Vergebliche Liebesmüh‘

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen in Zagreb

Wenn eine Liebe zu Ende geht, wohin mit all den Dingen, die an den vergangenen Partner/die vergangene Partnerin erinnern? Nach Zagreb, ins Museum der zerbrochenen Beziehungen!

Museum of Broken Relationships Zagreb 2012

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen in Zagreb (Waerfelu/Wikimedia Commons)

Städte haben Institutionen, die es nur dort gibt: das Palais du Louvre in Paris, das Museo del Prado in Madrid, die Europäische Zentralbank befindet sich in Frankfurt, das Europaparlament in Straßburg. Auch in Zagreb gibt es eine solche Besonderheit: das Muzej prekinutih veza (englisch: Museum of Broken Relationships), das Museum der zerbrochenen Beziehungen!

Alles begann 2003, als die Beziehung der beiden kroatischen Künstler Olinka Vištica und Dražen Grubišić nach vier Jahren zerbrach. Sie fassten den Entschluss, den Relikten ihrer glücklichen Vergangenheit einen Ort zu geben, an dem sie geschützt aufbewahrt werden konnten. Zusätzlich befragten sie Freunde und Bekannte nach weiteren Erinnerungsstücken. Die Sammlung wuchs, sodass sie sie ab 2006 zunächst temporär in Zagreb, dann in mehreren Wanderausstellungen, u. a. in den USA, Großbritannien, Südafrika und Deutschland, präsentieren konnten, bis sie 2010 ihr eigenes Museum eröffneten. Schon ein Jahr später wurde es als innovativstes Museum Europas ausgezeichnet.

Museum of Broken Relationships - Ex-axe

Die „Ex-Axt“ (Robert Nyman/Wikimedia Commons)

Hier sind Gegenstände, das Strandgut vergangener Lieben, und ihre Geschichten ausgestellt, die oftmals von vergeblicher Liebesmüh‘ erzählen. Einige sind witzig, andere Geschichten tragisch oder bizarr, mitunter auch makaber, aber immer spannend und authentisch. Da ist etwa „The Ex-Axe“, die „Ex-Axt“, mit der eine Berlinerin die Möbel ihrer Freundin im wahrsten Sinn des Wortes „zu Kleinholz machte“, nachdem diese ihr gestanden hatte, eine neue Partnerin zu haben, Räucherstäbchen der Marke „Lovers’ incense“ aus Bloomington, Indiana, mit dem Kommentar „Doesn’t work“ oder eine Unterschenkelprothese aus dem Jugoslawienkrieg mit dem Vermerk, dass sie länger als die Liebe hielt („Das Material war besser!“), eines der ersten Ausstellungsstücke, die ihnen gespendet wurden. Die wohl ältesten Erinnerungen sind die einer über 80-jährigen Slowenin, die 1942 einen bosnischen Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft kennenlernte und sich in ihn verliebte. Neben ihren Briefen und Fotos, die sie dem Museum überreichte, erzählt sie in einer Videoinstallation: „Nach Kriegsende tauchte der Soldat überraschend in Maribor auf. Als ich eines Nachmittags nach Hause kam, war er da. Wir gingen in einen Park. Unter einer Kastanie fragte er mich, ob ich am nächsten Tag mit ihm nach Belgrad gehen wollte, sein Onkel hätte dort eine Bäckerei. Zu seiner Enttäuschung sagte ich Nein. Mir ging das alles zu schnell. Zum Abschied gab er mir eine goldene Münze. Ein paar Jahre später erhielt ich einen Brief aus Belgrad. Um mich zu vergessen, schrieb er, hätte er zu seinem Unglück eine Studentin geheiratet, mit der er jetzt zwei Kinder habe. Auch ich dachte oft an ihn, wir schrieben uns, bis zu seinem Tod. Aus der Münze ließ ich mir meinen Ehering schmieden. 1956 heiratete ich einen anderen Mann, der inzwischen gestorben ist. Wir hatten drei Kinder. Mein Soldat und ich, wir sahen uns nie wieder. Wir hatten nur einen Tag.“

Ein Flaschöffnerschlüssel

Der Flaschenöffnerschlüssel, ein Exponat im Museum (Museum of Broken Relationships)

Es gibt (natürlich) ein Hochzeitskleid und (natürlich) Reizwäsche („Frühjahr bis Herbst 2003, Sarajevo, Bosnien. Ich habe die Reizwäsche nie angezogen. Die Beziehung hätte möglicherweise länger gehalten, wenn ich es getan hätte.“), eine blaue Bluse („Heirat 1999, Beziehungsort: Kilkenny, Irland. Ich hatte diese Bluse an an dem Tag, als mein Mann mich zum Essen einlud und mir sagte, dass er mich verlassen würde.“) oder ein großer Schüssel als Flaschenöffner mit der zutiefst berührenden, geradezu herzzerreißenden Mitteilung: „Beziehungsdauer 23. 1. 1988 bis 30. 6. 1998, Ljubljana, Slowenien. Du hast mir von der Liebe erzählt. Du gabst mir kleine Geschenke, jeden Tag. Das ist eines dieser Geschenke. Der Schlüssel zu meinem Herzen war es für mich. Du hast mir den Kopf verdreht. Du wolltest nicht mit mir schlafen. Ich habe erst kapiert, wie sehr du mich liebtest, als du gestorben warst, an AIDS.“

Dražen sagt dazu: „‚Schmeißt am besten alles weg‘, solche Ratschläge — das hab‘ ich absolut nicht verstanden“, und Olinka ergänzt: „Man kann doch all diese Dinge nicht einfach in den Müll werfen!“ Inzwischen bekommen sie die gespendeten Gegenstände und die Geschichten für ihr Museum der zerbrochenen Beziehungen nicht nur an den Orten der Wanderausstellungen überreicht, sondern aus der ganzen Welt zugeschickt. Auch von ihnen beiden ist ein Ausstellungsstück zu sehen: „Hast du den kleinen Plüschhasen in der Vitrine gleich am Eingang gesehen? Der hat früher Olinka und mir gehört. Als wir noch ein Paar waren, hatten Olinka und ich eine Abmachung: Wenn einer von uns verreist, muss er den Hasen mitnehmen. Vor Ort macht er ein Foto von dem Hasen, vor einer fremden Landschaft, in einer fremden Stadt. Das Foto bringt er dem anderen mit oder schickt es ihm, so ist immer eine Verbindung zwischen uns da. Das Foto, das hier im Museum zu sehen ist, zeigt den Hasen auf seiner letzten Reise in den Iran. Ein kleiner Plüschhase mitten in einer persischen Steinwüste. Der Hase ist inzwischen mit der Ausstellung mehr in der Welt herumgekommen als vorher.“ (Zitate aus der Radiosendung „Forever out of Love. Ein Streifzug durch das Museum der zerbrochenen Beziehungen in Zagreb“ von Patrick Batarilo aus „SWR2 Tandem“ vom 27. Juli 2015, eine Wiederholung von 2013)

Das Muzej prekinutih veza/Museum of Broken Relationships befindet sich in der Ćirilometodska 2 in der Oberstadt, der Altstadt von Zagreb. Noch bis zum 30. August 2015 ist auch eine Wanderausstellung im Museum für Wohnkultur im Historischen Museum in Basel zu sehen.

Aber auch hier in diesen Notizen lässt sich stöbern und weiterlesen, beispielsweise „Der letzte Akt einer Liebe“!


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