Einkaufsverhalten

Vom Missverhältnis zwischen dem Wert einer Küche und dem Lebensmitteleinkauf

Dass wir Deutsche diejenigen in Europa sind, die zwar am meisten für ihre Wohnungseinrichtungen und besonders für die Küche ausgeben, aber mit am wenigsten von allen Europäern für den Kauf von Lebensmitteln,* dürfte bekannt sein. Welch ein geradezu lächerliches Missverhältnis, noch zumal, wenn man das Einkaufsverhalten so mancher Leute verfolgt!

Stencil shopping cart

Kopflos beim Einkaufen (Autor: Ecureuil espagnol/Wikimedia Commons)

Es sind im Supermarkt immer wieder Leute zu beobachten, die alles, was irgendwie eingeschweißt und fest verpackt ist, also etwa Käse, Wurst, Fleisch, aus dem Regal oder der Kühltruhe nehmen und in den Einkaufswagen werfen — manchmal locker aus dem Handgelenk, wie man eine Frisbeescheibe wirft, manchmal von oben herab, aber immer lustlos, lieblos, als ob Lebensmittel etwas wären, was man notgedrungen, aber ungern einkaufen muss. Denkt man gleichzeitig daran, dass wir Deutsche diejenigen in Europa sind, die zwar am meisten für ihre Wohnungseinrichtungen und besonders für die Küche ausgeben, aber mit am wenigsten von allen Europäern für den Kauf von Lebensmitteln,* kann man angesichts dieses Verhaltens nur den Kopf schütteln!

Man möchte von diesen Leuten nicht zum Essen eingeladen werden, weil man befürchten muss, dass auch die Mahlzeit ebenso lust- und lieblos zubereitet wird, und kann sich ihre Küchen gut vorstellen: vollgestopft mit allem technischen Schnickschnack inklusive Mikrowelle! Dann sehnt man sich in die alte Küche irgendeines Italieners, Spaniers oder Portugiesen, der seine Lebensmittel nicht abgepackt gekauft hat, sie liebevoll behandelt, weil Essen mehr ist als Nahrungsaufnahme, und weiß, dass das Mahl bei ihm schmeckt, so einfach es auch sein mag.

Und man fragt sich, warum Koch-Shows im deutschen Fernsehen so beliebt wie zahlreich sind …

* Siehe die Basisdaten Konsumausgaben privater Haushalte: Nahrungsmittel des Statistischen Bundesamtes

Veröffentlicht unter Essen und trinken,Reisen und Länder Verschlagwortet mit , permalink

Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

Lob, Kritik, Ergänzung, ...? Kommentieren!