Ronalds Notizen

Montag, 27. September 2010

Arschfax

Abgelegt unter: Sprache und Austausch — Ronald @ 14:32

Aus dem Wörterbuch der Szenesprachen

Jeder hat es wohl schon gesehen, aber weiß jemand, was ein „Arschfax“ ist? Einige Wortneuschöpfungen aus den Szenesprachen, aufgelistet bei Szenesprachenwiki, einem Gemeinschaftsprojekt von Dudenverlag und Trendbüro, sind schon sehr fantasievoll! Hier eine kleine Auswahl besonders oder, wie im ersten Beispiel, wenig gelungener Ausdrücke (Erklärungen teilweise gekürzt und bearbeitet):

abholen: Agentur-Unwort, das ausdrückt, dass Kollegen oder Kunden auf denselben Wissensstand gebracht oder involviert werden müssen

Achselhamster: Achselbehaarung

Achselterror: schwitzen

Änderungsfleischerei: Klinik für Schönheitschirurgie

Arschfax: Wäschezettel von Unterhosen, die aus der Hose ragen

Assi- oder Proletentoaster: Synonym für Solarium, entstanden durch die unnatürliche Bräune

Bananenbieger: Person, die eine einfache Aufgabe nicht lösen kann oder überflüssig viel Aufwand dazu betreibt

Bauarbeiter- oder Maurerdekolleté: Anblick, den eine zu tief sitzende Hose auf den unteren Rücken und Gesäßansatz eines Mannes gewährt

Bionade-Biedermeier: Kommerzialisierung von ehemaligen Szenevierteln, etwa des Prenzlauer Bergs in Berlin

Bionadebourgeoisie: Einwohner von bestimmten Szenevierteln, etwa des Prenzlauer Bergs in Berlin

Eierfeile: jemand, der anderen auf die Nerven geht

emotional flexibel: launisch, launenhaft

Fußpils: Bier, das man auf den Weg zu einer Veranstaltung mitnimmt

Hausfrauenpanzer: Geländewagen oder SUV (Abkürzung für englisch: sport utility vehicle)

Herrenhandtasche: ein Sechserpack Bier

Karussellfleisch: Dönerkebab

Kevinismus: Unfähigkeit der Eltern, ihren Kindern sozialverträgliche Namen zu geben

Klappkaribik: Sonnenbank, Solarium

kognitiv suboptimiert: dumm

Münzmallorca: abwertender Begriff für Sonnenstudios

Nippelwetter: kalte, regnerische Witterung, die Brustwarzen dazu bringt, sich zusammenzuziehen

Pampersbomber: Großraumlimousinen als Familientransportmittel („Kinder [mit Windeln] an Bord“)

Speckbarbie: Frau, die durch Unterschätzung ihres Körperumfangs eine ungünstige Kleiderwahl getroffen hat

Tellertaxi: Bedienung, Kellner/-in, Steward/-ess

Verbalposing: angeben

zugetackert: stark gepierct

Sonntag, 26. September 2010

African Whisky

Abgelegt unter: Reisen und Länder, Lyrik und Prosa — Ronald @ 15:50

oder Eine afrikanische Nacht

Unsere Zeit in Afrika neigte sich dem Ende entgegen. Wir hatten unsere drei Autos, mit denen wir von Tunesien über Algerien, Niger und dem damaligen Obervolta die Sahara und die Sahelzone durchquert und nach Lomé, der Hauptstadt Togos, gelangt waren, verkauft und trennten uns von Dingen der Reise, die wir nicht mit in den Flieger zurück nehmen konnten und wollten. Wir hatten zufriedenstellende Preise für die Autos, die die Fahrt gut überstanden hatten, herausgefeilscht, obwohl die potenziellen Käufer wussten, dass unser Aufenthalt begrenzt sein würde, während sie alle Zeit der Welt hatten. So bestanden die letzten Tage aus Müßiggang mit Besuchen am Strand, der von unserem Hotel nur durch die Uferstraße getrennt wurde, Einkäufen und Bummeln durch Lomé und abendlichen Besuchen einer Open-Air-Diskothek.

Auf der Veranda unseres Hotels lungerte häufig ein groß gewachsener Afrikaner herum, der von den Angestellten an der Rezeption mehrmals vom Gelände entfernt wurde. Auch meine Reisegefährten waren ihm gegenüber misstrauisch; offenbar verdächtigten ihn alle als möglichen Dieb, der einen Moment der Unachtsamkeit ausnutzen würde, um mit irgendetwas, was ihm gerade in die Hände fiel, zu verschwinden. Ich fand ihn nicht unsympathisch, zumal er außer dem in Togo üblichen Französisch auch Englisch sprach, womit ich mich leichter tat. Schon vorher gerieten Gespräche mit Bekanntschaften mehr oder weniger schnell an ihre Grenzen, da ich meine Französischkenntnisse während des Sprechens mühsam auffrischen musste. Eben diesem Afrikaner vertraute ich einige Sachen an mit der Bitte, sie auf dem örtlichen Markt oder sonst wo zu verkaufen, wobei er die Hälfte des Erlöses behalten konnte. Wenigstens hier hatte er mich zunächst nicht enttäuscht, und die Hotelangestellten ließen ihn in Ruhe, nachdem sie bemerkt hatten, dass er zumindest bei mir nicht unerwünscht war. Meine Reisegefährten beäugten ihn hingegen weiterhin mit Misstrauen, wollten nichts mit ihm zu tun haben und rieten mir vom Umgang mit ihm ab.

Eines Nachts verblieb ich allein in dieser wunderschönen Diskothek unter freiem Himmel, die mehrere Kilometer von unserem Hotel entfernt und schon an der Grenze zu Ghana lag. Da man aber nur die Uferstraße entlanggehen musste, was einen schönen Spaziergang immer am Strand entlang bedeutete, in etwa einer guten halben bis dreiviertel Stunde zu schaffen, machte mir dieser Weg nichts aus.

Es gab dort immer wieder Razzien, vor allem schien nach ghanaischen Prostituierten gesucht zu werden: Kaum kündigte sich eine solche an, schon sah man mehrere Frauen hinüber zur Grenze rennen. In Togo hätte ihnen Verhaftung gedroht. Auch an diesem Abend hatten sich einige von ihnen hintereinander zu mir gesetzt, um auf verschiedenste Weise, mal dreist, mal schüchtern, ihr Glück zu versuchen, als plötzlich dieser Afrikaner aus unserem Hotel auftauchte, den ich dort zuvor noch nie gesehen hatte. Vermutlich, weil er sich den Eintritt nicht leisten konnte.

Wir begrüßten uns, ich bestellte ihm ein Bier und fragte nach seinen „Geschäften“. Da es schon sehr spät war und dieses Lokal bald schließen würde, fragte er mich, ob ich noch Lust dazu hätte, einen „very good African whisky“ zu probieren, den ein Freund von ihm, der nicht weit von dort wohnen würde, selbst herstellt.

Ich weiß nicht mehr, was mich bewogen hatte, ihm auch hier und ohne meine Reisegefährten zu vertrauen. Normalerweise wird Touristen davon abgeraten, mit irgendwelchen wenig vertrauenerweckenden Leuten mitzugehen, weil man ausgeraubt und schlimmeres werden könnte. So aber befanden wir uns bald auf dem Weg durch immer engere und dunklere Gassen eines Teils von Lomé, in dem ich noch nie gewesen war. Schließlich gab es nur noch das Licht des klaren Sternenhimmels, das aber nur Schemen von niedrigen Gebäuden erkennen ließ. Nirgendwo eine Beleuchtung oder ein Licht, das aus einem Fenster fiel. Eine afrikanische Nacht!

Nach einer ganzen Weile Wegs, währenddem ich mehrmals beinahe stolperte, klopfte er schließlich an eine niedrige Holztür und rief einige gedämpfte Worte, die ich nicht verstehen konnte. Kurz darauf hörte man von drinnen schlurfende Schritte, die Türe wurde knarrend zu einem Spalt geöffnet. Nach einem kurzen Wortwechsel wurden wir eingelassen. Immer noch konnte ich nur Schemen erkennen, aber ich bemerkte, dass wir uns in einem Innenhof eines oder mehrerer flacher Gebäude befanden und dass meine Füße mehrmals an etwas Weiches stießen, während wir anscheinend den Hof querten. Eine Kerze wurde angezündet, die auf einer Art Fass stand, und ich konnte den Hausherrn, einen wohl schon sehr alten Mann mit weißen Haaren und Bartstoppeln erkennen, der kurz darauf verschwand und mit einer klaren Glasflasche mit klarem Inhalt und mehreren Schnapsgläsern wiederkam. Er füllte die Gläser, wir stießen an und tranken. Ich wurde nach meiner Meinung zum Getränk befragt: Ich konnte es nur loben! Es wurde nachgeschenkt, die beiden unterhielten sich leise, während ich langsam müde wurde. Der „African whisky“ hatte es in sich!

Plötzlich klatschte der Hausherr mehrmals laut in seine Hände! Am Boden des Hofs bewegte sich etwas und es erhoben sich langsam mehrere Menschen. Gegen die bin ich wohl getreten, als wir den Hof überquerten, fiel mir ein, und dass Menschen in der Hitze der afrikanischen Nacht oft draußen schlafen.

Es erschienen, aufgereiht wie Orgelpfeifen, vier oder fünf Mädchen, die etwa zwischen zehn und siebzehn Jahre alt waren, soweit ich das erkennen konnte, denn die eine Kerze war zu schwach, um die ganze Szenerie zu beleuchten. Sie schauten mich an, der Hausherr sagte etwas zu mir. Ich begriff, dass ich mir eine oder mehrere von ihnen aussuchen sollte …

Mittwoch, 15. September 2010

Der neue Programm-Chef

Abgelegt unter: Sport und Spiele, Information und Medien — Ronald @ 21:33

Nachdem sich der Betreiber dieser Notizen bereits mehrmals über Werber und Marketer lustig gemacht hat, so in „MySchwachSinn“, „Würfel Zucker“, „Der ADC und Schlingensief“ und nicht zuletzt in „Reklame“, wird es doch auch einmal Zeit, ein zumindest in seinen Augen gelungenes Resultat der ach so „kreativen“ Arbeit dieser Fachleute vorzustellen!

Vor nicht allzu langer Zeit fand er nämlich in seinem Briefkasten ein im Stil einer Zeitung in etwas vergrößertem Tabloid-Format gehaltenes 8-seitiges Faltblatt, das den Titel „Prime Times“ trägt. Den Aufmacher stellte die Schlagzeile „Ronald M. F[…] neuer Programm-Chef“ mit der Unterüberschrift „Er revolutioniert das Fernsehen“ dar. Weitere Überschriften waren etwa: „F[…] schmeißt mehrere Vereine aus der Liga!“ und „‚Bayern spielt bei mir nur im Garten!‘“, auf Seite 2 hieß der Aufmacher „Ronald M. F[…]: ‚Selbst die Bayern tanzen nach meiner Pfeife!‘“ *

Das Ganze war natürlich auch mit Bildern versehen! So stand unter dem Foto des Aufmachers mit jubelnden Bayern-München-Spielern: „Bundesliga-Vereine begrüßen neuen Programm-Chef!“, ein weiteres Bild, das einen gegen einen Trainer oder einen Spieler die Rote Karte zeigenden Schiedsrichter zeigt, hatte den Titel: „Neuer Programm-Chef greift durch: Welcher Verein muss gehen?“ Sogar ein Horoskop findet sich im Blatt! Unter seinem Sternzeichen findet der Angesprochene, er sei „eine Frohnatur, die einfach nichts aus dem Spiel wirft. Bleiben Sie weiter am Ball!“

Hahaha, köstlich! Das mit den Bayern, die „bei mir nur im Garten“ spielen, war besonders gut!

Dagegen findet der Angesprochene, dass das Bild der Bayern-Mannschaft in einem anderen Zusammenhang weniger gelungen ist, meint er doch, dass stattdessen eine bestimmte andere jubelnde Mannschaft, nämlich die seiner Heimatstadt gezeigt werden sollte, die zudem auch schon hin und wieder die Bayern bezwungen hatte!

Bei näherer Betrachtung stellte sich diese „Zeitung“ zwar als eine personifizierte, eigens für ihn gedruckte Werbung seines Telefon- und DSL-Anbieters für dessen Unterhaltungs- und Fußballpaket heraus, allein der auf den Doppelseiten 6 und 7 platzierte Aufmacher „Ronald M. F[…]: ‚Alles läuft genau so, wie ich es will!‘“ ist doch zu schön, um wahr zu sein! *

Aber dazu muss er wohl wirklich auf dieses Paket zurückgreifen …

* Vollständiger Name dem Verfasser bekannt.

Montag, 13. September 2010

Bin gut angekommen

Abgelegt unter: Reisen und Länder, Sprache und Austausch — Ronald @ 23:58

Vom Verschwinden der Ansichtskarten

In Zeiten von E-Mail, SMS, diversen sogenannten „Social Media“ wie Facebook, Myspace, Twitter, von digitalen Kameras, Blogs und Foto- oder Film-Mobiltelefonen müssten sie eigentlich längst verschwunden sein: die Ansichtskarten. Hand aufs Herz: Wann haben wir zuletzt eine erhalten oder gar selbst gesendet?

Mit einer Ausnahme aus diesem Jahr (einer Ansichtskarte aus Nürnberg!) gibt es im Leben des Autors jedenfalls eine große Lücke. Er entsinnt sich mit Wehmut zum Beispiel an Urlaubskarten einer früheren guten Freundin aus Brasilien, lange bevor er selbst dort war, oder an eine andere frühere gute Freundin, die eine Stelle bei der damaligen Deutschen Bundesbahn innehatte, diese verbilligt benutzen konnte und ihn in regelmäßigen Abständen mit Ansichtskarten aus ganz Deutschland beglückte. An die eines früheren guten Freunds aus Indonesien, an die einer ehemaligen Jugendfreundin aus den USA …

Und nicht zu vergessen die vielen Briefmarken, die auf diesen Karten klebten, an denen er sich erfreute, auch wenn er kein Philatelist ist!

Er selbst schrieb immer gerne, an seine Eltern („… bin gut angekommen …“) und an Freunde, sei es während einer Klassenfahrt aus England, später aus Afrika und Brasilien, immer auf der Suche nach den originellsten und am wenigsten kitschigen Karten, die entweder eine typische (Straßen-)Szene abbilden sollten oder eine bekannte örtliche Gegebenheit auf eine untypische Weise. Und wie er fündig wurde: Er fand Ansichtskarten, die so gelungen waren, dass sie zwar nicht zu schade zum Versenden waren, sich aber eine doppelte oder gar dreifache Anschaffung für die eigene Sammlung lohnte!

Der Autor erinnert sich auch mit Wehmut an die ersten Kartenständer der sogenannten „City-Cards“, die in vielen Kneipen, meist auf dem Gang zur Toilette, an der Wand angebracht waren und in denen Künstleransichtskarten steckten, auf denen Reproduktionen ihrer Werke gedruckt waren, oft mit Kontaktdaten der Künstler versehen. Heutzutage findet sich in diesen Ständern nur noch kommerzielle Werbung, die sich zudem nicht versenden lässt, weil beide Seiten bedruckt sind. Und wer versendet schon Werbung?

Von den allerersten Ansichtskarten im 19. Jahrhundert sollen sowieso viele vom Absender selbst bemalt oder bedruckt worden sein. Interessant ist auch der Zusammenhang mit dem Aufkommen des internationalen Tourismus gegen Ende desselben Jahrhunderts, der zur Verbreitung der Ansichtskarte wesentlich beigetragen hat.

Eine Unterart der Ansichtskarte ist die Glückwunschkarte, aber auch sie unterliegt dem allgemeinen Trend zur digitalen Kommunikation: Sie kann man als „E-Card“ im Internet an Freunde und Bekannte versenden, manchmal sogar gestalten, und ersetzt damit den persönlichen Anruf oder die Begegnung. Dass solche elektronischen Grußkarten einerseits häufig unglaublich geschmacklos, andererseits häufig virenverseucht sind, hält viele nicht von deren Nutzung ab.

Schickt reale Ansichtskarten, Leute, aus allen Teilen der Welt! Und selbst wenn diese Welt gerade mal um zwei Ecken liegt. Es gibt bestimmt immer jemanden, die/der sich darüber freut. Und wenn nicht, fragt euch, was euch an diesen liegt oder ihnen an euch.

Und wenn denn auch mal eine hier eintreffen sollte …

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )