Zehn Fragen an Europa im 21. Jahrhundert

von Jagoda Marinić

Ist das normal,
dass wir täglich die Zeitungen aufschlagen und in zerrissene Gesichter von Kindern sehen.
Ist das normal,
dass wir mit zig besorgten Menschen reden, deren Sorgen das Leben der Anderen nicht einmal peripher streifen.
Ist das normal,
dass sich 80 000 000 so dermaßen überwältigt fühlen von 800 000?
Ist das normal,
dass wir im 21. Jahrhundert wieder täglich von Festungen reden?
Ist das normal,
dass Politiker und Bürokraten heutzutage Aschenbrödel spielen: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.
Ist das normal,
dass alle ihr Stückchen Welt verteidigen, aber kaum einer die Welt?
Ist das normal,
dass, nur weil einer zuerst da war, er das Hiersein jedes Anderen verbieten kann.
Ist das normal,
dass Europas Politiker sich lieber zum Abendessen treffen statt zu Gipfeln, um über Flüchtlinge zu reden.
Ist das normal,
dass wir fragen: Wie viel kostet die Geburt eines Kindes, das jetzt zu uns kommt, statt zu fragen: Welchen Wert hat das Leben an sich.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber von Demokratie +, wo der Beitrag am 23. September 2015 unter „Zehn Fragen an Europa im 21. Jahrhundert“ erschien. Jagoda Marinić veröffentlichte den Text und eine Übersetzung ins Englische auch auf ihrem Twitter-Profil.

Siehe hier auch „Ausländer“, „Der Nazi in uns“, „Einfache Fahrt“, „Heimat“, „Ein Film wurde wahr“, „Flüchtlinge: Ende der Flüchtlingskrise“ und das Gedicht „Fremde“!)

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

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