Archive for the ‘Information und Medien’ Category

Der Mörder ist immer der Gärtner

Montag, Oktober 25th, 2010

„Der Mörder ist immer der Gärtner“, sang Reinhard Mey 1971 in seinem gleichnamigen Lied, mit dem er schon damals Stereotypen in Kriminalromanen und deren Verfilmungen parodierte. Für viele heutige Autoren und Drehbuchschreiber von Kriminalfilmen scheint der zum geflügelten Wort gewordene Titel aber immer noch Vorbild zu sein, allerdings in einer modernisierten und zeitgemäßeren Form.

Es vergeht kaum eine Fernsehserie im Angebot der Kriminalfilme, in der es früher oder später eine Folge gibt, in der das, was damals der Gärtner sein sollte, hier und heute durch Umweltaktivisten, Biobauern, Nahrungsmitteltester, Wirtschaftskritiker oder Ähnliche ersetzt wird, wie zuletzt wieder einmal im „Tatort“ in der Folge „Borowski und eine Frage von reinem Geschmack“ vom 24. Oktober 2010 zu beobachten war.

Nachdem solche Berufs- oder Gesinnungsgruppen in inzwischen viel zu oft gesehenen einschlägigen Krimis von deren Autoren wiederholt zuerst zu hochgradig Verdächtigen geschrieben werden, stellt sich im Lauf der Ermittlungen jedoch regelmäßig heraus, dass sie mit dem vorangegangenen Unheil überhaupt nichts zu schaffen hatten. Wahrscheinlich will man dann doch nicht zu „politisch inkorrekt“ werden, und in dieser Hinsicht stellt sich eine weitere Gemeinsamkeit zwischen unserer heutigen Krimiserienlandschaft und Meys Lied her, in dem es letztendlich der Gärtner ja auch nicht war („… man lernt eben täglich dazu.“).

Manchmal wünscht man sich geradezu, dass solche Schreiberlinge einem Mord zum Opfer fallen, etwa dem eines Filmproduzenten oder Programmchefs … oder eines Gärtners …

(Zum Nachlesen: der komplette Text von „Der Mörder ist immer der Gärtner“ auf Reinhard Meys Internetauftritt)

Kennen Sie BOOK?

Freitag, Oktober 1st, 2010

Kennen Sie schon BOOK? Nein? Diese Erfindung ist so genial (einfach), dass man sich fragt, warum sie nicht schon früher gemacht wurde:

Der neue Programm-Chef

Mittwoch, September 15th, 2010

Nachdem sich der Betreiber dieser Notizen bereits mehrmals über Werber und Marketer lustig gemacht hat, so in „MySchwachSinn“, „Würfel Zucker“, „Der ADC und Schlingensief“ und nicht zuletzt in „Reklame“, wird es doch auch einmal Zeit, ein zumindest in seinen Augen gelungenes Resultat der ach so „kreativen“ Arbeit dieser Fachleute vorzustellen!

Vor nicht allzu langer Zeit fand er nämlich in seinem Briefkasten ein im Stil einer Zeitung in etwas vergrößertem Tabloid-Format gehaltenes 8-seitiges Faltblatt, das den Titel „Prime Times“ trägt. Den Aufmacher stellte die Schlagzeile „Ronald M. F[…] neuer Programm-Chef“ mit der Unterüberschrift „Er revolutioniert das Fernsehen“ dar. Weitere Überschriften waren etwa: „F[…] schmeißt mehrere Vereine aus der Liga!“ und „‚Bayern spielt bei mir nur im Garten!‘“, auf Seite 2 hieß der Aufmacher „Ronald M. F[…]: ‚Selbst die Bayern tanzen nach meiner Pfeife!‘“ *

Das Ganze war natürlich auch mit Bildern versehen! So stand unter dem Foto des Aufmachers mit jubelnden Bayern-München-Spielern: „Bundesliga-Vereine begrüßen neuen Programm-Chef!“, ein weiteres Bild, das einen gegen einen Trainer oder einen Spieler die Rote Karte zeigenden Schiedsrichter zeigt, hatte den Titel: „Neuer Programm-Chef greift durch: Welcher Verein muss gehen?“ Sogar ein Horoskop findet sich im Blatt! Unter seinem Sternzeichen findet der Angesprochene, er sei „eine Frohnatur, die einfach nichts aus dem Spiel wirft. Bleiben Sie weiter am Ball!“

Hahaha, köstlich! Das mit den Bayern, die „bei mir nur im Garten“ spielen, war besonders gut!

Dagegen findet der Angesprochene, dass das Bild der Bayern-Mannschaft in einem anderen Zusammenhang weniger gelungen ist, meint er doch, dass stattdessen eine bestimmte andere jubelnde Mannschaft, nämlich die seiner Heimatstadt gezeigt werden sollte, die zudem auch schon hin und wieder die Bayern bezwungen hatte!

Bei näherer Betrachtung stellte sich diese „Zeitung“ zwar als eine personifizierte, eigens für ihn gedruckte Werbung seines Telefon- und DSL-Anbieters für dessen Unterhaltungs- und Fußballpaket heraus, allein der auf den Doppelseiten 6 und 7 platzierte Aufmacher „Ronald M. F[…]: ‚Alles läuft genau so, wie ich es will!‘“ ist doch zu schön, um wahr zu sein! *

Aber dazu muss er wohl wirklich auf dieses Paket zurückgreifen …

* Vollständiger Name dem Verfasser bekannt.

People are Strange

Samstag, August 7th, 2010
When you’re strange, faces come out of the rain, when you’re strange. No one remembers your name, when you’re strange, when you’re strange.

(aus „People are Strange“, Words & Music by: The Doors)

Auch fast vierzig Jahre nach dem Tod von Jim Morrison haben The Doors und ihre Musik nichts von ihrer Anziehungskraft verloren: Angeblich verkaufen sie immer noch weltweit eine Million Tonträger pro Jahr. „Strange“ sind sie also keineswegs! Der neue Film „The Doors: When You’re Strange“ von Tom DiCillo versucht von Neuem, dieses Phänomen zu beleuchten.

Um es vorwegzunehmen: Für diejenigen, die zu deren „Lebzeiten“ schon Anhänger dieser Band waren, bietet dieser Film keine inhaltlichen Neuigkeiten, über die man nicht schon damals hätte verfügen können. Es kursierten auch ohne Internet reichlich Materialien, die für deren Fans von Interesse waren: Fotos (etwa von ihrem geheimen Auftritt auf dem Frankfurter Römerberg am helllichten Nachmittag), Kopien von Zeitungsausschnitten aus den USA (die übrigens schon damals belegten, dass Morrison während des legendären Auftritts in Miami keineswegs das Geschlechtsteil seines Gitarristen Robby Krieger in den Mund genommen hatte, weshalb er später auf der Bühne verhaftet wurde), Notenbücher mit Texten, natürlich „Bootlegs“ (illegale Konzertmitschnitte) bis hin zu einer inoffiziellen Biografie Morrisons des rührigen Ulrich Heumann, bei dem man mittels Briefkontakt Informationen suchen und tauschen konnte. (Die ganzen „offiziellen“ Morrison-Biografen sind sich unterdes in vielen Punkten reichlich uneinig, besonders, wenn es um den Tod des Sängers geht!) Und dass Morrison mindestens zwei Gedichtbände veröffentlichte („An American Prayer“ und „The Lords and The New Creatures“, außerdem gibt es die posthum erschienen „Wilderness: The Lost Writings of Jim Morrison“) war wohl vielen bekannt. Zudem war der Doors-Konzertfilm „A Feast of Friends“ von Paul Ferrara aus dem Jahr 1970 bereits in „alternativen“ Kinos zu sehen, weitere folgten!

Der Grund, diesen neuen Film herzustellen, liegt wohl darin, dass das Interesse an dieser wegen Morrisons erotischer und gleichzeitig dämonischer Ausstrahlung und entsprechender Auftritte einst als „gefährlichste Band Amerikas“ bezeichneten Gruppe nicht nur immer noch da ist, sondern dass immer wieder jüngere Leute diese Musik erst neu entdecken. An diese richtet er sich wohl auch in erster Linie: Der weitaus größte Teil der Besucher der vom Verfasser besuchten Vorstellung bewegte sich altersmäßig von etwa Anfang bis Mitte zwanzig. Und es geht ziemlich offensichtlich darum, den Verkauf der Musik der Doors noch weiter anzukurbeln!

So interessant die neu aufgetauchten Foto- und Filmmaterialien von ihren Studioaufnahmen, Fernseh- und Bühnenauftritten sowie von Jim Morrisons eigenem Filmschaffen (das viel zu kurz kommt) aber auch sind: Es wird kein einziges Musikstück ganz ausgespielt, und sei es, dass nur wenige Sekunden zum Ende fehlen, als gälte es, möglichst viele im Film unterzubringen! Und anstatt den Film, der mit einem durch einen Windhauch verlöschenden Streichholz beginnt und endet, auch musikalisch „rund“ enden und etwa das fantastische „The Crystal Ship“ oder das düstere „End of the Night“ nach einem Gedicht von William Blake ausnahmsweise ganz ausgespielt den Abspann über durchlaufen zu lassen, knallt der Regisseur im Sekundentakt ein Stück an das andere!

Die von Johnny Depp gesprochenen Texte enden mit den Worten, dass nur ein Licht verlöschen kann, das vorher auch gebrannt hat. Jim Morrison mit The Doors, die ihm den idealen musikalischen Rückhalt gaben, hatten gebrannt, was man von dem Film nur sehr bedingt sagen kann. Aber immer noch besser, als sich den Spielfilm „The Doors“ von Oliver Stone anzuschauen (der von den verbliebenen Mitgliedern, allen voran vom Keyboarder Ray Manzarek übrigens heftigst kritisiert wurde), denn wenn es etwas gibt, dass sich der Verfasser weder vorstellen kann noch möchte, dann ist es, die Person Jim Morrisons durch einen Schauspieler dargestellt zu sehen!

Links zum Thema:
THE DOORS: WHEN YOU ARE STRANGE (offizielle deutsche Filmseiten, teilweise aber englisch)
The Doors (offizieller Internetauftritt, englisch)
Warner Music Germany - The Doors (deutsch)
The Doors bei MySpace Musik (englisch)
The Doors | Die offizielle Homepage
die Pforten der Wahrnehmung („die älteste deutsche Doors-Seite“)
The Doors: When You’re Strange – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors in Frankfurt

Suchanfragen Mai 2010

Samstag, Juni 26th, 2010

Neben den ganzen Suchanfragen zu Robert Enke, seiner Leiche und inzwischen vermehrt sogar nach deren Zustand (!) gab es im Mai auch wieder einige ziemlich lustige oder merkwürdige, die ich gerne kommentiere.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals zerstörend in eine Ehe eingegriffen zu haben, und eine oder einen „bewo“ kenne ich auch nicht. Daher stehe ich einer Anfrage nach „bewo hat meine ehe zerstört“ doch etwas ratlos gegenüber, zumal ich bei einer eigenen Suche nach „bewo“ als Ergebnisse u. a. zwar eine Betongesellschaft (Partner/-in in Beton gegossen?), einen Elektrogroßhändler (Stromschlag?), eine Immobiliengesellschaft (durch Hausbau völlig verschuldet?), eine Metallbaufirma (vom Balkon gestürzt?) und Vereine und Adressen für begleitetes oder betreutes Wohnen finde (keine oder zu kurze Besuchszeiten?), aber hier leider nichts, was darauf verweisen könnte.

Einfach schön ist die Suche nach „chinesen in bornheim frankfurt jazz“! Sucht da jemand nach chinesischen Jazzern aus dem Frankfurt Stadtteil Bornheim? Also, ich kenne keine. Ich wusste noch nicht einmal, dass es überhaupt chinesische Jazzer gibt! Und dann in „Bernem“, wie dieser Stadtteil auf Frankfurterisch heißt. Man lernt nie aus …

Ein paar „erotische bars in frankfurt“ würde ich eventuell schon kennen, aber hier findet man sicher keine Adressen! Ich könnte Ihnen aber vielleicht welche ins Ohr flüstern …

Die „gehaltsstruktur dfb angestellte“ würde mich zwar auch brennend interessieren, aber hierbei kann ich leider auch nicht mit näheren Auskünften dienen. Wenn Sie sie herausgefunden haben, können Sie sie mir ja mitteilen.

Die Frage, „hat kachelmann jemand auf die füsse getreten“, lässt sich von hier aus schwer beantworten. Ich fürchte aber, dass es da so eine Dame gibt … Und zu „kachelmann vergewaltigung wikipedia“ würde ich doch einfach gleich dort nachschauen.

Bei „leipzig gr%c3%bcnderzeit [=Gründerzeit]“, „luftaufnahmen bonn“, „luftbild oberrohr“ muss ich leider komplett passen: Der Verfasser sitzt in Frankfurt am Main! Und eine „philipp mi%c3%9ffelder [=Mißfelder] unterschrift“ besitze ich auch nicht. Hättense jern, wa?

Als sie „stülpte ihren kleinen mund über [=über] seinen steifen schwanz“, hat es hoffentlich Spaß gemacht! Aber über so etwas würde ich doch (hier) nie schreiben …

Bei solch exotischen Anfragen nach [sic!] „каÑ%80Ñ%82Ñ%8b миÑ%80а“, „ñîöèàëüíàÿ çàùèòà“ und „õðèñòèàíñêèå ñàéòû“ muss ich mich jedoch völlig geschlagen geben und kann nur viel Glück wünschen!