Gedanken zur Stellensuche und zum Arbeitsmarkt
Wer arbeitslos und auf Stellensuche ist, kennt das: zig Bewerbungen, von denen man nie wieder etwas hört. Nachdem sich der Autor bereits zweimal erfolglos auf das seit dem 13. Juli 2011 auf verschiedenen Stellenbörsen, darunter auch der der Bundesagentur für Arbeit eingestellte Stellenangebot Korrektor/-in bei der Firma Eichhorn GmbH & Co. KG ([sic!] Eichhorn GmbH & Co.KG. - konsequent digital - Startseite) beworben hat, fragt er sich natürlich, ob die überhaupt jemanden einstellen wollen (oder Superman höchstpersönlich?), und beschließt, in einem offenen Brief einige Gedanken zur Stellensuche und zum Arbeitsmarkt auszudrücken:
Sehr geehrte Frau Eichhorn, stellvertretend für viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen der Personalleitungen,
mit großer Verwunderung habe ich gesehen, dass Ihr Stellenangebot vom 13. Juli 2011, mit dem Sie eine Korrektorin/einen Korrektor suchen, noch immer in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit und unter meinestadt.de offen zu sein scheint, da es ständig aktualisiert wird und so in der Übersicht immer wieder ganz nach oben rutscht. Nachdem ich mich bereits am 14. Juli und nochmals am 22. September jeweils ergebnislos für diese Stelle beworben habe, möchte ich dieser Verwunderung und der Frage Ausdruck verleihen, ob Sie überhaupt ernsthaft an einer neuen Mitarbeiterin/einem neuen Mitarbeiter interessiert sind.
Bei der großen Anzahl von Bewerbern kann man es ja verstehen, dass man als solcher kaum noch damit rechnen kann, Absagen zu erhalten. Aber keine Absagen zu erhalten, während ein Unternehmen es vorzieht, munter weiterzusuchen, stimmt doch nachdenklich, besonders dann, wenn man über alle Kenntnisse verfügt, auf die es gern zugreifen möchte, wie mir bereits häufig passiert. Wenn man allerdings noch nicht einmal eine Absage erhält, nachdem man bereits zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen wurde und dies auch dankbar wahrgenommen hat, wie es etwa Ihr Kollege Friedrich von der Firma arago Consulting GmbH ([sic!] arago-consulting…mehr als Druck!) tat, ist man doch enttäuscht und findet ein solches Verhalten, gelinde gesagt, ziemlich unhöflich, zumal Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen doch stets auf Höflichkeit in Bewerbungen achten!
Dankbar muss man als Arbeitssuchender heutzutage in mehrfacher Hinsicht sein. Zum Beispiel darüber, dass Sie und Ihre Kollegen selbst inserieren und Ihre Personalsuche nicht irgendwelchen Personalüberlassungen, sprich: Zeitarbeitsfirmen überlassen, die einem regelmäßig eine langfristige Perspektive mit der Option auf eine Festanstellung anbieten, obwohl es sich meist um eine kurzfristige Anstellung wegen eines hohen Arbeitsanfalls oder um eine Vertretung handelt. Hier ein Beispiel zu nennen hieße, zu viele andere unerwähnt zu lassen.
Merkwürdig ist auch die die von mir sehr häufig beobachte Tatsache, dass viele Stellenangebote zwar in Stellenbörsen, nicht aber auf Firmen-Websites unter „Jobs“, „Stellen“ oder „Karriere“ erscheinen, falls vorhanden. Ich meine, wenn ich eine solche eingerichtet hätte, wäre dies doch gerade die erste Stelle, die ich nutzen würde, auch als Signal an die Konkurrenz nach dem Motto „Seht her: Wir expandieren!“ Daher sei die Frage erlaubt, ob hier ernsthaft Personal gesucht oder mal eben festgestellt werden soll, was denn so auf dem Markt ist und zu welchen Konditionen. Letztere Möglichkeit würde erklären, warum man hierauf keine Absage erhalten hat.
Und wenn ich schon den Markt anspreche, so glaube ich manchmal, dass die sogenannten „Wirtschaftskrisen“ künstlich hervorgerufen wurden, um Personal freizusetzen, das dann als Druckmittel für das verbliebene benutzt wird, das im Wortsinn wie eine „Corporate Identity“, eine Firmenidentität also von jemandem, der fast rund um die Uhr nur für seine Firma lebt und bis zum Burn-out arbeitet. Der Markt bietet ja genügend „Human Resources“ oder „Humankapital“ als Ersatz!
Aber zurück zu meinen erfolglosen und unbeantworteten Bewerbungen in Ihrem Haus: Vielleicht bin ich mit vielen anderen Bewerberinnen und Bewerbern ab etwa 40 Jahren in Ihren Augen zu alt für den Arbeitsmarkt! Falls das der Fall sein sollte, möchte ich Sie und Ihre vielen Kolleginnen und Kollegen der Personalleitungen wenigstens höflich bitten, Frau Minister von der Leyen anzuschreiben, die gern behauptet, dass ältere Arbeitnehmer die Gewinner am Arbeitsmarkt seien, und ihr mitzuteilen, weswegen Ihre Unternehmen lieber auf jüngere Kräfte bauen. Vielleicht bringen Sie die Ministerin ja dazu, endlich mit dieser Lüge aufzuhören.
Abschließend möchte ich mein Bedauern ausdrücken, Ihnen, Frau Eichhorn, keinen anderen Bescheid geben zu können, und Ihnen viel Erfolg für Ihren weiteren beruflichen Lebensweg wünschen.
Mit freundlichen Grüßen
