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Der Volkszorn im Fall Edathy — 4 Kommentare

  1. Soweit bekannt wurde, ging es bei E. „nur“ um Nacktaufnahmen. Man muss es nicht gut finden. Man kann sich wundern, dass man solche irgendwo runterlädt. Bei einfachen Nacktbildern kann es durchaus sein, dass die – nicht von ihm sondern von Inhabern jener Plattform – irgendwo im Netz geklaut wurden, z.B. von den Facebookseiten der Eltern, die ihre lieben Wonneproppen allen Datenschutzwarnungen zum Trotz als Bild posten. Wir akzeptieren in unser Gesellschaft überall Nacktheit. Sie springt uns von der Litfaßsäule an, sie ist Dauergast in Werbung und TV. Filme kommen heutzutage nicht ohne Bettszenen aus. Offenbar finden viele Nacktheit gut. Die Werbung würde mit ihr nicht werben, wäre es nicht hilfreich. Kinder laufen nackt durch die Badeanstalt oder am Strand. Kleine Mädchen, noch ohne Busen, tragen auf weiblich getrimmt schon Bikinis und werden oft als Modepüppchen angezogen. Wer dazu sagt, dass weniger vielleicht mehr wäre, dass man nicht alles zeigen muss, dass z.B. im Film lieber mit Andeutungen die Fantasie angeregt werden sollte, der läuft Gefahr für prüde gehalten zu werden. Bei dem in einigen Kommentaren zu dem Thema Edathy benutzten Begriff „Pornobild“ fällt mir die Frage ein: ab wann ist ein Nacktbild ein Pornobild? Nacktheit im Internet ist Porno, das Nacktfoto im Familienalbum meines Babys mit Babyspeckfalten in der Badewanne ist nur süß? Aber wenn ein Onkel im Familienalbum so ein Bild sieht und dabei gierig wird, wird dasselbe süße Bild im Album plötzlich zum Pornobild?

    Und dann lädt sich jemand „einfache“ Nacktbilder runter und wird regelrecht sozial hingerichtet. Politischer Job weg, Freunde weg, keiner will mehr mit ihm zu tun haben. Für jemanden, der sich seit einem Jahr einem Spießrutenlaufen ausgesetzt sieht, ist ein Bußgeld von 5.000 € vielleicht mehr Geld als wir meinen…

    Das, was Herrn Edathy vorgeworfen wurde, zumindest zum Zeitpunkt der „Tat“ vermutlich nicht strafbar gewesen. In Staaten wie China kommt es schon mal vor, dass Menschen für etwas verurteilt werden, was zum Zeitpunkt der Tat noch nicht strafbar war, wenn man unliebsame Menschen los werden will. In Rechtsstaaten wie wir von Deutschland glauben, dass er einer ist, darf das nicht so sein. Oder wollte man Herrn E. los werden? War er unbequem?

    Da kommt ein Mensch mit sichtbarem Migrationshintergrund, womit ja eine nicht geringe Zahl von Deutschen durchaus Probleme hat wie wir nicht erst durch Pegida wissen, und leitet den NSU-Untersuchungsausschuss, legt den Finger in die Wunden, die durch Nazis und Fehlverhalten / Versagen bei Verfassungsschutz und Polizei entstanden sind. Vielleicht hatte er sich mächtige Feinde gemacht. Die „Tat“ – das Herunterladen – soll ja schon länger zurückgelegen haben. Aber vielleicht erinnerte man sich erst wieder daran als der von Herrn E. geleitete NSU-Untersuchungsausschuss zu unbequem wurde und es war eine günstige Gelegenheit, einen unbequemen Widersacher fertig zu machen und los zu werden. Und nun? Der politische Gegner jubelt, die eigene Partei will ihn los werden, weil sein Ruf versaut ist.

    Die Leute, strömen in die Kinos, um sich „Fiftiy shades of grey“ anzugucken, in dem – dem Hörensagen nach – die Liebe einer Frau ausgenutzt wird und der Mann in dieser hochgelobten Geschichte eben nicht die Grenzen einhält, die bei ungewöhnlichen Sexualpraktiken üblich sein sollen. Die Verherrlichung sexueller Gewalt, die Ausbeutung von Frauen, duldet die Gesellschaft nicht nur sondern „kultiviert“ sie noch in jedermann zugänglichen Filmen, aber Nacktbilder, bei denen vermutlich allenfalls die Quelle fragwürdig ist, führen zur Vernichtung einer Person.

    Es ist noch nicht so lange her, da war es möglich, Politiker und Generäle mit dem bloßen Verdacht der Homosexualität fertig zu machen oder zu erpressen – nur weil der Volkszorn es zuließ. Heute ist Homosexualität bis in höchste Staatsämter akzeptiert bzw. geduldet, da bedarf es dann härterer Verdächte oder Vorwürfe wie Kindesmissbrauch, der hier wohl nie stattfand, aber wenn man es öffentlich oft genug schreibt, den Namen mit diesem Verbrechen in Verbindung bringt…. Pfui Teufel!

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