen „bewo“ kenne ich auch nicht. Daher stehe ich einer Anfrage nach „bewo hat meine ehe zerstört“ doch etwas ratlos gegenüber, zumal ich bei einer eigenen Suche nach „bewo“ als Ergebnisse u. a. zwar eine Betongesellschaft (Partner/-in in Beton gegossen?), einen Elektrogroßhändler (Stromschlag?), eine Immobiliengesellschaft (durch Hausbau völlig verschuldet?), eine Metallbaufirma (vom Balkon gestürzt?) und Vereine und Adressen für begleitetes oder betreutes Wohnen finde (keine oder zu kurze Besuchszeiten?), aber hier leider nichts, was darauf verweisen könnte.

Einfach schön ist die Suche nach „chinesen in bornheim frankfurt jazz“! Sucht da jemand nach chinesischen Jazzern aus dem Frankfurt Stadtteil Bornheim? Also, ich kenne keine. Ich wusste noch nicht einmal, dass es überhaupt chinesische Jazzer gibt! Und dann in „Bernem“, wie dieser Stadtteil auf Frankfurterisch heißt. Man lernt nie aus …

Ein paar „erotische bars in frankfurt“ würde ich eventuell schon kennen, aber hier findet man sicher keine Adressen! Ich könnte Ihnen aber vielleicht welche ins Ohr flüstern …

Die „gehaltsstruktur dfb angestellte“ würde mich zwar auch brennend interessieren, aber hierbei kann ich leider auch nicht mit näheren Auskünften dienen. Wenn Sie sie herausgefunden haben, können Sie sie mir ja mitteilen.

Die Frage, „hat kachelmann jemand auf die füsse getreten“, lässt sich von hier aus schwer beantworten. Ich fürchte aber, dass es da so eine Dame gibt … Und zu „kachelmann vergewaltigung wikipedia“ würde ich doch einfach gleich dort nachschauen.

Bei „leipzig gr%c3%bcnderzeit [=Gründerzeit]“, „luftaufnahmen bonn“, „luftbild oberrohr“ muss ich leider komplett passen: Der Verfasser sitzt in Frankfurt am Main! Und eine „philipp mi%c3%9ffelder [=Mißfelder] unterschrift“ besitze ich auch nicht. Hättense jern, wa?

Als sie „stülpte ihren kleinen mund über [=über] seinen steifen schwanz“, hat es hoffentlich Spaß gemacht! Aber über so etwas würde ich doch (hier) nie schreiben …

Bei solch exotischen Anfragen nach [sic!] „каÑ%80Ñ%82Ñ%8b миÑ%80а“, „ñîöèàëüíàÿ çàùèòà“ und „õðèñòèàíñêèå ñàéòû“ muss ich mich jedoch völlig geschlagen geben und kann nur viel Glück wünschen!

Dienstag, 15. Juni 2010

Reklame

Abgelegt unter: Technik und Umwelt, Information und Medien — Ronald @ 20:12

„Früher ging man für den Umweltschutz auf die Straße“, steht es über einem Foto einer Sitzblockade während einer Demonstration vermutlich aus den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Darunter: „Heute ins Büro.“ Weiter heißt es in der Werbung in der Zeitschrift B4B MITTELSTAND vom Juni 2010: „Einfach nur dasitzen ist im Umweltschutz eine bewährte Erfolgsstrategie. Besonders erfolgreich sitzt es sich dabei vor dem“ angeblich „um bis zu 50 %“ im Stromverbrauch reduzierten Flachbildschirm des beworbenen Herstellers. Schließlich folgt mit dem Verweis auf die Internetseite des Monitors der Hinweis, dass man „selbst für weitere Infos […] jetzt nicht mehr auf die Straße“ muss.

Donnerwetter! Welch ein kreativer Höhepunkt der Werbung! Wie viel Energie in den Köpfen und in den Büros der Werber wohl verbraucht wurde? Oder eher: wie wenig?

„Ein geistreicher Schriftsteller zählte zu den notwendigen Übeln außer dem Kriege noch die Chirurgen, Henker, Gerichtsvollzieher, Totengräber und Polizisten, ich füge dieser Sammlung noch ein siebentes hinzu — die Reklame. Kein Mensch wird wohl behaupten, dass die Reklame eine besonders erfreuliche oder angenehme Sache sei, und namentlich in Deutschland gibt es viele Kaufleute, die eine heilige Scheu vor aller geschäftlichen Ankündigung haben. Aber trotz aller Ausschreitungen, welche sich das Reklamewesen in neuerer Zeit gestattet, trotz des Vorschubes, den der Schwindel leistet, ist die Reklame doch ein höchst bedeutsames Kulturmoment unserer Zeit. Mit dieser Macht, welche sowohl segensreich, als auch verhängnisvoll auf den modernen Handel und Wandel einwirkt, muss gerechnet werden“, schrieb Rudolf Cronau schon 1887 in „Das Buch der Reklame“, zitiert nach Sprachnachrichten Nr. 46 vom Juni 2010. Und weiter: „Seit undenklichen Zeiten ist sie eine der meistgebrauchten Waffen gewesen, die im Kampf ums Dasein zur Anwendung kamen.“

In der Tat!

Welche Macht, die hier eindeutig segensreich einwirkt! Welch machtvolle Waffe im Kampf ums Dasein!

Welch ruhiges Gewissen wir doch haben können, wenn wir eines Tages wegen extrem gestiegener oder gefallener Temperaturen mit natürlich energieeffizienten Klimaanlagen oder Heizungen in unseren Büros vor ebendiesem Bildschirm ausharren, sofern jene dann noch stehen!

Und wenn nicht, sehen wir vor unseren geistigen Augen noch einen letzten Werber der zuständigen „Kreativagentur“ (Eigenbezeichnung), der sich inmitten einer verwüsteten Erde an einer letzten noch verbliebenen Reklametafel mit eben dieser Werbung festhält und ausruft: „Ihr hättet ja nur diesen Flachbildschirm kaufen müssen!“

PS: Den Namen des Herstellers dieses Rechnerzubehörs übermittelt der Verfasser auf Anfrage gerne. Und den der veranstaltenden „Agentur für Werbung GmbH“, auf deren Internetseiten diese Reklame im Bild zu bewundern ist, natürlich auch. Damit niemand mehr auf die Straße gehen muss …

Samstag, 5. Juni 2010

Robert Enkes Leiche

Abgelegt unter: Sport und Spiele, Information und Medien, Bloggen — Ronald @ 22:02

Seit ihrer Veröffentlichung gibt es immer wieder Suchanfragen, durch die Interessierte auf meine Notiz über den Tod von Robert Enke „Robert Enke †“ stoßen. Ob es mit der bald beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft zusammenhängt, ist schwer zu beurteilen, doch es ist auffällig, dass die Häufigkeit der Suchen kürzlich wieder zunahm. Erschreckend ist dabei jedoch, wie häufig und dass fast ausschließlich nach seinem Namen in Verbindung mit dem Wort „Leiche“ gefragt wird!

So hatte ich im Monat Mai drei Anfragen nach „robert enkes leiche“, vier nach „enke leiche“ und sage und schreibe 14 nach „robert enke leiche“. Wenn zwei Anfragen nach „handy bilder enke“ gehen, mag das noch harmlose Gründe haben, schließlich habe ich in meiner Notiz ein solches verwendet, aber spätestens dann, wenn, wie bereits früher geschehen, nach dem Zustand seiner Leiche gefragt wurde, fängt es an makaber und geschmack-, wenn nicht sogar pietätlos zu werden!

Sensations- und (verhinderte) Schaulust? Oder möglicherweise Anfragen von potenziell Suizidgefährdeten?

Es ist im Zusammenhang mit seinem Freitod auch darüber geschrieben worden, dass (zu ausführliche) Nachrichten über erfolgreiche Selbsttötungen Gefährdete geradezu zur Nachahmung anregen. Selbst wenn es also Bilder oder andere Informationen gäbe, sollten selbst unseriöse Sensationsjournalisten davon Abstand genommen haben, sie zu veröffentlichen. Und hier findet man sie erst recht nicht! Dass der Deutsche Presserat das Satiremagazin Titanic, dem bekanntlich nichts heilig ist, wegen mehrerer satirisch gemeinter Bilder inzwischen gerügt hat, dürfte genug verbreitet sein.

Freitod ist niemals eine Lösung, vor allem für die Angehörigen nicht und für solche, die etwa als Lokomotivführer unfreiwillig in diesen hineingezogen werden! Er schafft nur neues Leid.

Lassen wir Enke in Frieden ruhen und vielleicht daran denken, dass er in Südafrika sehr wahrscheinlich die Nummer eins im deutschen Tor gewesen wäre!

(Auszug aus den Suchanfragen für den Monat Mai 2010:

#Anfrag.: Suchbegriff

    4: enke leiche
    2: handy bilder enke
    2: leiche robert enke
    14: robert enke leiche
    3: robert enkes leiche
    2: titanic roberrt enke

Link zum Thema:
medienhandbuch.de: „Presserat rügt Titanic-Cartoons zu Enkes Suizid“)

Donnerstag, 3. Juni 2010

Die Einladung

Abgelegt unter: Lyrik und Prosa, Religion und Spiritualität, Zitate — Ronald @ 2:12
Es interessiert mich nicht, womit Du Deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich möchte wissen, wonach Du innerlich schreist und ob Du zu träumen wagst, der Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist. Ich will wissen, ob Du es riskieren wirst, wie ein Narr auszusehen für Liebe, für Deinen Traum, für das Abenteuer am Leben zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu Deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob Du den Mittelpunkt Deines Leids berührt hast, ob Du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob Du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich will wissen, ob Du mit dem Schmerz, meinem oder Deinem eigenen, dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich will wissen, ob Du mit der Freude, meiner oder Deiner eigenen, da sein kannst, ob Du mit Wildheit tanzen und Dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zu ermahnen vorsichtig zu sein, realistisch zu sein oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst, um Dir selber treu zu sein. Ob Du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht die eigene Seele verrätst. Ob Du treulos sein kannst und daher vertrauenswürdig bist.

Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch dann, wenn sie nicht schön ist, jeden Tag. Und ob Du Dein eigenes Leben aus ihrer Quelle speisen kannst.

Ich will wissen, ob Du mit dem Scheitern, Deinem und meinem, leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmondes rufst: „Ja!“

Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo Du lebst und wie viel Geld Du hast. Ich will wissen, ob Du aufstehen kannst nach einer Nacht des verzweiflungsvollen Kummers, müde und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Ernährung der Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wen Du kennst und wie Du hergekommen bist. Ich will wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschauderst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was Du mit wem gelernt hast. Ich will wissen, was Dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt.

Ich will wissen, ob Du alleine mit Dir sein kannst und ob Du in den leeren Momenten wirklich gern mit Dir zusammen bist.

(oft zitiert, aber immer wieder gut: aus „Die Einladung“ von Oriah Mountain Dreamer, Übersetzung von mir korrigiert und leicht geändert. Ihre Internetpräsenz mit der Originalfassung: Oriah Mountain Dreamer | Home, von wo aus Verweise u. a. zu ihren Anmerkungen hierzu oder zu ihrem Blog führen.)

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