Der Repinique

Brasilianische Trommeln und Perkussionsinstrumente, Teil 1

Ein typisches Samba-Instrument ist die Trommel repinique. Sie und ihre Spielweisen sollen hier ein wenig vorgestellt werden. Anmerkung: Dieser Eintrag enthält Inhalte aus der früheren Seite http://ronaldfilkas.de/ronald+trommeln/trommeln.html, die nicht mehr verfügbar ist. Weitere folgen hier.

trommelgruppe

EMBOLADA beim Hessentag in Idstein 2002 (Autor unbekannt)

Die Trommel repinique ist eine typische Sambatrommel. Doch nicht nur! Das Bild oben zeigt EMBOLADA, eine Sambaschule aus Hofheim am Taunus, in der ich viele Jahre spielte, bei einem Auftritt auf dem Hessentag in Idstein 2002. Hier spielen wir einen Samba-Reggae, ein Rhythmus, der in Salvador da Bahia entstand und nicht nur Samba und Reggae, sondern auch andere Rhythmen des brasilianischen Nordostens wie etwa religiöse des candomblé (z. B. ijexá) mischt. Dass es sich um einen Samba-Reggae handelt, lässt sich daran erkennen, dass die repiniques mit zwei Stöcken gespielt werden. Eine Ausnahme davon stellte anfangs die Gruppe Ilê Aiyê dar, die sie mit Hand und Stock spielten und damit einen ganz eigenen som, also sound schufen schufen. Im Bundesstaat Bahia, der Heimat dieses Rhythmus‘, wird übrigens fast nur von repiques gesprochen. Auf dem Bild könnt ihr zwei davon in der Bildmitte sehen.

Hier ein Beispiel für einen sogenannten break und den typischen toque der ausschließlich aus Schwarzen bestehenden Afro-Gruppe Ilê Aiyê, solo von mir gespielt (MP3, 2 min 17 s, 2,1 MB):


 
Im Samba-Reggae sind die 3-2-Clave oder der „umgedrehte“ Bossa-Nova-Schlag der snare drum des Schlagzeugs typische toques, also Spielmuster, der Gruppen, die die repiniques mit zwei Stöcken spielen. Dem Erfindungsreichtum sind aber keine Grenzen gesetzt, und das gilt auch für den Samba!

Spielweise Repinique

Repinique-Technik für Samba, Grundfigur (Bild: Ronald M. Filkas)

Der repinique oder repique, früher auch repenique (im brasilianischen Portugiesisch o repinique, also männlich und deswegen der!) ist eine Tenortrommel, die üblicherweise im Samba (o samba, also auch männlich!) mit einer baren Hand und einem Stock in der anderen gespielt wird. Diese Technik, bei der die bare Hand, den „Beat vorbereitend“, mindestens ebenso wichtig ist wie die Stockhand, ist nicht einfach zu erlernen.

Hier einige einfache toques e breques, von mir eingespielt (MP3, 2 min 16 s, 2,08 MB):


 
Übungen für Fortgeschrittene für das Zusammenspiel von Hand und Stock (MP3, 12 min 35 s, 11,5 MB):


 

Repinique-Trommler

Repinique in der Samba-Spielweise mit Hand und Stock (Bild: Patrick Johnscher)

Diese Trommel ist, im Gegensatz zum anderen Samba-Instrumentarium, das schon früher in den Großstadtsamba integriert wurde, erst seit den 1950er-Jahren in den Sambaschulen Rio de Janeiros gebräuchlich und europäischen Ursprungs. Die oben beschriebene Spielweise mit Hand und Stock jedoch hat wohl afrikanische Wurzeln; man denke an die Sabar-Trommeln der Wolof im Senegal, die ebenfalls mit einer Hand und einem Stock geschlagen werden! Der repinique ist auch die Trommel der Solisten und Dirigenten, der mestres da bateria, die durch das Spielen bestimmter Rufe, den chamadas, den Ablauf einer batucada (eines reinen Perkussionsstücks) und der bateria (der Rhythmusgruppe) regeln. Zudem ist sie ein sehr innovatives Instrument, dessen Möglichkeiten dauernd erweitert werden.

Hier ein Beispiel für den Ablauf einer batucada mit mir als Leiter der nicht mehr existierenden Bateria Nota 10 aus Oberursel (Taunus) aus einer öffentliche Probe im damaligen Jugendzentrum Oberursel 1993 (MP3, 5 min 27 s, 4,99 MB):


 
Das Verb repinicar, das mir unbekannt ist, sich aber auf vielen Internetseiten von deutschen Sambagruppen findet und wohl eher repenicar für „gellen, schrillen“ oder repicar für „wiederholtes Spielen, Schlagen“ heißen muss, bedeutet denn auch nicht, wie ebenso von einigen deutschen sambistas gern weitergegeben, „gegen den Beat schlagen“, denn das synkopierte Spiel ist typisch für die brasilianische Musik allgemein und nicht nur für dieses Instrument, sondern eher „laut und wiederholt spielen“!

Überhaupt: die Lautstärke! Sie war wohl der Hauptgrund, weshalb die bei dieser Trommel und den im musikalisch-akustischen Stimmungsbild verwandten tamborins früher aufgespannten Ziegen- bzw. Katzen- durch Nylonfelle ersetzt wurden, zumal sich solche Felle viel höher stimmen lassen, was wiederum der Lautstärke zugute kommt. Auch die Fertigung der Korpora aus Holz, wie ich sie von repiniques und tamborins noch kenne, ist (fast) vorbei, wobei die Verwendung von Metall nicht nur zusätzlich die Lautstärke erhöht, sondern den ganzen som der bateria schärfer macht — ganz im Sinne von repenicar o ritmo eben!

Zwei Trommeln sind nahe mit dem repinique verwandt:

  • Eine kleine Version des repinique mit dem etwas größeren Durchmesser eines tamborim, die bacurinha, wird nur mit zwei dünnen, langen Stöcken und im samba duro gespielt, einem Rhythmus, dem durch die Arrangements der Perkussion der suingue , der Swing des Samba, hin zu einer Schwere (duro bedeutet „hart, zäh, schwer“) verschoben wurde. Bei der bekannten brasilianischen Gruppe Timbalada ersetzten die bacurinhas die tamborins aus deren Vorgängergruppe Vai Quem Vem.
Repique de mão

Ein repique de mão (Autor unbekannt)

  • Die Handversion des repinique, der repique de mão, hat nur ein Fell auf einer Seite und wird, waagerecht umgehängt oder sitzend auf einen Oberschenkel gelegt, mit der einen Hand auf dem Fell und mit der anderen auf dem Korpus gespielt, gelegentlich auch mit der zweiten Hand im Korpus, von wo ein Fingernagel gegen den hinteren Teil des Fells geschnippt wird und so einen klickenden, metallischen Ton erzeugt. Der toque ähnelt so dem des repinique, jedoch spielt die Hand auf dem Korpus bzw. von hinten gegen das Fell die „Und“ (Spielweise und Technik)! Sie findet nur in kleinen Sambarunden und -gruppen wie im pagode oder im partido alto Verwendung. „Erfunden“ hat dieses Instrument übrigens der Perkussionist Ubirany von der Grupo Fundo de Quintal.

Hier Beispiel für den repique de mão, solo (MP3, 1 min 12 s, 1,11 MB), jeweils von mir gespielt:


 
und mit banda ((MP3, 5 min 10 s, 4,74 MB):


 
Der tan-tan (auch tantan oder tantã) ist länger, etwas größer im Durchmesser und tiefer gestimmt als der repique de mão, wird aber ähnlich gespielt und ergänzt diesen als Basstrommel. Der Rhythmus entspricht so dem der surdos, den Basstrommeln im Samba.

Die frühere Seite http://ronaldfilkas.de/ronald+trommeln/trommeln.html selbst, aus der dieser Text und die Beispiele übernommen wurden, ist nicht mehr verfügbar, aber übrigens noch im Internet Archive unter der archivierten Version vom 15. September 2011 abrufbar.

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

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