Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (7)

Digital

Das Eigenschaftswort „digital“ ist ein Wort unserer Zeit. Sollte man meinen. Aber wussten Sie, dass es ursprünglich aus dem medizinischen Bereich kommt? Und in dem Sinn, in dem wir es heutzutage meist verwenden, aus dem Englischen?

Statue in Bremen

Nein, das ist kein Stinkefinger; das legt nur die Perspektive nahe! (Statue in Bremen, Autor: Rami Tarawneh/Wikimedia Commons)


Das Eigenschafts- bzw. Beiwort (Adjektiv) „digital“ wurde im Deutschen zunächst im medizinischen Bereich verwendet, wo es im Sinne von „mithilfe des Fingers“, „mit dem Finger“ oder „den Finger betreffend“ gebraucht wurde. In dieser Bedeutung handelt es sich um eine Entlehnung aus dem Lateinischen, nämlich des Wortes digitalis, einer adjektivischen Ableitung des Hauptworts (Substantivs) digitus für „Finger“.

Eine in der deutschen (und englischen) Sprache weitaus größere Verbreitung fand „digital“ aber in einer anderen Bedeutung: In der Technik und in der Datenverarbeitung steht es etwa für „zahlenmäßig“, „ziffernmäßig“, „in Stufen erfolgend“ und kann für sogenannte „wert- und zeitdiskrete Signale“ oder die Anzeige eines Messinstrumentes (beispielsweise einer Uhr) mittels Ziffern oder Zeichen stehen. In dieser Form ist das Wort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Englischen digital übernommen worden, das eine Ableitung des Substantivs digit in seiner Bedeutung „Ziffer“ ist. Wobei, nebenbei bemerkt, das englische „digit“ u. a. auch für „Finger“ stehen kann, wobei wir nun wieder am Anfang und bei den Fingern wären.

Aber nicht, dass Sie dem Autor nun einen von diesen zeigen!

(Quellen: der Newsletter der Duden-Sprachberatung vom heutigen Tag, die Wikipedia-Begriffserklärungsseite „Digital“ und „digit“ im Englisch-Deutsch-Wörterbuch von leo.org)


Kommentare

Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (7) — 5 Kommentare

  1. Und bei den Pflanzen kommt es auch vor. Digitalis ist die Pflanze Fingerhut. Sie wird (stark verdünnt) bei Herzschwäche verwendet. Unverdünnt ist sie hochgiftig.

    • … wobei Digitalis eine ganze Pflanzengattung ist, deren Name sich ebenso vom lateinischen digitus für „Finger“ ableitet, und wobei wir nun wieder am Anfang und bei den Fingern wären!

      Danke für den ergänzenden Kommentar!

  2. Beim Rechnen geht es auch um Finger, die man ja gern zur Hilfe nimmt, wenn man keine Rechenmaschine o.ä. hat. Bei den Einsen und Nullen, die letztendlich die Grundlage aller Computerei sind, steht die Eins vielleicht für den (virtuellen) Finger und die Null für null Finger. Ja/nein, Null/Eins – wir leben in einer dualen Welt.

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