Mehr Interesse an Statistiken als an Menschen

Wie die Jobcenter ein Leiharbeitsbranchenförderprogramm betreiben Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech. (Kurt Tucholsky in: Die Weltbühne, 14. Oktober 1930, Seite 597) Nun haben wir es also amtlich: Der Bundesrechnungshof bescheinigt der Bundesagentur für Arbeit (BA), dass sie mehr Interesse an Statistiken als an den zu betreuenden Menschen hat. Es wird inzwischen nur noch in Zeitarbeit, sinnfreie Arbeitsgelegenheiten oder Bewerbungstrainings vermittelt. Die Mitarbeiter der Jobcenter müssen eine Vermittlungsquote erfüllen. Als hätten wir, … Weiterlesen

Jobs

Von der Verwendung eines Worts Wir leben in einer Zeit der Konkurse und Firmenschließungen. Ein Unternehmen kann, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr weitergeführt werden. Dahinter stehen immer auch Arbeitsplätze, die verloren gehen: Oft langjährige Mitarbeiter stehen in Zukunft auf der Straße. Dahinter wiederum steht persönliches Leid. Ist die Verwendung des Worts „Jobs“ in diesem Zusammenhang gerechtfertigt? Im Zusammenhang mit Firmenschließungen ist häufig vom umgangssprachlichen und laxen Wort „Job“ die Rede: „verlieren ihre Jobs“, „stehen Jobs auf dem Spiel“ usw., so gelesen z. B. im Journal Frankfurt im Zusammenhang mit … Weiterlesen

Favorite Armutsrisiken in Deutschland

Der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung Not ist nicht bloß eine Gefahr, sondern sie ist eine Unfreiheit für den, der sie leidet. Eben deshalb ist ihre Beseitigung nicht mehr bloß Sache des Einzelnen, sondern der Gemeinschaft. (Gerhard Schröder, ehemaliger Bundesinnenminister, bei der Einführung des Bundessozialhilfegesetzes 1962, zitiert nach „Ein Leben in Würde — mit Hartz IV?“ auf NDR Info anlässlich einer WISO-Themenwoche) Ein gerechtes Maß ökonomischer und sozialer Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger ist Grundvoraussetzung für sozialen Frieden und eine lebendige Demokratie. (Seite I des Berichts) Der mit Stand vom … Weiterlesen

Junge Alte

von Cornelia Tiedemann Die Tür ist fest verschlossen, der Raum ist still und leer. Die Arbeit macht verdrossen, die Stille lastet schwer. Von draußen kommt ein Lachen durch Türritz oder Wand. Es warten tausend Sachen, die Nerven sind gespannt. Kollegen, die erzählen, genaues hört man nicht. Man kann es sich nicht wählen, das Alter des Gesichts! Gehört man zu den Alten, ist zu melden nicht mehr viel, man muss nur stumpf aushalten — die Rente ist das Ziel! Ideen soll man nicht bringen, denn das ist unbequem, man soll nur … Weiterlesen

Fachkräftemangel?

Seit Langem beklagen deutsche Wirtschaftsunternehmen einen gravierenden Fachkräftemangel. Auf der einen Seite. Auf der anderen suchen jedoch beispielsweise Elektro-Ingenieure, Diplom-Chemiker oder IT-Spezialisten händeringend eine Stelle. Was ist dran am Fachkräftemangel? Seit Langem beklagen deutsche Wirtschaftsunternehmen einen gravierenden Fachkräftemangel. Ihr Ruf nach Spezialisten aus dem Ausland wird immer lauter. Auf der anderen Seite suchen jedoch beispielsweise Elektro-Ingenieure, Diplom-Chemiker oder IT-Spezialisten händeringend eine Stelle. Als „Fachkräftemangel“ wird ein Zustand bezeichnet, während dem Arbeitsplätze für Mitarbeiter mit speziellen Kenntnissen nicht besetzt werden können, weil solche Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden sind. … Weiterlesen

Favorite Was tun?

Über Sinn und Wandel menschlicher Arbeit Dein Leben war Arbeit. (Grabsteininschrift auf einem Berliner Friedhof, gezeigt in der Ausstellung) Wenn das Leben köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen. (Grabsteininschrift nach Psalm 90.10, gefunden bei Volker Hamp) Man hat Arbeit oder man hat keine. Eine Ausstellung im Frankfurter Senckenberg-Naturmuseum zeigte, dass sich unsere Arbeitswelt in den letzten Jahren rasant verändert hat und dass diese Veränderungen noch längst nicht abgeschlossen sind. Das bedeutet auch, dass wir unser Verständnis von „Arbeit“ überdenken müssen. Man hat Arbeit oder man hat keine. … Weiterlesen

Fördern und Fordern

Von während eines Beschäftigungsverhältnisses gezahltem Arbeitslosengeld II und anderen Widersprüchen Die Jobcenter machen seit der Hartz-IV-Reform mit ihrem Slogan „Fördern und Fordern“ von sich reden. Auch beim Autor. Zuerst fördern sie ihn mit „Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)“, obwohl er seit Wochen in einem Arbeitsverhältnis steht und sich davor ordentlich abgemeldet hat, und dann kommen sie mit Forderungen: Das zu viel überwiesene Geld soll zurückgezahlt werden! Dass sie sich dabei als so unfähig erweisen wie schon beim Fördern, das mag hier in einer Chronik der … Weiterlesen

Favorite Houdt de deur gesloten

„Houdt de deur gesloten, a.u.b./s.v.p.!“, so oder ähnlich steht es auf den Schiebetüren zwischen den Wagen der Nederlandse Spoorwegen, der Niederländischen Eisenbahnen: „Bitte die Türen geschlossen halten!“ Das kann man allerdings nur lesen, wenn die Türen geschlossen sind! Ein Zustand wie im wahren Leben: Man erkennt etwas erst dann, wenn es bereits eingetreten ist. Und man sieht das nicht, was man besser getan hätte … … Weiterlesen