Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (9)

Pier, Seebrücke, Mole oder Kai?

Ruegen, Sassnitz, Hafen, Panorama 2

Pier, Seebrücke, Mole oder Kai? (Autor: Andreas Steinhoff/Wikimedia Commons)

Sie befinden sich in einem Seebad am Meer und sehen solch ein langes, auf Stelzen stehendes Gebilde, oft mit Aufbauten. Pier, Seebrücke, Mole oder Kai? Oder Sie befinden sich in einem Hafen und sehen diese meist rechtwinklig vom Festland abgehenden Anlegestellen für Schiffe. Pier, Seebrücke, Mole oder Kai? Oder diese Anlegestellen für Schiffe mit all den Kränen. Pier, Seebrücke, Mole oder Kai? Oder Sie sehen eine in einen See, einen Fluss oder in das Meer ragende Aufschüttung. Pier, Seebrücke, Mole oder Kai? Und heißt es der, die oder das Pier?

Diese auf Stelzen, früher aus Holz oder Eisen, heute meist aus Stahl oder Stahlbeton erbauten und oft mit Aufbauten ausgestatteten Bauwerke nennt man Seebrücke, auch Landungsbrücke. Wie ein Pier in einem Hafen dienten sie früher auch als Anlegestelle für Schiffe. Letztere ruhen jedoch nicht auf Stelzen, sondern bestehen aus einer Aufschüttung, die wasserseitig mit Holz, Stahl oder Stahlbeton befestigt ist. Um die Verwirrung komplett zu machen: Insbesondere die großen Seebrücken in den Seebädern Englands und den Niederlanden werden englisch pier (pleasure oder leisure pier) genannt. Sie dienen den Gästen als Vergnügungsstätten, wobei ihre Entstehung aus der Tatsache resultierte, dass in Gaststätten jenseits der Uferlinie das dortige Landesgesetz nicht galt. Es gibt also auch einen sprachlichen Unterschied zwischen Pier und Seebrücke: Während das englische pier immer eine Seebrücke bezeichnet, gibt es im Deutschen den Unterschied zwischen Pier und Seebrücke.

Die längste Seebrücke der Welt ist übrigens mit einer Länge von 2158 Metern der Southend Pier in Southend-on-Sea in England am nördlichen Ufer der Themse-Mündung in die Nordsee, auf dem sogar eine Schmalspurbahn verkehrt, die längste Seebrücke Deutschlands ist die Seebrücke Heringsdorf auf Usedom mit 508 Metern.

Eine Mole hingegen bezeichnet eine als Damm in einen See, einen Fluss oder in das Meer ragende Aufschüttung, befestigt durch eine Stein-, Beton- oder Holzkonstruktion. Sie dient als Wellenbrecher oder als Hafenmauer. Die geschütztere Innenseite ist oft als Anlegestelle für Boote und Schiffe ausgebaut. Molen können mehrere Hundert Meter lang ins Meer hinausragen und gerade oder gekrümmt gebaut sein und sind oft Teil eines Hafens oder einer Kanaleinfahrt. Im Gegensatz zu Pier und besonders zur Seebrücke werden diese jedoch selten von Touristen aufgesucht. Die längste Außenmole Europas mit einer Länge von 1450 Metern befindet sich in Sassnitz auf Rügen.

Ein Kai bezeichnet einen durch Mauern befestigten Uferdamm, meist in Häfen oder an Fluss- oder Kanalufern zum Löschen und Laden von Schiffsladungen gelegen. Das Fahrwasser davor ist so tief, dass Schiffe festmachen können. Um mehr Platz für anlegende Schiffe zu schaffen, können Kais durch Piers und Molen ergänzt werden.

Und abschließend zur Frage, ob der, die oder das Pier: Im Hochdeutschen heißt es „der Pier“, wie auch im Duden aufgeführt, aber in der Nautik und im Norddeutschen „die Pier“!


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