Ronalds Notizen

Freitag, 25. März 2011

Schuldenbremse

Abgelegt unter: Politik und Gesellschaft — Ronald @ 2:06

Geldstücke (Microsoft Clip Art)

In Hessen findet am kommenden Sonntag, dem 27. März, neben den Kommunalwahlen auch eine Volksabstimmung darüber statt, ob die Wähler dem Gesetz zur Änderung der Verfassung des Landes Hessen zur „Aufnahme einer Schuldenbremse in Verantwortung für kommende Generationen — Gesetz zur Schuldenbremse“ zustimmen. „Schuldenbremse“ klingt doch eigentlich vernünftig, oder?

Gewerkschaften, sozialpolitische Organisationen, Wohlfahrts- und studentische Verbände, sogar manche Partei und der hessische Landeselternbeirat (LEB) warnen davor, dass eben diese Schuldenbremse ein Vorwand für alle möglichen Sparmaßnahmen sein wird, vor allem im sozialen und kulturellen Bereich, aber auch in Bildung und Sport. So befürchtet etwa der Bundesvorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Frank Bsirske, dass eine „Politik der Umverteilung von unten nach oben“ stattfinden könnte. Der hessische Landesvorsitzende von ver.di Jürgen Bothner ergänzt, dass die Schuldenbremse „das Zurückfahren des Sozialstaats in diesem Land legitimieren“ wird (alle Zitate: „Keine Schuldenbremse. Verdi warnt vor Abbau des Sozialstaats“ in Frankfurter Rundschau, 19./20. März 2011). Falls der Gesetzesänderung zugestimmt wird, könnten Politiker jede Sparmaßnahme mit der Begründung durchsetzen, dass das Wahlvolk es ja nicht anders gewollt habe.

Zudem weist Harald Fiedler, Regionsvorsitzender Frankfurt/Rhein-Main des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), in einer Befragung des Journal Frankfurt vom 25. März 2011 darauf hin, dass bereits der Bund 2009 in die Verfassung aufgenommen hat, dass Bund, Länder und Kommunen ab dem Jahr 2020 keine Kredite mehr aufnehmen dürfen. „Diese Kreditbremse wird fälschlicherweise als Schuldenbremse bezeichnet.“

Ob und was das Volk jemals gewollt (und durchgesetzt) hat, mag hier dahingestellt bleiben, aber auch hier sollte jeder wissen, worum es eigentlich geht und ob das Kreuz zur Zustimmung der Gesetzesänderung wirklich so vernünftig ist.

Donnerstag, 17. März 2011

Wildschweine

Abgelegt unter: Essen und Trinken, Technik und Umwelt — Ronald @ 12:09

Kraftwerk (Microsoft Clip Art)

Die Bilder aus Japan, die uns zurzeit erreichen, sind schlimm. Nicht nur die der durch die Flutwelle verwüsteten Küstenstriche, sondern auch die des schwer angeschlagenen Kernkraftwerks in Fukushima! Auch wenn wir vor Strahlung hierzulande relativ sicher sein dürften, so haben wir die Auswirkungen des Reaktorunfalls in Tschernobyl vor fast genau 25 Jahren immer noch zu tragen: Der Verzehr von Wildschweinen und Pilzen aus Bayern ist gesundheitlich immer noch höchst bedenklich, wenn nicht gar unmöglich.

Wir erinnern uns: Am 26. April 1986 explodierte Block 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl. Wie viele Menschen dabei starben, ist bis heute unklar. Allein von den sogenannten „Liquidatoren“, die während ihres vierzigsekündigen Einsatzes auf dem Dach des benachbarten Maschinenhauses einige Schaufeln Schutt zurück in den Schlund der atomaren Verseuchung schütteten und dafür 100 Rubel und eine Urkunde erhielten (Igor Kostin in „Kulturjournal: Der Tschernobyl-Fotograf“, NDR, 14. März 2011), sollen Zigtausende bereits gestorben und Unzählige invalide sein. Noch heute leiden dort Menschen an den Spätfolgen, vor allem Kinder und Jugendliche.

Die radioaktive Wolke erreichte auch Deutschland, wobei besonders der Süden betroffen war. Und ist: Die Böden in den bayerischen und baden-württembergischen Wäldern sind teilweise noch immer hoch belastet. Nach einem Beitrag von Beate Frenkel, Michael Haselrieder und Karl Hinterleitner in der ZDF-Sendung „Frontal21“ vom 15. März 2011 ist das Wild, das dort erlegt wird, größtenteils mit Cäsium 137 belasteter Sondermüll. Insbesondere Wildschweine: In manchen Revieren in Bayern muss jedes geschossene Tier entsorgt werden, weil die zulässige Obergrenze von 600 Becquerel pro Kilogramm immer wieder überschritten wird. Messwerte von über 10000 Becquerel sind keine Seltenheit.

Eins der Hauptnahrungsmittel von Wild sind Pilze. Sie sind mit über 1000 Becquerel pro Kilo extrem belastet. Übrigens zum Teil auch solche, die auf Wochenmärkten verkauft werden, wie das Umweltinstitut München mitteilt. Und nach Prof. Egmund Lengfelder vom Otto-Hug-Strahleninstitut in München dauerte es „noch etwa 300 Jahre“, bis man davon ausgehen kann, dass Wildschweine und Pilze „so weit gesäubert oder sauber sind, dass man sie ohne weitere Messung verwenden kann.“

Die Natur vergisst nicht so schnell, was der Mensch ihr antut …

(Siehe auch: „Es kam eine dunkle Wolke herein“)

Dienstag, 15. März 2011

Steak’s und etwas mehr…

Abgelegt unter: Sprache und Austausch, Zitate — Ronald @ 15:56

Deppenapostrophe und andere Merkwürdigkeiten

„Steak’s und etwas mehr…“

(Anzeige des Restaurants Buenos Aires in Frankfurt am Main in mehreren Ausgaben von FRIZZ — Das Magazin, man beachte auch das fehlende Leerzeichen vor den Auslassungspunkten, oder meinten sie etwa „mehrmals“?)

„Die richtige Zeit für’s eigene Heim.“

(Internet-Startseite und Plakate der Commerzbank, September 2010)

„coffee togo“

(Mittagstipp.de, Restaurant ucon-lodge in Köln, zuletzt abgerufen am 15. März 2011)

„Sonnenstudio sucht nette Mitarbeiterin (m/w) […]“

(Die Mitarbeiterin darf auch männlich sein? Stellenanzeige in der Frankfurter Rundschau vom 12./13. März 2011)

„Top-VIP-Clup sucht […]“

(Englisch Sprakk, schwäre Sprakk: Stellenanzeige in der Frankfurter Rundschau vom 12./13. März 2011)

„Täglich Schnäppchen sichern! Bis 04. April 2011“

(Alles digital oder was oder warum die Null? Anzeige der Frankfurter Rundschau in derselben vom 19./20 März 2011)

„Wir sind ein technologieorientiertes Dienstleistungsunternehmen für effiziente und transparente Online Marketing Maßnahmen mit Hauptsitz in Eschborn bei Frankfurt am Main.“

(Bindestriche ausgegangen? Stellenangebot der Firma Vexeo in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit vom 16. März 2011, zuletzt abgerufen am 21. März 2011; siehe auch Ronalds Notizen: Würfel Zucker)

„Coffeetainment ist … wenn man zu 100 % Genuss 20,- € geschenkt bekommt!“ und „Coffeetainment ist… wenn aus Kaffee Leidenschaft wird.“

(Aha, dachte schon an so etwas wie unterhaltenden oder unterhaltsamen Kaffee. Auf was diese Werber so alles kommen: „Tchibo Newsletter“ [sic!] und die entsprechende Tchibo-Kaffeemaschinen-Internetseite!)

„Banda Dos Seixos aus Amersfoort / Holland spielt schöne Samba’s und groovige Reggae’s.“

(Fast so schön wie die „Steak’s“: Banda dos Seixos auf sambadwildungen.de, zuletzt abgerufen am 10. April 2011)

„Feintypografie ist Mehraufwand: z.B. Spationierung/Kerning von Ziffern in Überschriften; Trennunterdrückungen z.B. in Überschriften, Initiale.“

(Feintypografie heißt auch, zwischen Teilen von Abkürzungen, die mit einem Punkt getrennt werden, einen Leerschritt zu setzen! Gesehen bei Rombach eBooks, Preise, zuletzt abgerufen am 15. Juni 2011)

„Social Media kann helfen, […]“, „[…] kann Social Media es nicht retten“, „Social Media heilt eben keine Wunden“ und „Social Media muss Spaß machen […]“

(Mal was vom Unterschied zwischen Plural und Singular gehört, Herr Guido Augustin von der gleichnamigen Social-Media-Agentur? Gesehen in einem Interview mit ihm im [sic!] IHK WirtschaftsForum 06.11.)

(Wird, je nach Funden, ständig fortgesetzt.)

Samstag, 5. März 2011

Demokratie

Abgelegt unter: Politik und Gesellschaft, Zitate — Ronald @ 20:45
Wie wohl allseits bekannt sein dürfte, bedeutet das griechische Wort demos das Volk, ergo sprechen wir folgerichtig von Volksherrschaft, die in den zivilisierten kapitalistischen Gesellschaften heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist. Unterschieden werden muss zwischen der direkten Demokratie, also dem ursprünglichen Gedanken dieser äußerst beliebten Staatsform, und der indirekten, deren Prägung wir im Hier und Heute erfahren dürfen. Wir wählen also so genannte Volksvertreter, die für uns die Demokratie in architektonischen Verzweiflungen verwalten und dafür sehr viele Sekretärinnen brauchen, die ihnen Kaffee kochen und das Faxgerät bedienen. Diese Volksvertreter fahren in gepanzerten Limousinen durch unser Land und verteilen auf Marktplätzen Luftballons und Kugelschreiber, damit wir sie gerne haben. Abends gehen sie dann nach Hause und essen Schweinebraten. Meistens sind es Männer, manchmal aber auch Frauen, wenn sie unerfreulich genug aussehen. Um diese sehr schwere Arbeit überhaupt bewältigen zu können, darf der Intelligenzquotient dieser Volksvertreter nicht über 120 liegen. Viele Volksvertreter sind deshalb Lehrer. Oder Juristen. Wichtige Entscheidungen müssen Volksvertreter im Allgemeinen nicht fällen, das übernimmt für sie der Lobbyist. Lobbyismus ist ein Fremdwort und heißt übersetzt Korruption. Wenn die Lobbyisten es für wünschenswert erachten, Krieg zu führen, weil die Rohstoffe knapp werden oder andernorts billiger sind, dann muss der Volksvertreter vor eine Kamera treten und ein bisschen was erzählen. […] Je mehr Kretins nun ein Medium oder ein Meinung konsumieren, desto mehr Geld wird in das Ewiggleiche hineingepulvert, um den debilen Massengeschmack zu befriedigen. Hauptsache, das Benzin wird nicht allzu teuer.

(aus dem Schulaufsatz des elfjährigen Melvin im Roman „Harold“ von einzlkind, Berlin 2010, S. 61 ff.)

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