Ronalds Notizen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

precio

Abgelegt unter: Zitate, Bloggen — Ronald @ 12:17

Die meisten Spam-Kommentare, die der Betreiber dieser Notizen erhält, sind sinnlose Texte, in denen es nur darum geht, in jeden Satz einen Link zu der Bezugsquelle des dubiosen Produkts einzubauen, für das der Absender wirbt. Heute erhielt er einen Kommentar eines gewissen „GuiskFutcouct“, der ob seiner sprachlichen Verworrenheit schon wieder so poetische Züge hat, die an die Lyrik eines Allen Ginsberg oder Jack Kerouac erinnern, dass ich ihn meinen Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchte. Und sollte jemand des Englischen nicht so mächtig sein oder ein zusätzliches Vergnügen haben wollen, kopiere man den Text und gebe ihn in einen Online-Übersetzungsdienst ein, wo sich garantiert ein weiteres Schmunzeln, gepaart mit einem Staunen über die Leistungsfähigkeit solcher Dienste, einstellen wird!

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Montag, 24. Oktober 2011

Kinderwagen

Abgelegt unter: Verschiedenes — Ronald @ 2:15

oder Die „neuen Mütter“?

Manche Frauen schieben ihre Kinderwagen wie einen Puppenwagen. Wie sie als kleines Mädchen stolz einen Puppenwagen mit einem leblosen Kind, einer Puppe, vor sich herschoben, so schieben sie nun einen Wagen mit einem lebenden vor sich her. Ihr stolzer Blick indes hat sich nicht geändert.

Frau mit Kinderwagen (Microsoft Clip Art, bearbeitet von Ronald)

Es scheint, als würden Frauen schon als Kind dafür hergerichtet (oder klingt „erzogen“ unverfänglicher?), Puppen zu mögen (von „lieben“ kann in diesem Alter noch nicht die Rede sein), diese zu kämmen, zu kleiden und vieles mehr. Mit einem leblosen Gegenstand, einem Spielzeug, wird trainiert, was ihre spätere Bestimmung sein wird: diesen leblosen Gegenstand durch einen lebendigen zu ersetzen und mit ihm das Gleiche zu machen, was sie vorher schon mit der Puppe trainiert haben. Und nun schieben sie wie ein großes kleines Mädchen ihren Puppenwagen vor sich her, der nun ein Kinderwagen geworden ist.

Manchmal sind sie auch zornig, wenn sie einem z. B. wie eine unbeirrbare Dampfwalze auf dem Bürgersteig entgegenkommen, der noch nicht einmal sehr schmal sein muss. Oder wenn es zwei sind, die ihren Kinderwagen nebeneinander vor sich herschieben. Oder, die mobilere Variante, mit einem Fahrrad und einem Kinderanhänger. Dann kann man sich meist nur noch gegen eine Hauswand oder einen Zaun pressen, so zornig und stolz sind sie! Gerade fährt wieder eine solche mobile Mutter auf dem schmalen Fußweg hier vor dem Fenster vorbei — und man ist froh, ihr dort nicht zu begegnen.

Oft auch wird das Kind, gern auch mehrere, in einen hochrädrigen, teuren, viel Benzin schluckenden, immer pieksauberen und meist schwarzen geländegängigen Kraftwagen gesteckt, der auf einem Fußgängerüberweg oder direkt an einer Straßenecke, wo man selbst die Straße überqueren möchte, geparkt wird, und wartet in seinem Kindersitz, bis die Mutter ihre Einkäufe, bevorzugt im Bio-Markt, erledigt hat. Wahrscheinlich schob sie den Kinderwagen früher auch wie einen Puppenwagen vor sich her.

Aber sie können auch sehr zornig werden, etwa dann, wenn man sie auf ein Defizit ihrer Erziehung(smethode) hinweist. Nachdem der Autor bemerkte, dass so ein kleiner Wicht seit Minuten zugange war, einen Abfluss in einem Park, der Regen- und Schmelzwasser ableiten soll, mit dem Split des Wegs zuzuschaufeln, und diesen fragte, ob er noch alle Tassen im Schrank habe (wobei die Frage eigentlich eher an seine Erzeugerin hätte gerichtet werden sollen: mangelnde Aufsichtsplicht und so), startete diese eine Schimpfkanonade, um abschließend Klein-Sohnemann mit den Worten „komm, wir gehen auf den Spielplatz“ an der Hand zu nehmen und zu verschwinden, den Autor ratlos zurücklassend. Wahrscheinlich schob sie …

Echt und ganz sehr zornig werden sie jedoch dann, wenn man sie an ihrem Stolz, nun echte und nicht mehr Puppenmutti, und an ihrer Ehre, ebendies zu sein, packt. So saß der Autor mit mehreren Leserinnen und Lesern auf einer der alle besetzten und von der Nachmittagssonne beschienenen Bänke und las, als eine dieser Mütter sich auf einen Baumstamm gleich hinter seine Bank setzen wollte, um, nur zu verständlich, ebenso an den letzten Sonnenstrahlen teilhaben zu wollen. Weniger verständlich war allerdings, dass sie ihren Sprösslingen nun unbedingt etwas laut vorzulesen begann, und das nur wenige Zentimeter hinter dessen und denen der Banknachbarn Ohren! Sie ahnen: Man kann sich nicht mehr auf seinen eigenen Lesestoff konzentrieren! So erging es auch seinen Banknachbarn, die innerlich aufstöhnten, wie der Autor aus den Augenwinkeln bemerken konnte.

Allein: Sie kannte keine Gnade, jedenfalls nicht gegenüber all den lesenden Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, sich wieder auf seinen eigenen Lesestoff zu konzentrieren und den der so pädagogisch wertvollen Mutter zu ignorieren, bat er sie höflich, doch bitteschön auf die anderen Leser und ihn Rücksicht zu nehmen, zumal alle schon lange vor ihr anwesend waren, und sich anderswo hinzusetzen, falls sie denn unbedingt fortfahren wolle. Was glauben Sie, was darauf los war? Der Autor (und seine Nachbarn, die Zöglinge natürlich auch) mussten einen lauten und längeren Monolog über die (zugegeben) wertvolle pädagogische Eigenschaft des Vorlesens über sich ergehen lassen, bevor sie mindestens ebenso entrüstet wie die Erzieherin im vorigen Beispiel und schlechte Gewissen hinterlassend abrauschte. Wahrscheinlich schob sie …

Nach diesen und weiteren Erlebnissen mit Müttern erinnert sich der Autor an seine eigene Mutter und Kindheit und denkt sich: Aha, dies sind wohl die „neuen Mütter“!

Freitag, 21. Oktober 2011

Persepolis

oder Ein Film und die Zukunft eines Landes

Vor ein paar Tagen hat sich der Autor den Zeichentrickfilm „Persepolis“ nach der gleichnamigen grafischen Novelle der gebürtigen Iranerin und jetzt in Frankreich lebenden Marjani Satrapi angesehen und war beeindruckt von der Schilderung der iranischen (islamistischen) Revolution von 1979 aus der Sicht eines kleinen Mädchens. Der Film wurde kürzlich auch in Tunesien gezeigt — kurz vor einer für die Zukunft des Landes so wichtigen Wahl!

Der sehr berührende Film beschreibt die Freude vor allem iranischer Intellektueller nach der Vertreibung des letzten Schahs Reza Pahlewi und deren Zuversicht in die Zukunft, die nun freie Wahlen und Meinungsfreiheit bringen würde, und deren zunehmende Hoffnungslosigkeit sowie deren Verfolgung, Gefangennahme, Folterung und Ermordung nach dem Sieg der Islamisten unter Ayatollah Khomeini durch dessen „Wächter der Revolution“. Während deren islamistischer Diktatur werden innerhalb kürzester Zeit mehr Menschen getötet als unter der ganzen des Schahs. Die Geschichte wird aus der Sicht des am Anfang achtjährigen Mädchens Marji gezeigt, die mit ihrem Wunsch nach westlicher Musik und Jeans und ihrer Abneigung gegen das nun verordnete Tragen eines Kopftuchs ziemlich aneckt. Dabei hält sie mehrmals Zwiesprache mit Gott, der auch dargestellt wird, was im Islam verboten ist.

Laut einer Meldung von Julia Gerlach in der S-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 17. Oktober 2011 auf Seite 7 wurde dieser Film kürzlich auch im tunesischen Privatsender Nessma-TV gezeigt. Dort löste er allerdings am letzten Freitag heftige Proteste aus, die sich auch gegen den Fernsehsender und dessen Besitzer richteten, die nur knapp einem Angriff auf ihr Haus entkamen, obwohl sie sich für die Ausstrahlung und besonders für die Szenen mit Gott entschuldigt hätten. Die Demonstranten forderten die Anwendung islamischen Rechts. Allerdings fand in Tunis bereits zwei Tage später eine Art Gegendemonstration von Jugendlichen, Musikern und Künstlern statt, die u. a. forderten, dass Tunesien kein zweites Iran werden dürfe.

„Zufällig“ soll am kommenden Sonntag auch eine verfassunggebende Versammlung für Tunesien gewählt werden, die innerhalb eines Jahres eine neue Verfassung erarbeiten soll, die wiederum die Weichen für eine demokratische Zukunft des Landes stellen könnte. Dabei erhitzt die Frage, wie hoch der Stellenwert des Islam sein wird, die Menschen natürlich am meisten.

Sollte der Film „Persepolis“ in Tunesien doch nicht so ganz zufällig vor diesem für dieses Land so wichtigen Termin ausgestrahlt worden sein? Ein Schelm (oder ein Islamist?), wer Böses dabei denkt! Und könnte ein Film tatsächlich die Meinung der Menschen beeinflussen?

Wir werden verfolgen, was aus den Wahlen am kommenden Sonntag geworden ist …

Mittwoch, 19. Oktober 2011

140 Zeichen (10)

Schwere Zeiten voraus

Ich sehe schwere Zeiten voraus, jammert der Programmierer. Er hatte gerade ein Programm geschrieben, das seinen Arbeitsplatz überflüssig ma…

Hard times ahead

I see hard times ahead, the software programmer yammers. He had just finished writing a self-executing program that would make his job obso…

Mittwoch, 5. Oktober 2011

140 Zeichen (9)

Abgelegt unter: 140-Zeichen-Texte, Lyrik und Prosa, Sprache und Austausch, Zitate — Ronald @ 3:13

An was dachtest du gerade?

»An was dachtest du gerade?« — »Ich kann es nicht sagen.« — »Dann hast du an nichts gedacht.«

(Peter Handke: „Zur Aufführung von »Quodlibet«“ in „Stücke 2“, Frankfurt am Main 1973 u. a., Seite 176)

What did you just think of?

“What did you just think of?” — “I cannot say.” — “Then you have thought of nothing.”

(Peter Handke: “Zur Aufführung von »Quodlibet«” in “Stücke 2”, Frankfurt am Main, Germany 1973 and later, page 176, translated by the blogger)

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