Angst versus Glück

Zitate über Angst versus Glück bzw. Liebe

Die Kraft zur Angst und die zum Glück sind das gleiche, das schrankenlose, bis zur Selbstpreisgabe gesteigerte Aufgeschlossensein für Erfahrungen, in der der Erliegende sich wiederfindet.

(aus Theodor W. Adorno: Minima Moralia, Frankfurt am Main 1951)

Dasselbe scheint auch für die Angst des Liebenden zu gelten: sie ist die Furcht vor einer Trauer, die bereits stattgefunden hat, vom Anbeginn der Liebe an, von dem Augenblick an, da ich hingerissen war. Jemand müsste mir sagen können: »Haben Sie keine Angst mehr, Sie haben ihn (sie) bereits verloren.«

(aus Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe, Frankfurt am Main 1984, wobei er sich hier auf Donald W. Winnicott: The Fear of Breakdown, 1974, bezieht)

Wir haben Angst vor der Liebe, weil Liebe ein kleiner Tod ist. Liebe erfordert, daß wir uns ausliefern, und das wollen wir ganz und gar nicht. […] Du hast Angst, dein Ego zu verlieren. […] Liebe macht Angst, sie erschreckt euch, weil die Liebe etwas fordert, was keiner zahlen will. Die Liebe fordert von dir, dein Ego fallenzulassen. Das ist der Preis, den sie verlangt.

(aus Bhagwan Shree Rajneesh: Beziehungsdrama oder Liebesabenteuer, Meinhard 1983)

Man liebt dann, wenn man vor dem anderen nicht mehr fliehen will, obwohl man ahnt, dass dieser unmögliche Forderungen stellen wird.

(aus Wilhelm Genazino: Ein Regenschirm für diesen Tag, München 2001)

Sparsamer Sex spricht für eine feste Bindung und wenig Verlustangst. Tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen Sicherheits- und Bindungsgefühl in einer Partnerschaft und Sexualität.

(Prof. Dr. Uwe Hartmann, Leiter des Arbeitsbereichs Psychologie und Sexualmedizin, Medizinische Hochschule Hannover, in einem Interview im Mitgliedermagazin der AOK Hessen bleibgesund 3-2015)

Bei fast allen Lebewesen sitzen Furcht und Neugier fast genau an der gleichen Stelle.

(aus Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee, München 1994)

Dahinter steckt sicher die dumpfe Ahnung, dass mit der Liebe etwas kommt, was das eigene Ich nicht etwa stärkt, sondern aufzehrt, etwas verbraucht, statt etwas hinzuzufügen. Hinzugefügt wird höchstens Verantwortung, die irgendwann da ist, wenn ich länger mit einem Menschen zu tun habe. Auch das macht Angst.

(Bodo Kirchhoff über Nützlichkeitsüberlegungen im Single-Dasein in einem Interview in der Frankfurter Rundschau von Pfingsten 2015)#

Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.

(aus „Vom Lesen und Schreiben“ in Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Erster Teil, Leipzig 1891 u. a.)

Ich fürchte dich nahe, ich liebe dich ferne; deine Flucht lockt mich, dein Suchen stockt mich — ich leide, aber was litt ich um dich nicht gerne!

(aus „Das andere Tanzlied“ in Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Dritter Teil, wie vorher)

Nicht im Genuß besteht das Glück, sondern im Zerbrechen der Schranken, die man gegen das Verlangen errichtet hat.

(Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade, zugeschrieben)

Ich glaube, es sind deine Zärtlichkeiten, für die ich nicht stark genug bin. Wüßte ich nur, was mir dabei diese Angst macht.

(aus Peter Schneider: Lenz, Berlin 1973; siehe hierzu auch „Gedanken über Trennungen …“)

Ich fürchte, meine Angst vor der Trauer ist stärker als mein Appetit auf das Glück.

(aus Roger Willemsen: Kleine Lichter, Frankfurt am Main 2005)

Liebe richtet den Blick nach vorne, Hass den Blick zurück. Angst hat überall Augen im Kopf.

(Autor unbekannt)

(Wird, je nach Funden, unregelmäßig ergänzt; Kommentare und weitere Zitate zum Thema „Angst versus Glück bzw. Liebe“ sind selbstverständlich auch erwünscht. Siehe hier auch „Einsamkeit und Alleinsein“!)


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