People are Strange
When you’re strange, faces come out of the rain, when you’re strange. No one remembers your name, when you’re strange, when you’re strange.
(aus „People are Strange“, Words & Music by: The Doors)
Auch fast vierzig Jahre nach dem Tod von Jim Morrison haben The Doors und ihre Musik nichts von ihrer Anziehungskraft verloren: Angeblich verkaufen sie immer noch weltweit eine Million Tonträger pro Jahr. „Strange“ sind sie also keineswegs! Der neue Film „The Doors: When You’re Strange“ von Tom DiCillo versucht von Neuem, dieses Phänomen zu beleuchten.
Um es vorwegzunehmen: Für diejenigen, die zu deren „Lebzeiten“ schon Anhänger dieser Band waren, bietet dieser Film keine inhaltlichen Neuigkeiten, über die man nicht schon damals hätte verfügen können. Es kursierten auch ohne Internet reichlich Materialien, die für deren Fans von Interesse waren: Fotos (etwa von ihrem geheimen Auftritt auf dem Frankfurter Römerberg am helllichten Nachmittag), Kopien von Zeitungsausschnitten aus den USA (die übrigens schon damals belegten, dass Morrison während des legendären Auftritts in Miami keineswegs das Geschlechtsteil seines Gitarristen Robby Krieger in den Mund genommen hatte, weshalb er später auf der Bühne verhaftet wurde), Notenbücher mit Texten, natürlich „Bootlegs“ (illegale Konzertmitschnitte) bis hin zu einer inoffiziellen Biografie Morrisons des rührigen Ulrich Heumann, bei dem man mittels Briefkontakt Informationen suchen und tauschen konnte. (Die ganzen „offiziellen“ Morrison-Biografen sind sich unterdes in vielen Punkten reichlich uneinig, besonders, wenn es um den Tod des Sängers geht!) Und dass Morrison mindestens zwei Gedichtbände veröffentlichte („An American Prayer“ und „The Lords and The New Creatures“, außerdem gibt es die posthum erschienen „Wilderness: The Lost Writings of Jim Morrison“) war wohl vielen bekannt. Zudem war der Doors-Konzertfilm „A Feast of Friends“ von Paul Ferrara aus dem Jahr 1970 bereits in „alternativen“ Kinos zu sehen, weitere folgten!
Der Grund, diesen neuen Film herzustellen, liegt wohl darin, dass das Interesse an dieser wegen Morrisons erotischer und gleichzeitig dämonischer Ausstrahlung und entsprechender Auftritte einst als „gefährlichste Band Amerikas“ bezeichneten Gruppe nicht nur immer noch da ist, sondern dass immer wieder jüngere Leute diese Musik erst neu entdecken. An diese richtet er sich wohl auch in erster Linie: Der weitaus größte Teil der Besucher der vom Verfasser besuchten Vorstellung bewegte sich altersmäßig von etwa Anfang bis Mitte zwanzig. Und es geht ziemlich offensichtlich darum, den Verkauf der Musik der Doors noch weiter anzukurbeln!
So interessant die neu aufgetauchten Foto- und Filmmaterialien von ihren Studioaufnahmen, Fernseh- und Bühnenauftritten sowie von Jim Morrisons eigenem Filmschaffen (das viel zu kurz kommt) aber auch sind: Es wird kein einziges Musikstück ganz ausgespielt, und sei es, dass nur wenige Sekunden zum Ende fehlen, als gälte es, möglichst viele im Film unterzubringen! Und anstatt den Film, der mit einem durch einen Windhauch verlöschenden Streichholz beginnt und endet, auch musikalisch „rund“ enden und etwa das fantastische „The Crystal Ship“ oder das düstere „End of the Night“ nach einem Gedicht von William Blake ausnahmsweise ganz ausgespielt den Abspann über durchlaufen zu lassen, knallt der Regisseur im Sekundentakt ein Stück an das andere!
Die von Johnny Depp gesprochenen Texte enden mit den Worten, dass nur ein Licht verlöschen kann, das vorher auch gebrannt hat. Jim Morrison mit The Doors, die ihm den idealen musikalischen Rückhalt gaben, hatten gebrannt, was man von dem Film nur sehr bedingt sagen kann. Aber immer noch besser, als sich den Spielfilm „The Doors“ von Oliver Stone anzuschauen (der von den verbliebenen Mitgliedern, allen voran vom Keyboarder Ray Manzarek übrigens heftigst kritisiert wurde), denn wenn es etwas gibt, dass sich der Verfasser weder vorstellen kann noch möchte, dann ist es, die Person Jim Morrisons durch einen Schauspieler dargestellt zu sehen!
Links zum Thema:
THE DOORS: WHEN YOU ARE STRANGE (offizielle deutsche Filmseiten, teilweise aber englisch)
The Doors (offizieller Internetauftritt, englisch)
Warner Music Germany - The Doors (deutsch)
The Doors bei MySpace Musik (englisch)
The Doors | Die offizielle Homepage
die Pforten der Wahrnehmung („die älteste deutsche Doors-Seite“)
The Doors: When You’re Strange – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors in Frankfurt