Holocaust

Bundesarchiv Bild 183-R69919, KZ Auschwitz, Brillen

Holocaust oder Massenmord? Ein Berg von Augengläsern in Oswiecim (Auschwitz) (Quelle: Bundesarchiv über Wikimedia Commons)

Ich kann das Wort nicht mehr hören: Holocaust!

Es wird seit dem gleichnamigen Film inzwischen ausschließlich verwendet, um etwas auszudrücken, wofür einem die Worte fehlen, fehlen sollten: für den Massenmord an Juden während des Faschismus‘ in Deutschland. Als hätten wir auf diesen Film gewartet, der uns einen Namen für dieses Grauen gibt!

Aber die Benutzung eines Fremdworts erscheint wie eine Ausflucht, eine Ersetzung, eine Distanzierung, fast schon wie ein Euphemismus für das, was das Wort eigentlich bedeutet: Tötung einer großen Anzahl von Menschen. Es macht das Grauen darüber erträglich und anonymisiert eigentlich das Entsetzen, das sich beim Sprechen über diese „größte moralische und demographische Katastrophe in der modernen europäischen Geschichte“ (der Historiker Timothy Snyder) einstellt.

Warum benennen wir diese Katastrophe nicht mit dem Wort, das „Holocaust“ am besten ersetzt? Nämlich schlicht und einfach mit „Massenmord“!


Kommentare

Holocaust — 4 Kommentare

  1. Mir geht es oft ähnlich.
    Holocaust meint aber eben einen bestimmten Massenmord…

    Wichtig, dass dieses Thema auch im Bewusstsein der Jüngeren bleibt, derer die von zu Hause nicht mit so einem Thema konfrontiert werden.

    Wichtig, damit es sich nie wiederholt. (Wenn es auch in anderen Ländern fast ähnlich schlimme Ereignisse gegeben hat. Fast, weil eben die Deutschen den Massenmord perfekt organisiert haben)

    Wichtig aber auch, dass wir (also die mit der „Gnade der späten Geburt“) uns nicht beschränken lassen, kritische Gedanken in a l l e Richtungen „entwickeln zu dürfen“. Auch die Opfer von einst müssen sich, bei allem Verständnis, Mitleid, Scham über das Geschehene, vorhalten lassen, wenn sie sich selbst unmenschlich verhalten. Auch dann wenn die aktuelle Gegenseite auch unmenschliche Züge hat und Drohungen ausstößt.

    Mag sein, dass mein letzter Absatz in den Augen vieler politisch inkorrekt ist. Aber da die Freiheit (des Wortes, der Gedanken) immer die Freiheit der Andersdenkenden ist….

    • Richtig ist, dass es in der Geschichte noch viele andere Beispiele für Massenmord gegeben hat. Von der Anzahl der Ermordeten her, sind der Völkermord an den Armeniern (aghet) im früheren Osmanischen Reich oder die Verfolgung und Ermordung von Oppositionellen in der ehemaligen UdSSR unter Stalin vergleichbar. Einmalig allerdings sind die Tatsachen, dass es sich beim Massenmord an Juden und an Armeniern um eine systematische Ausrottung einer bestimmten Volks- und religiösen Gruppe handelte, während letzteres Beispiel Menschen unterschiedlichster Herkunft und religiöser Gesinnung einschloss.

      Erschreckend finde ich aber tatsächlich auch immer wieder, gerade zurzeit hinsichtlich des Israel-Gaza-Konflikts, wie ein Volk trotz dieser schockierenden Vergangenheit von Unterdrückung, Verfolgung und Ausrottung zu Mitteln greifen muss, die denen ihrer früheren Unterdrücker, Verfolger und Mörder ähneln, auch wenn der „Gegner“, der kein Gegner sein müsste, wenn man es denn endlich schaffen würde, sich an einen Tisch zu setzen anstatt die Gewaltspirale immer weiter nach oben zu treiben, dasselbe angekündigt hat. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist alttestamentarisches Verhalten, das längst überwunden sein sollte, wenn man nicht nur sein Überleben, sondern auch sein Leben ermögichen will!

      Dass man sich als Deutscher bei solcher Kritik immer wieder das Schlagwort vom „Antisemitismus“ anhören muss, macht dieses Verhalten keineswegs annehmbarer. Andererseits soll mit dieser Kritik keineswegs das deutsche Verbrechen entschuldigt oder relativiert werden!

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