Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (3)

Thailändisch essen: Stäbchen oder Messer und Gabel?

Insect food stallAndere Länder, andere (Tisch-)Sitten! Das fängt schon im nahen Ausland an. Franzosen etwa mögen es gar nicht, wenn in die Baguettescheiben hineingebissen wird: Es wird in mundgerechte Stücke zerteilt, außer beim Frühstück, dem petit déjeuner. Und je weiter der Ursprung der Küche entfernt, desto unsicherer das Terrain. So beobachtete der Autor vorhin, dass ein weiblicher Gast eines thailändischen Lokals Essstäbchen benutzte. Geht das überhaupt?

Thailändische Lokale erfreuen sich hierzulande einer immer größeren Beliebtheit. Die thailändische Küche nimmt dabei, ähnlich der malaysischen bzw. der molukkischen, eine Art Sonderstellung innerhalb der asiatischen Küchen ein, da sie eine Verbindung aus chinesischen, indischen und europäischen Einflüssen eingegangen ist, die im Laufe der Jahrhunderte zur heutigen Landesküche verschmolzen. Ursprünglich wurde mit den Fingern gegessen, was in manchen Regionen bei einigen Gerichten noch heute der Fall sein soll. Anfang des 19. Jahrhunderts führte König Mongkut, angeregt durch seine Auslandsaufenthalte, bei Hofe die Sitte ein, mit Löffel und Gabel zu essen. Es dauerte nicht lange, bis es im ganzen Land üblich war, diese Bestecke zu benutzen.

Doch auch das stellt sich anders dar, als man es zunächst vermutet: Nicht etwa wird mit dem Löffel auf die Gabel geschoben oder beides gleichzeitig verwendet, wie es ungeübte Esser mit Spaghetti tun, sondern die Gabel wird verwendet, um das bereits in der Küche in mundgerechte Stücke zerkleinerte Essen portionsweise auf den Löffel zu schieben! Für die meisten Thais gilt es zudem als unfein, die Gabel in den Mund zu führen.

Essstäbchen werden in Thailand nur in chinesischen Restaurants oder zum Essen vietnamesischer Nudelgerichte benutzt. Nudelsuppen werden dort übrigens mit dem Löffel in der linken und den Stäbchen für die Nudeln, Fleisch und Gemüse in der rechten Hand gegessen.

Aber hierzulande befinden wir uns ja in einem Thai-Lokal, und somit sind weder Stäbchen noch Messer und Gabel angebracht, sondern Löffel und Gabel! Wer trotzdem Stäbchen bestellt, um damit seine Weltgewandtheit oder seine Fähigkeiten zu beweisen, begeht also einen grandiosen Fehltritt. Glauben Sie nicht? Einfach mal das Lokal besuchen, wenn das Personal gerade selbst isst, wie es der Autor ebenso beobachten konnte!

Nicht belegen kann er allerdings die vor Jahren vernommene These, dass die Verwendung von Kokosmilch erst durch den Tourismus, die Verbreitung thailändischer Küche in der westlichen Welt und die hiesigen Geschmäcker aufgekommen ist. Sich wundern, wenn dem tatsächlich so wäre, würde er sich nicht!

(Siehe hier auch „Sprachenkenntnisse“!)

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

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