Archiv der Kategorie Leben und Arbeiten
Offener Brief an Roland Koch
Donnerstag, 21. Januar 2010 von Ronald.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Nachdem Sie als solcher bereits vor sieben Jahren, als es bundesweit noch eine rot-grüne Regierung gab, forderten: „Arbeit statt Stütze, Sprungbrett statt Hängematte“, haken Sie nun, wohl auch in Ihrer Eigenschaft als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, nach: „In Deutschland gibt es Leistungen für jeden, notfalls lebenslang. Deshalb müssen wir Instrumente einsetzen, damit niemand das Leben von Hartz IV als angenehme Variante ansieht. Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch niederwertige Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung.“ Und weiter: „Politik muss die notwendige Härte haben, solche fordernden Elemente einzuführen und durchzusetzen, weil sie die Gegenleistung für eine sehr großzügige Unterstützung der Bürger und Steuerzahler sind.“
Zunächst einmal, Herr Koch: Ich „empfange“ nicht „Hartz IV“! So wurde diese Reform genannt, die zum Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt führte (erinnern Sie sich?), sondern Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II), hier: Arbeitslosengeld II. Wenn ich Hartz IV bzw. die Hartz-IV-Reform empfangen könnte, ich würde sie ausschalten oder zurückschicken! Auch wenn sich die Bezeichnung „Hartz-IV-Empfänger“ im Volksmund und bedauerlicherweise inzwischen selbst in den seriösen Medien durchgesetzt hat, sollten gerade Sie als Politiker zur korrekten Wortwahl greifen, um sich nicht Inkompetenz vorwerfen zu lassen!
Wie Sie diese „Leistungen“ als „eine sehr großzügige Unterstützung“ bezeichnen können, ist mir schlicht rätselhaft! Im Gegensatz zu Ihrem Parteikollegen von der CDU Herrn Philipp Mißfelder, der meinen Eintrag „Soziokulturelles Leben mit Arbeitslosengeld II“ vermutlich gelesen hat (siehe „Danke, Herr Mißfelder …“), war dies bei Ihnen wohl nicht der Fall (oder etwa doch?). Zudem sollte Ihnen als Jurist und wenn Sie schon ein solches Thema ansprechen bekannt sein, dass ich auch ohne Ihren Vorstoß verpflichtet bin, jede zumutbare Arbeit anzunehmen, andererseits drohen empfindliche Sanktionen bis hin zur kompletten Streichung der Leistungen, wonach ich mich mit vielen anderen, die auch aus anderen Gründen davon betroffen sind, auf der Straße und unter Brücken wiederfinden werde. „Fordernde Elemente“ müssen Sie also keineswegs einführen, das Programm dieser Reform steht bereits unter der Überschrift „Fördern und Fordern“! Dass meiner Erfahrung nach der zweite Teil inzwischen bei Weitem überwiegt, vermerke ich hier nur am Rande.
Da ich aber arbeiten möchte, frage ich Sie, woher Sie neue Arbeitsplätze nehmen wollen bzw. wie und wo Sie diese einzurichten gedenken. Mir scheint, dass Sie Opfer einer (weiteren) Inkompetenz, nämlich einer völligen Verkennung der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt sind.
Sagen Sie nun bitte nicht: Durch den erneuten Ausbau des Frankfurter Flughafens werden neue Arbeitsplätze geschaffen! Von den vor dem Bau der Startbahn West prognostizierten 4000 neuen Arbeitsplätzen sollen es m. W. noch nicht einmal 400 gewesen sein, die nach der Fertigstellung dabei herauskamen. Für mich wie für die meisten Arbeitssuchenden war leider keiner dabei! Vom zusätzlichen Fluglärm wollte ich in diesem Zusammenhang eigentlich schweigen, wenn nicht bekannt geworden wäre, dass Sie im Zug der erneuten Erweiterung Ihr „Unser Wort gilt!“ betreffs des Nachtflugverbots bereits gebrochen haben! Meinen Sie denn wenigstens diesmal, dass ich dort einen dauerhaften Arbeitsplatz finden würde, auch wenn absehbar ist, dass die Region infolge des Fluglärms einen Bevölkerungsschwund und -wandel wird hinnehmen müssen?
Aber vielleicht kann ich Sie im Zusammenhang mit der „sehr großzügige(n) Unterstützung“ auf den Schwarzgeld-Skandal und die Spendenaffäre Ihrer Partei von vor zehn Jahren ansprechen. Sie hatten damals „brutalst mögliche Aufklärung“ versprochen (und auch nicht eingehalten!). Ich meine: Hammse davon nicht noch ‘n bisschen was übrig?
Ich würde dann eventuell auch darüber hinwegsehen, dass Sie als Jurist die Verfassung des Landes Hessen offensichtlich nicht kennen, auf die Sie als Ministerpräsident Ihren Amtseid geschworen haben und die im Artikel 59 die Unentgeltlichkeit von Schul- bzw. Hochschulunterricht verlangt, als Sie Studiengebühren einführten.
In freudiger Erwartung Ihrer Antwort

Quellen:
Wirtschaftswoche vom 16. Januar 2010: „CDU-Vize Koch fordert Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger“ von Henning Krumrey und Roland Tichy
Frankfurter Rundschau vom 17. Januar 2010: „Wiedergänger aus Wisconsin“ von Karl Doemens, erschienen am 18. Januar auf Seite 5 der Druckausgabe
Ministerpräsident Roland Koch: „Politik muss die notwendige Härte haben“ vom 18. Januar 2010
Bundesministerium der Justiz: Sozialgesetzbuch (SGB) Zweites Buch (II)
Verfassung des Landes Hessen, Artikel 59
Wikipedia: Roland Koch: Politik und CDU-Spendenaffäre: Die Spenden der Hessen-CDU
Zwar nicht zum Thema gehörend, doch nicht uninteressant:
YouTube: Roland Koch über die (von ihm lancierte) Entlassung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, Teil 1 und Teil 2 (viel Geduld und die Fähigkeit, zwischen den Zeilen hören zu können, mitbringen!)
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Die besten Wünsche
Donnerstag, 24. Dezember 2009 von Ronald.
An alle, die mir für 2009 die besten Wünsche gesendet haben: Das hat überhaupt nix gebracht!
Schickt für 2010 bitte entweder Geld, Alkohol, Schokolade oder Benzingutscheine.
(Aus den elektronischen Weihnachts- und Neujahrsgrüßen meines Bruders. Da ich selbst mit Benzingutscheinen nichts anfangen kann, würde ich die Wünsche für mich um „eine Frau“ ergänzen wollen, sogar mit „eine bestimmte Frau“, denn ich weiß sehr genau, um wen es sich dabei handelt und wen ich einfach nicht vergessen kann …)
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Der leere Topf
Dienstag, 15. Dezember 2009 von Ronald.
Der Professor und der Blumentopf
Ein Professor stand vor seiner Philosophieklasse und hatte einige Gegenstände vor sich. Als der Unterricht begann, nahm er wortlos einen großen, leeren Blumentopf und begann diesen mit Golfbällen zu füllen. Er fragte nun, ob der Topf voll sei. Die Studenten bejahten es.
Dann nahm der Professor ein Behältnis mit Kieselsteinen und schüttete diese in den Topf. Er bewegte den Topf sachte und die Kieselsteine rollten in die Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu.
Der Professor nahm als Nächstes eine Dose mit Sand und schüttete diese in den Topf. Natürlich füllte der Sand den kleinsten verbleibenden Freiraum. Er fragte wiederum, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten einstimmig mit „Ja“.
Der Professor holte zwei Dosen Bier hervor und schüttete den ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Die Studenten lachten.
„Nun“, sagte der Professor, als das Lachen langsam nachließ, „ich möchte, dass Sie diesen Topf als die Repräsentation Ihres Lebens ansehen.
Die Golfbälle sind die wichtigsten Dinge in Ihrem Leben: Familie, Kinder, Gesundheit, Freunde, Glaube. Wenn in Ihrem Leben alles andere verloren ginge und nur noch das bleiben würde, wäre Ihr Leben trotzdem noch erfüllt.
Die Kieselsteine symbolisieren solche Dinge wie zum Beispiel: Arbeit, Haus, Auto, Urlaub, Hobbys. Und der Sand steht für alles andere, die Kleinigkeiten in Ihrem Leben. Entscheidend ist: Es kommt auf die Reihenfolge an!
Falls Sie zuerst den Sand in den Topf geben“, fuhr der Professor fort, „reicht der Platz nicht mehr für alle Kieselsteine! Von Golfbällen ganz zu schweigen …
Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Lassen Sie den Kleinkram nicht die Überhand gewinnen in Ihrem Terminkalender und in Ihrem Leben.
Redet mit euren Freunden! Schaut auf eure Gesundheit! Nehmen Sie sich Zeit für eine medizinische Untersuchung! Spielt mit euren Kindern! Führen Sie Ihren Partner zum Essen aus! Es wird immer noch genug Zeit bleiben, um Ihre Pflichten zu erledigen!
Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind! Setzen Sie Prioritäten!“
Einer der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren soll.
Der Professor schmunzelte: „Ich bin froh, dass Sie das fragen. Es ist dafür da, Ihnen zu zeigen, dass, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es immer noch Platz für ein oder zwei Bierchen gibt. Der Rest ist nur Sand.“
(Verfasser unbekannt, gesehen bei Myspace-Blog von Regenbogen)
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Fünfundfünfzig
Donnerstag, 27. August 2009 von Ronald.
Fünfundfünfzig seit diesem Jahr:
Mir wird nicht angst und bange.
Und fehlt auch schon so manches Haar,
Braucht Tod, hoff ich, noch lange!
Ob Alter schützt vor Torheit nicht,
Ob alters wird man weise:
Ich weiß, ich bin nur kleines Licht,
Und wurde doch nicht leiser.
Ich wurd’ lediglich gelassen,
Reg nicht so oft mich auf.
Leben und leben lassen,
Das Leben folgt dem Lauf.
Bin als immer noch alleine,
Sehn oft mich nach ‘ner Frau.
Doch lebt sich’s auch mit keiner,
Denn meist ich mich nicht trau.
Fantasien noch und Träume,
Manch Ding noch will ich haben.
Doch trenn ich von dem Schäumen
Die solchen, die mich laben.
Andrerseits muss ich mich trennen
Ein Tags von alldem hier.
Manch Ding muss ich nicht kennen
Zu weitren Lebens Zier.
Auch ‘ne Arbeit wäre fein,
Nicht groß und nicht für lau.
Verkauft will ich nicht sein,
An Arbeit nicht noch Frau!
Gut Gesundheit wär mir recht.
Der Rauch mir trotzdem schmeckt,
Von Wein denk ich nicht schlecht
Und Bier wird nie versteckt.
Fünfundfünfzig seit diesem Jahr.
Wie viele noch dazu?
Doch eines wurd’ mir klar:
Der Deckel fällt wann zu!
Nein, nicht endlos ist mein Leben,
Das weiß ich jetzt bestimmt.
Benahm mich oft daneben
Und hoff, der Rest gelingt.
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Faites vos jeux!
Dienstag, 18. August 2009 von Ronald.
Eines Tages in Deutschland: Man stelle sich einmal vor, dass Angestellte einer Bankfiliale, denen gekündigt wurde, ihre Kasse leeren, indem sie Kunden mit Barschecks versorgen, Beschäftigte eines Supermarktes, der geschlossen werden soll, systematisch dessen Waren verbrauchen, Busfahrer an ihrem letzten Arbeitstag vor der Entlassung so lange durch die Stadt fahren, bis das Benzin zu Ende geht, arbeitslose Schauspieler eine Bühne besetzen und Texte aus sozialkritischen Stücken vortragen …
Alles nur geträumt? Nein, nicht ganz: vorhin im Radio gehört. Im Hörspiel „Faites vos jeux“ von Hannah Hofmann und Sven Lindholm, einer Produktion von Deutschlandradio Kultur 2009 unter der Regie der Autoren.
Wenn man die Meldung der Frankfurter Rundschau von 31. Juli 2009 liest, nach der amerikanische Banken, deren Rettung erst kürzlich durch staatliche Unterstützung gesichert wurde, schon wieder dazu übergegangen sind, Boni an ihre Manager auszuschütten (die teilweise die Summe der Unterstützung übertreffen!), stellt es doch eine echte Alternative dar, wenn Menschen gegen die Verhältnisse antreten, in deren Dienst sie stehen, indem sie die betriebsinternen Ressourcen erschöpfen oder zumindest zur Neige bringen, bevor man sie auf die Straße setzt!
Was muss eigentlich noch geschehen, bis die Betroffenen den Aufstand proben? Beispiele lassen sich doch bestimmt für jeden finden, dessen Arbeitsplatz bedroht ist! Machen Sie Ihr Spiel, faites vos jeux …
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Streben
Samstag, 11. Juli 2009 von Ronald.
Das ist ein Jagen auf dieser Erden
nach Rang und Würden und gleißendem Schein.
Im hitzigen Fieber, etwas zu werden,
versäumen die Toren, etwas zu sein.
(Oskar Blumenthal, zitiert nach Ludwig Reiners (Herausgeber): Der ewige Brunnen)
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