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Wiedervereinigung: der verpasste Traum — 4 Kommentare

  1. In dieser Konstellation hat es noch kein Deutschland gegeben. Das frühere Deutschland (zu den jeweiligen Zeitpunkten war entweder größer oder zerstückelt kleiner). Vereinigung ohne „Wieder“ wäre m.E. richtiger.

    Von Vereinnahmung kann man wohl sprechen. Ob ein eigenständiger zweiter deutscher Staat aber lebensfähig gewesen wäre, ist zweifelhaft. Der Zustand dort vor Ort war so marode, die Wirtschaft wäre ohne massive Unterstützung nicht lebensfähig gewesen. Die damals den anderen Weg wünschten, haben möglicherweise nicht die Wirtschaftskenntnisse und den Überblick gehabt.

    Heute sind die Städte und Orte nicht mehr grau, schmutzig, stinkig (2-Takter-Benzin).

    Es hätte vom Westen) massiv gesponsert werden müssen und man hätte Verträge gemacht – die Ex-DDR hätte quasi als Kolonie unserer Wirtschaft dagestanden. Schlimmer noch als heute vermutlich 😉

    Es hätte einen Exodus nach „gutem Leben“ gegeben. Die Leute wären (und sind auch so) scharenweise nach Westen aufgebrochen, als es (endlich) möglich war. Wäre dieser Staat dann noch lebensfähig gewesen, wenn schon vorher so viele Probleme bestanden?

    Die Treuhand war meines Wissens nicht treu…
    Es hat überall viele Fehler gegeben. Man hätte einiges übernehmen können, was brauchbar war. Das hätte dem Selbstverständnis der Menschen in der DDR gut getan, aber das müssen wir unseren Politikern zuschreiben, die nicht sachlich sondern mit Hochmut und Überheblichkeit gehandelt hatten. Ein paar Stellschrauben anders und eine Vereinigung wäre auch für die „Ossis“ verträglicher gewesen. Eine Schande übrigens, dass es immer noch niedrigere Ostgehälter gibt.

    Wenn wir auf Heute gucken, ist die Frage, wie in einer Welt wieder zunehmender Konflikte die Situation zwischen den beiden Staaten und zwischen Ost und West allgemein gewesen wäre. Wir wissen es nicht. Ich befürchte allerdings, dass es für den einzelnen Menschen nicht unbedingt besser gewesen wäre.

    Vor genau 25 Jahren und zwei Wochen, also genau in den letzten 2 Wochen der DDR, war ich das einzige Mal in der DDR, um meine alte Tante in Rostock zu besuchen, die ich zuvor nur bei für Rentner erlaubten Westbesuchen gesehen hatte. Ich war geschockt von der Optik während der Fahrstrecke: Kriegsruinen (Kirchen), aus denen Unkraut wucherte, griesegraue Häuserfassaden, trostlos, traurig und ein schrecklicher Geruch… schon damals Preise in den noch kleinen Fensterauslagen wie im Westen (bei wirtschaftlich armseliger Situation der Menschen dort). Seit damals hat sich übrigens der biologische Zustand der Elbe erheblich verbessert. Abwässer wurden von der Industrie damals im Osten einfach ungefiltert bzw. nicht ausreichend gefiltert eingeleitet.

    • Im Großen und Ganzen hast du sicherlich recht, gerade in Bezug auf die Altlasten, die in Form von Schadstoffen im Boden mancherorts auch heute noch Probleme bereiten. Und natürlich war die DDR auch finanziell marode, und die Werktätigen arbeiteten teilweise zu Bedingungen, wie man sie im 19. Jahrhundert verorten würde, was im genannten und übrigens sehr spannenden Film „Goldrausch — Die Geschichte der Treuhand“ gut zu sehen ist. Aber träumen darf man ja einmal!

      „Die Treuhand war meines Wissens nicht treu“: wohl war! Die Möglichkeit übrigens, dass die Werktätigen ihr Eigentum (schließlich handelte es sich meist um „Volkseigene Betriebe“ VEB!) selbst übernehmen und beispielsweise genossenschaftlich weiterführen konnten, war von vornherein nicht möglich und unerwünscht, zudem konnten sich Westfirmen ihrer unerwünschten Konkurrenz aus dem Osten schnell entledigen (siehe etwa Interflug versus Lufthansa), indem sie sich ihrer einverleibten und sie danach zerschlugen, falls letzteres nicht gleich geschah. Doch es gibt auch Beispiele für erfolgreiches Weiterbestehen; so sei hier der VEB Reichsbahnausbesserungswerk (Raw) genannt, der knapp an der Zerschlagung durch die Treuhand „vorbeischrammte“ und heute als Dampflokwerk Meiningen ein erfolgreiches und weltbekanntes Kompetenzzentrum für (Dampf)lok- und Bahntechnik ist!

      Und was die (Wieder)vereinigung betrifft, so sollten wir eins nicht vergessen: Während sämtliche sowjetischen Truppen bis 1994 aus Ostdeutschland abgezogen worden waren, so wurde ein Austritt aus der NATO nicht nur nie diskutiert, sondern zurzeit wird sogar eine atomare Aufrüstung seitens der USA geplant, deren Gründe ausschließlich in einer Ankurbelung des wirtschaftlichen Wachstums seitens des stationierenden Landes zu finden sind!

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