Archiv der Kategorie Information und Medien
People are Strange
Samstag, 7. August 2010 von Ronald.
When you’re strange, faces come out of the rain, when you’re strange. No one remembers your name, when you’re strange, when you’re strange.
(aus People are Strange, Words & Music by: The Doors)
Auch fast vierzig Jahre nach dem Tod von Jim Morrison haben The Doors und ihre Musik nichts von ihrer Anziehungskraft verloren: Angeblich verkaufen sie immer noch weltweit eine Million Tonträger pro Jahr. „Strange“ sind sie also keineswegs! Der neue Film „The Doors: When You’re Strange“ von Tom DiCillo versucht von Neuem, dieses Phänomen zu beleuchten.
Um es vorwegzunehmen: Für diejenigen, die zu deren „Lebzeiten“ schon Anhänger dieser Band waren, bietet dieser Film keine inhaltlichen Neuigkeiten, über die man nicht schon damals hätte verfügen können. Es kursierten auch ohne Internet reichlich Materialien, die für deren Fans von Interesse waren: Fotos (etwa von ihrem geheimen Auftritt auf dem Frankfurter Römerberg am helllichten Nachmittag), Kopien von Zeitungsausschnitten aus den USA (die übrigens schon damals belegten, dass Morrison während des legendären Auftritts in Miami keineswegs das Geschlechtsteil seines Gitarristen Robby Krieger in den Mund genommen hatte, weshalb er später auf der Bühne verhaftet wurde), Notenbücher mit Texten, natürlich „Bootlegs“ (illegale Konzertmitschnitte) bis hin zu einer inoffiziellen Biografie Morrisons des rührigen Ulrich Heumann, bei dem man mittels Briefkontakt Informationen suchen und tauschen konnte. (Die ganzen „offiziellen“ Morrison-Biografen sind sich unterdes in vielen Punkten reichlich uneinig, besonders, wenn es um den Tod des Sängers geht!) Und dass Morrison mindestens zwei Gedichtbände veröffentlichte („An American Prayer“ und „The Lords and The New Creatures“, außerdem gibt es die posthum erschienen „Wilderness: The Lost Writings of Jim Morrison“) war wohl vielen bekannt. Zudem war der Doors-Konzertfilm „A Feast of Friends“ von Paul Ferrara aus dem Jahr 1970 bereits in „alternativen“ Kinos zu sehen, weitere folgten!
Der Grund, diesen neuen Film herzustellen, liegt wohl darin, dass das Interesse an dieser wegen Morrisons erotischer und gleichzeitig dämonischer Ausstrahlung und entsprechender Auftritte einst als „gefährlichste Band Amerikas“ bezeichneten Gruppe nicht nur immer noch da ist, sondern dass immer wieder jüngere Leute diese Musik erst neu entdecken. An diese richtet er sich wohl auch in erster Linie: Der weitaus größte Teil der Besucher der vom Verfasser besuchten Vorstellung bewegte sich altersmäßig von etwa Anfang bis Mitte zwanzig. Und es geht ziemlich offensichtlich darum, den Verkauf der Musik der Doors noch weiter anzukurbeln!
So interessant die neu aufgetauchten Foto- und Filmmaterialien von ihren Studioaufnahmen, Fernseh- und Bühnenauftritten sowie von Jim Morrisons eigenem Filmschaffen (das viel zu kurz kommt) aber auch sind: Es wird kein einziges Musikstück ganz ausgespielt, und sei es, dass nur wenige Sekunden zum Ende fehlen, als gälte es, möglichst viele im Film unterzubringen! Und anstatt den Film, der mit einem durch einen Windhauch verlöschenden Streichholz beginnt und endet, auch musikalisch „rund“ enden und etwa das fantastische „The Crystal Ship“ oder das düstere „End of the Night“ nach einem Gedicht von William Blake ausnahmsweise ganz ausgespielt den Abspann über durchlaufen zu lassen, knallt der Regisseur im Sekundentakt ein Stück an das andere!
Die von Johnny Depp gesprochenen Texte enden mit den Worten, dass nur ein Licht verlöschen kann, das vorher auch gebrannt hat. Jim Morrison mit The Doors, die ihm den idealen musikalischen Rückhalt gaben, hatten gebrannt, was man von dem Film nur sehr bedingt sagen kann. Aber immer noch besser, als sich den Spielfilm „The Doors“ von Oliver Stone anzuschauen (der von den verbliebenen Mitgliedern, allen voran vom Keyboarder Ray Manzarek übrigens heftigst kritisiert wurde), denn wenn es etwas gibt, dass sich der Verfasser weder vorstellen kann noch möchte, dann ist es, die Person Jim Morrisons durch einen Schauspieler dargestellt zu sehen!
Links zum Thema:
THE DOORS: WHEN YOU ARE STRANGE (offizielle deutsche Filmseiten, teilweise aber englisch)
The Doors (offizieller Internetauftritt, englisch)
Warner Music Germany - The Doors (deutsch)
The Doors bei MySpace Musik (englisch)
The Doors | Die offizielle Homepage
die Pforten der Wahrnehmung („die älteste deutsche Doors-Seite“)
The Doors: When You’re Strange – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors in Frankfurt
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Robert Enkes Leiche
Samstag, 5. Juni 2010 von Ronald.
Seit ihrer Veröffentlichung gibt es immer wieder Suchanfragen, durch die Interessierte auf meine Notiz über den Tod von Robert Enke „Robert Enke †“ stoßen. Ob es mit der bald beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft zusammenhängt, ist schwer zu beurteilen, doch es ist auffällig, dass die Häufigkeit der Suchen kürzlich wieder zunahm. Erschreckend ist dabei jedoch, wie häufig und dass fast ausschließlich nach seinem Namen in Verbindung mit dem Wort „Leiche“ gefragt wird!
So hatte ich im Monat Mai drei Anfragen nach „robert enkes leiche“, vier nach „enke leiche“ und sage und schreibe 14 nach „robert enke leiche“. Wenn zwei Anfragen nach „handy bilder enke“ gehen, mag das noch harmlose Gründe haben, schließlich habe ich in meiner Notiz ein solches verwendet, aber spätestens dann, wenn, wie bereits früher geschehen, nach dem Zustand seiner Leiche gefragt wurde, fängt es an makaber und geschmack-, wenn nicht sogar pietätlos zu werden!
Sensations- und (verhinderte) Schaulust? Oder möglicherweise Anfragen von potenziell Suizidgefährdeten?
Es ist im Zusammenhang mit seinem Freitod auch darüber geschrieben worden, dass (zu ausführliche) Nachrichten über erfolgreiche Selbsttötungen Gefährdete geradezu zur Nachahmung anregen. Selbst wenn es also Bilder oder andere Informationen gäbe, sollten selbst unseriöse Sensationsjournalisten davon Abstand genommen haben, sie zu veröffentlichen. Und hier findet man sie erst recht nicht! Dass der Deutsche Presserat das Satiremagazin Titanic, dem bekanntlich nichts heilig ist, wegen mehrerer satirisch gemeinter Bilder inzwischen gerügt hat, dürfte genug verbreitet sein.
Freitod ist niemals eine Lösung, vor allem für die Angehörigen nicht und für solche, die etwa als Lokomotivführer unfreiwillig in diesen hineingezogen werden! Er schafft nur neues Leid.
Lassen wir Enke in Frieden ruhen und vielleicht daran denken, dass er in Südafrika sehr wahrscheinlich die Nummer eins im deutschen Tor gewesen wäre!
(Auszug aus den Suchanfragen für den Monat Mai 2010:
#Anfrag.: Suchbegriff
- 4: enke leiche
2: handy bilder enke
2: leiche robert enke
14: robert enke leiche
3: robert enkes leiche
2: titanic roberrt enke
Link zum Thema:
medienhandbuch.de: „Presserat rügt Titanic-Cartoons zu Enkes Suizid“)
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Redakteure
Mittwoch, 14. April 2010 von Ronald.
von Kurt Tucholsky
Der Redakteur ist ein fest angestellter Literat … Journalist ist zu eng. Ich will den Redakteur nach zwei Seiten hin untersuchen: in seiner Stellung zum Verleger und in seiner Stellung zu den Mitarbeitern: zu den nicht fest angestellten Schriftstellern.
Die Standesvertretung der deutschen Redakteure hat es bisher nicht vermocht, ein würdiges Verhältnis des Redakteurs zum Verleger herzustellen, … in guten Häusern sind die Umgangsformen zwischen den beiden Lagern angenehm und demokratisch, an der wirklichen Lage ändert das nichts. Der Verleger ist im allgemeinen tief davon durchdrungen, daß Redakteure nur Geld kosten, aber wenig einbringen; daß im Grunde er, der Verleger, die Sache viel besser verstehe, und daß man jeden Redakteur davonjagen und durch einen andern ersetzen könne. Beim Inseratenchef sieht das wesentlich anders aus.
Die Interessen der Verleger sind mannigfaltig; am Redakteur hat er nur eines: daß der ihm keine ›Unannehmlichkeiten‹ mache. Darunter sind nicht immer Geschäftsstörungen zu verstehen … Abgesehen davon haben nur kleine Druckereibesitzer den Mut, ihren Redaktionsangestellten rund heraus zu sagen, sie möchten ihnen gefälligst durch eine gar zu scharfe Antialkohol-Propaganda nicht das Geschäft mit den Brauereien verderben. In den größern Zeitungsverlagen spielt sich dergleichen meist viel würdiger ab, meist, nicht immer. Da knöpft sich der Verleger oder einer seiner geschäftlichen Mitarbeiter den betreffenden Redakteur vor, und die Vokabeln heißen: »Tradition des Hauses . . . « – »Man kann eben nicht mit dem Kopf durch die Wand gehn« – »Hier, sehn Sie sich mal diesen Stoß Beschwerdebriefe an, so kann man das nicht . . . « und so fort. Die Verlogenheit sitzt hier sehr tief; der Unternehmer hat eben, wie das oft vorkommt, die Philosophie seines Geldes. Dem Redakteur wird zugemutet, die Philosophie eines Geldes zu haben, das er niemals verdient.
… Doch sind die meisten Redakteure nicht einmal in den kleinen Alltagsfragen frei. (Ganz frei ist nur der Kritiker in nichts als ästhetischen Dingen – da darf sich alles austoben, was sonst schwer gebändigt kuscht.) Der deutsche Zeitungsverleger ist ein ängstlicher Mann; er will Geld verdienen, was ihm kein Mensch übel nimmt, und er will nur Geld verdienen, was ihm sehr übel zu nehmen ist. …
… Das geht ins Groteske. S. J. warf einst einem berliner Redakteur vor: »Aber bei euch genügen doch schon vier Beschwerdebriefe, und jeder von euch kann herausfliegen!« Der Redakteur erwiderte tiefernst: »Herr Jacobsohn, Sie irren sich. Es genügt schon einer.« Die Furchtsamkeit der Verleger geht ins Aschgraue. Irgend ein Interessenverband, dessen Syndikus sich etwas Bewegung machen will, eine Sparte des Annoncenteils, die infolge eines Zeitungs-Artikels leicht ins Wackeln gekommen ist, sind imstande, den ganzen Laden durcheinander zu bringen. Von »Das gibts bei mir nicht!« bis: »Hören Sie mal, man sollte da eigentlich . . . « spielt das in allen Tönen, und wenn der Redakteur solcherart zum Chef geht, geht er allemal nach Canossa. Nur findet aus rituellen Gründen keine Kirchenbuße statt.
Von den kleinen Generalanzeigern erwartet kein Mensch etwas andres. Deren Textteil ist nur Beilage zum Inseratenteil, und der Druckereibesitzer, der seine Annoncen sammelt, wünscht, nicht durch überflüssige Meinungsäußerungen irgend eines Schreibers in seinen Geschäften gestört zu werden. Daß aber größere Zeitungen ihre Macht überhaupt nicht anwenden, weil sie sich ihrer gar nicht bewußt sind, das ist eine Schande.
Die Verleger, meist kleine Leute, verkennen ihre Lage völlig. Woher sollten sie sie auch kennen? Zum Redakteur gehören ein Befähigungsnachweis, erbracht durch lange Lehrzeit, Allgemeinbildung oder sonst etwas, und immer wieder: Erfolg, Erfolg, Erfolg. Zum Verleger brauchte das alles nicht, da tut es schon Kauf oder Erbschaft oder sonst ein Rechtsvorgang, und Erfolglosigkeit ist ja in den Augen der Unternehmer stets die Folge ungünstiger Zeitumstände. (Gehts gut, so ist das auf ihre Tüchtigkeit zurückzuführen.) Da sitzt nun der Verleger auf seinem Stühlchen und hat: eine Zeitung, Größenwahn und Angst.
… Es ist nicht an dem, daß die Verlegerschaft, wie sie gebacken und gebraten ist, aus Trotteln, bestochenen Kumpanen und Hosenhändlern besteht, was die Beteiligten mit einem ›Sehr freundlich!‹ aufnehmen werden. Doch wird die Frage: »Warum übt jener die Autorität aus?« in Deutschland fast nie gestellt und in diesem Fall niemals ehrlich beantwortet. Denn die Antwort müßte in den meisten Fällen lauten: »Weil er der Besitzer ist. Weil er in das Unternehmen hineingeheiratet hat. Weil er es geerbt hat. Weil er es gekauft hat.« …
… Die meisten Zeitungsverleger haben sich da etwas zurechtgemacht, was sie ›Publikum‹ nennen – es ist ein recht verschwommener Begriff, für den das Maß aller Dinge ihre eigne Bildung abgibt. …
Wem dienen die Zeitungen? Dem öffentlichen Interesse? Du lieber Gott! Das können sie nicht, weil sie nichts wagen. … Einem Sturm trotzen? Seinen Standpunkt auch dann wahren, wenn jeder zehnte Abonnent abbestellt? Wenn der gefürchtete Boykott durch irgend einen gereizten Reichsverband Deutscher Feinkosthändler heraufbeschworen wird? Es gibt nur eine Sorte Menschen, die der Zeitungsverleger nicht fürchtet: das sind die geistigen Menschen. Die können protestieren, das macht nichts.
Weit entfernt davon, mir alles, was geschieht, durch die Presse zu erklären: was könnte die deutsche Presse durchsetzen, wenn sie nur wollte! Von großen Dingen keines; von mittlern und kleinen, die ja im Leben auch mitspielen, sehr viele.
… Die Folge ist ein linder Größenwahn des Redakteurs auf allen Gebieten, wo es ungefährlich ist.
Das Verhältnis des angestellten Schriftstellers zum nicht angestellten Schriftsteller ist ein einziger Skandal – das äußerste an Unkollegialität und an Schmierigkeit, an äußerstem Mangel von Solidarität, der nur denkbar ist. …
… In unserm Beruf steht das Angebot in einem grotesken Gegensatz zur Nachfrage – zu schreiben vermeint jeder und jede zu können, und den Kram, der da verlangt wird, kann ja auch jeder Mensch herstellen. Das hebt die Stellung des Redakteurs; … Und was er sich vor seinem Verleger niemals getraute, das wagt er dem Mitarbeiter gegenüber alle Tage: da trumpft er auf, da ist er der große Mann, dem zeigt er aber, was eine Harke ist. Leider zeigt er ihm nicht, was eine gute Zeitung ist.
… Wieviel Redakteure mag es in Deutschland geben, die von ihrem Verlag über die Höhe des Honoraretats maßgeblich gehört werden? … Der Redakteur, der sich vor seinen Mitarbeitern so gern als kleiner Kaiser aufspielt, ist der allerletzte, der hier auch ein Quentchen hineinzureden hat. Die Honorare werden von der geschäftlichen Leitung festgesetzt, und damit basta. Ausnahmen zugegeben; die Regel ist so.
Die Folgen sind klar. An Zeitungen arbeiten so viel Außenseiter mit, daß ihr Niveau tiefer ist als es unbedingt notwendig wäre: Professoren; Damen der ersten besten Gesellschaft; Fachleute, die etwas wollen, und Interessenten, die etwas nicht wollen – manchmal auch Schriftsteller. … und so ist aus unserm Beruf eine schlechtbezahlte Beschäftigung geworden.
… Das, was die meisten Redakteure zu sein vorgeben, sind sie gar nicht: unabhängige Inhaber von Machtpositionen. Das können sie nur einem unkundigen Außenseiter erzählen. Sie sind bis ins letzte Komma abhängig wie die Landarbeiter, und die Stellung, die sie innehaben, nutzen sie niemals aus, weil sie das nicht dürfen, wie ja nicht einmal ihre Verlage die ihre ausnutzen, es sei denn in den allerbescheidensten Grenzen kleiner oder hier und da größerer Geschäftemacherei (Subventionen).
… Beide, Verleger und Redakteure, unterschätzen ihre Positionen. Sie überschätzen sie zu gleicher Zeit auf einem Gebiet, wo ihre Machtlosigkeit zum Himmel schreit: nämlich auf dem Gebiet der großen Politik. Außenpolitisch ist das nur komisch. Mir sagte einmal ein ehemaliger Redakteur der ›Frankfurter Zeitung‹: »Als wir jung waren, haben wir immer geglaubt, die Weltpolitik werde in der Großen Eschenheimer Straße gemacht.« … Innenpolitisch … ist ja die Entwicklung der letzten Jahre gegen die Leitartikel der größten Zeitungen, und nicht nur der sogenannten demokratischen, vor sich gegangen. Sie können schreiben, was sie wollen, und die Politiker tun, was sie wollen.
Die Klugen unter den Redakteuren wissen zwar genau, was los ist; doch beherrscht die Redaktionen jener Spruch, den sich die Herren auf goldene Teller malen lassen sollten: »Das kann man natürlich nicht schreiben!« Aber warum, warum können sie es nicht schreiben?
Weil sie keine Macht haben. Weil ihre allzu willfährigen Organisationen … von den Unternehmern rechtens niemals so beachtet werden wie etwa in frühem Zeiten die Gewerkschaften der Buchdrucker, und weil der Redakteur von seinem Eitelkeitswahn unheilbar besessen ist. Der Verleger zahlt ihn schlecht; so macht er sich durch das bezahlt, was er selber von sich hält. Und er hält sehr viel von sich.
… so gut wie nie liest man in ihren Fachblättern von diesen delikaten Dingen – keiner rührt das heiße Eisen auch nur an. Auf ihren Kongressen geht es gar hoch her: da wird gesprochen von der Pflicht der Kulturbildung und der Wichtigkeit der Presse – aber von der kläglichen Rolle, die der Redakteur vor dem Verleger spielt, ist nicht die Rede. Mit gutem Grund.
Ich habe nichts zu enthüllen – ich weiß von keinen Skandalgeschichten. Mich interessieren die einzelnen Verleger nicht, und ich kann hier keinen ›Sumpf‹ aufzeigen. Doch erschien es mir richtig, einmal zu sagen, welche bejammernswerte Position der Redakteur dem Verleger gegenüber einnimmt, und wie er sich aus dieser Lage herauslügt: durch Überkompensation seiner selbstverschuldeten Defekte und durch eine trübe Wichtigmacherei sich und seinen Mitarbeitern gegenüber.
(Kurt Tucholsky: Die Weltbühne, 31. Mai 1932, Nr. 22, Seite 813, und 7. Juni 1932, Nr. 23, Seite 856/Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 10, Reinbek bei Hamburg 1975, Seiten 83 bis 90, zitiert nach Zeno.org, mit Dank an medienhandbuch.de, das mich auf den gesamten Text neugierig machte)
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Kachelmann ein Vergewaltiger?
Samstag, 27. März 2010 von Ronald.
Hand aufs Herz: Wer hat angesichts der Schlagzeilen der letzten Tage unter anderem der vorgeblichen „Zeitung“ mit den großen Lettern nicht schon mindestens geglaubt, dass daran etwas sein könnte? Vor allem nach der Überschrift von gestern, die scheinheilig fragte, ob Kachelmann „das zuzutrauen“ sei?
Liest man diese Schlagzeilen, ist der Reflex nahe sofort zu glauben oder wenigstens nicht infrage zu stellen, was man da liest, und es ist erschreckend, dass er bei vielen und sogar unter Bloggern bereits (vor)verurteilt zu sein scheint: Man gebe einmal „Kachelmann“ in eine Blog-Suche ein …
Es soll hier nicht um Schuld oder Unschuld gehen, sondern zunächst einmal darum, dass es in unserem Rechtssystem eine Unschuldsvermutung gibt, die besagt, dass jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig gilt! Weiterhin besagt der deutsche Pressekodex unter anderem, dass bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern keine unlauteren Methoden angewandt werden dürfen und dass unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen als solche kenntlich zu machen sind.
Wie kam es aber überhaupt dazu, dass die Medien herausbekommen haben, dass es um Jörg Kachelmann geht, obwohl die Staatsanwaltschaft Mannheim angeblich lediglich berichtete, dass sie „gegen einen 51-jährigen Journalisten und Moderator ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vergewaltigung führe“ und weitergehende Auskünfte aus Ermittlungsgründen und im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten nicht erteilt werden würden? (Eine Frage übrigens, die sich schon im Fall der Trunkenheitsfahrt der damaligen Landesbischöfin Margot Käßmann stellte, da bei Alkoholkontrollen im Straßenverkehr keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden!)
Dass diese vorgebliche „Zeitung“ wenig Skrupel kennt, sich ihre „Informationen“ zu besorgen, kennt man spätestens seit dem Fall eines ehemaligen Klassenkameraden von mir, der sich Ende der 1970er-Jahre plötzlich verhaftet und als „Vampir von Sachsenhausen“ in den Schlagzeilen dieses Schmutzblatts wiederfand: Hier sind vorgebliche „Reporter“ sogar in die polizeilich versiegelte Wohnung des Betroffenen eingebrochen, um an private Bilder zu gelangen, die anschließend in diesem Blatt präsentiert wurden, und um den „Tatort“ beschreiben zu können! (Dass auch das „links-alternative“ Blatt Pflasterstrand diese Geschichte in vergleichbarem Stil ausschlachtete, bevor sich sämtliche Anschuldigungen als haltlos herausstellten, sei hier nur am Rande erwähnt …)
Es wird hier also in einer bisher kaum gekannten und zudem widerlichen Aktion ein Prominenter öffentlich vorgeführt, für den eben diese Unschuldsvermutung zu gelten hat, und das mit ziemlicher Sicherheit mithilfe wenigstens einzelner Beamter der ermittelnden Behörden, die seinen Namen publik gemacht hatten! Umso erstaunlicher ist es, dass beim Deutschen Presserat bisher keinerlei Beschwerden über eine verfehlte oder überzogene Berichterstattung einzelner Medien oder journalistische Verhaltensweisen vorliegen. Wenigstens hat sein Anwalt inzwischen Strafanzeige gegen die ermittelnden Behörden gestellt.
Aber jeder liest die „Zeitung“ (und die Blogs), die er verdient (und intellektuell verkraften kann). „BILD dir deine Meinung“? Irrtum! Hier (und nicht nur in diesem Blatt!) wird Meinung vorgekaut und wieder ausgespien, die ihre Leser nur noch zu sich nehmen und verdauen müssen. Und warum sollten einzelne Blogger einen besseren Magen haben?
Mahlzeit!
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We Choose the Moon
Donnerstag, 4. Februar 2010 von Ronald.
Vor etwas mehr als 40 Jahren betraten die ersten Menschen im Zuge der Mission Apollo 11 den Mond. Man kann zu dieser Aktion stehen, wie man will, zum Beispiel auch durchrechnen, was man mit all dem Geld, das dafür ausgeben wurde, anstellen könnte. John Wilford berechnet in seinem Buch „Der Mensch verlässt die Erde“ aus dem Jahre 1969 die Gesamtkosten mit 23.915,9 Millionen US-$, andere Quellen sprechen von 25 Milliarden Dollar.
Allerdings wäre ohne die Mondlandung die fantastische Website „We Choose the Moon“, die die NASA zu diesem Jubiläum kreiert hat und die die Reise zum Mond fast in Echtzeit digital nachempfindet, nicht möglich gewesen!
Der originale Funkverkehr, zusätzliche Fotos und Videos sorgen im Rahmen eines hervorragenden Screen-Designs für ein hohes Gefühl von Authentizität. So wird Geschichte lebendig — zudem ist dieser Auftritt ein Meilenstein für gelungene und zukunftsweisende Websites! Wer all die Funktionen nutzt, sitzt für Stunden gebannt vor seinem Bildschirm, garantiert! Und wer die gesamte Reise von Apollo 11, die mindestens gute Englischkenntnisse voraussetzt, mitgemacht hat, kann sich zur Belohnung sogar ein Diplom ausdrucken.
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