Mit dem Obstkorb ist es nicht getan!

Für das Wohlgefühl am Arbeitsplatz: das Feelgood Management

Schale mit Obst

Mit dem Obstkorb ist es nicht getan, aber mit Feelgood Management? (Microsoft Clip Art)

Hurra, darauf haben wir alle gewartet: das Feelgood Management, ein neues Berufsfeld, das Wohlgefühl an den Arbeitsplatz bringen soll! Eine Firma gibt sich als Sprachrohr dafür. Brauchen wir das wirklich?

Ein neues Berufsfeld erscheint auf dem Arbeitsmarkt: das Feelgood Management. Feelgood Manager sollen „Teil eines neuen Werte-Verständnisses von Unternehmen“ sein und „sich engagiert um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter [kümmern], damit sie einen guten Job machen können. Bevorzugt werden Feelgood Manager von Firmen eingestellt, die ihre Mitarbeiter als Mensch und Leistungsträger wahrnehmen und wertschätzen“, ist bei GOODplace zu lesen, die sich offensichtlich zum Sprachrohr dieses neuen Berufsbildes erhoben haben. Endlich, haben wir darauf nicht alle gewartet?

Laut deren Seiten und deren Blog „gibt es in Deutschland zwischen 80 und 100 Menschen, die den zukunftorientierten [sic!] Beruf des Feelgood Managers ausüben — Tendenz steigend“. Damit und mit den vielen Presse-Berichterstattungen in 2015 sei „das Thema Feelgood Management angekommen“, wo allerdings auch immer. Jedenfalls sind auf den Seiten von GOODplace, wie sie sich selbst schreiben, nur relativ kleine und (mir) unbekannte Firmen genannt, die sich einen Feelgood Manager leisten (können und wollen).

Sie sollen „zentrale Ansprechpartner in puncto Unternehmenskultur“ sein und „gut für das Betriebsklima, sorgen neben einer Wohlfühl-Arbeitsathmosphäre, für die Verbesserung der internen Kommunikation sowie für den internen Arbeitsfluss (Flow). Sie schaffen Gemeinschaftserlebnisse und darüber Identifikation mit dem Unternehmen“, preisen sie sich selbst, leider unter nicht ganz korrekter Anwendung von Kommata.

„Feelgood Management — nur ein Hype oder eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit?“, fragt GOODplace dann auch selbst und kommt natürlich auch selbst zu dem Schluss, dass es angesichts „in vielen Unternehmen knirscht es gewaltig. Mitarbeiterfluktuation, Fachkräftemangel, kaum Nachwuchs, Innovationsstau durch mangelnde Wertschätzung der Mitarbeiter, verkrustete Arbeitsstrukturen, hierarchisches Führungsdenken, nicht erkanntes Mitarbeiterpotential [sic!]“ eine Lösung sein kann (wörtlich, also nicht muss!). „Mit dem Obstkorb und Kickertisch ist es [nämlich; Einfügung des Verfassers] noch nicht getan. Das Wohlergehen von Mitarbeitern ist von viel mehr abhängig und ein wichtiger Motivationsfaktor im Unternehmen.“ Das Berufsbild und die Anforderungen an das Berufsbild des Feelgood Managers werden auf deren Seiten ausführlich vorgestellt.

Nun, in mir reift nach alldem die Erkenntnis, dass das Feelgood Management sich doch noch nicht so eingeführt hat, wie es GOODplace gern hätte: Die aufgeführte Zahl von „80 bis 100 Menschen“ scheint im Vergleich mit der Anzahl der ebenfalls genannten Firmen, die sich einen solchen Mitarbeiter/eine solche Mitarbeiterin bisher leisten, reichlich hoch gegriffen. Und, das Wichtigste: Unternehmen, die einen Feelgood Manager resp. eine Feelgood-Managerin nötig hätten, kämen nie auf die Idee, eine/n solchen einzustellen! Und dort, wo alles zufrieden läuft, braucht man solche nicht.

Dass Mitarbeiter/-innen nicht auch noch nach Feierabend oder am Wochenende, manchmal sogar im Urlaub erreichbar sein müssen, ist eine Erkenntnis, die sich bei immer mehr Unternehmen langsam ebenso durchsetzt, wie dass die Anzahl der Überstunden begrenzt und das Angebot an flexiblen Arbeitszeiten vorhanden sein sollte. So entsteht der Eindruck, dass Firmen wie GOODplace entweder auf Züge aufspringen wollen, die nie abfahren, weil sie auf einem Abstellgleis stehen (Firmen wollen nicht), oder auf Züge, die schon längst abgefahren sind (Firmen bemühen sich auch ohne Feelgood Management um angenehme Arbeitsatmosphäre).

Aber Hauptsache, man schafft neue Arbeitsplätze, und wenn es nur die einer Handvoll Feelgood-Manager sind!

Siehe hier beispielsweise auch „Geisteswissenschaftler gesucht!“, „Arbeit, unsere Religion?“, „Korrekturassistenten gesucht“, „Was tun?“, „Outsourcing“, „Azubi oder Praktikant?“, „Der leere Topf“, „Das Peter-Prinzip“, „Stechuhren“ und „Pfirsiche“!)

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

Kommentare

Mit dem Obstkorb ist es nicht getan! — 2 Kommentare

  1. Die Etablierung von Feelgood Management im Unternehmen ist abhängig vom Denken der Geschäftsführer. Diese teilweise veraltete Denke von heut auf morgen zu ändern ist unrealistisch. Genau deswegen gibt es Organisationen wie Goodplace oder einen Blog wie meinen um einen Anstoß zu machen. Der Zug ist längst noch nicht abgefahren. Einige werden aufspringen und einige stehen bleiben. Aber so ist es mit allen neuen Konzepten.

    • Danke für die Antwort, für deren Beantwortung ich mir etwas Zeit nehmen wollte, um erst einmal zu sehen, ob weitere Reaktionen erfolgen. Aber die Tatsache, dass dieser Beitrag nicht zu den am meisten aufgerufenen zählt, mag, außer den im Beitrag selbst genannten Argumenten, ein weiteres Indiz dafür sein, dass das Thema (noch) keineswegs populär ist. Da stieß der später veröffentlichte Beitrag „Arbeitszufriedenheit: keine guten Zahlen!“ auf weitaus größeres Interesse! Ob Sie und Ihr Konzept an der mangelnden Arbeitszufriedenheit etwas zu ändern in der Lage sind, möchte ich bezweifeln, zumal mir deren Ursachen (viel) tiefer zu liegen scheinen, als dass „Feelgood Management“ darauf einwirken könnte.

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