Archiv der Kategorie Lyrik und Prosa
Leidenschaft mit Hindernissen
Sonntag, 31. Januar 2010 von Ronald.
Caroline ist glücklich mit ihrem neuen Freund. Gerade hatten sie „Shakespeare in Love“ im Kino gesehen und sind auf dem nächtlichen Heimweg. Sie gehen scherzend und flirtend die Straßen entlang und dann durch einen Park, umarmen und küssen sich dabei mehrmals, beide immer stärker erregt. Sie fühlt, dass sie von ihm leidenschaftlich begehrt wird, als er sie plötzlich von hinten umarmt.
Sie bekommt einen Schreck und überlegt gerade, ob sie womöglich gezwungen sein würde, um Hilfe zu rufen, wer weiß schon, was er vorhat, als sie seinen Mund fühlt, wie er sie zärtlich auf ihren Hals küsst und dabei seine Hände auf ihre Brüste legt. Beruhigt bringt sie ihren Kaugummi zum Platzen. Der stört vielleicht, beschließt sie, nimmt ihn aus ihrem Mund und lässt ihn zu Boden fallen.
Verstohlen wischt er sich die Reste der Blase von seiner Backe und gleitet mit seinem Mund auf ihrem Hals nach unten, bis ihn die Kapuze ihres Anoraks daran hindert, weiter zur Schulter zu gelangen.
Caroline schmilzt dahin. Sie liebt es, wenn er sie auf ihren Hals und ihre Schultern küsst. Sie drückt sein Gesicht mit einer Hand noch fester auf ihren Hals. Nach einer Weile vernimmt sie erstickte Geräusche.
Nach Luft japsend, nimmt er einen tiefen Atemzug, nachdem er seinen Kopf aus ihrem Griff befreit hat. Zwischen ihrer Hand, ihrem Hals und der Kapuze eingeklemmt, ist ihm die Luft etwas knapp geworden.
Caroline hört seine Atemstöße. Leidenschaft, vermutet sie wohlig erschaudernd, und fasst nach hinten. Sie fühlt, wie seine Hände auf ihren Brüsten ruhen, sie streicheln, er ihr liebevolle Worte ins Ohr flüstert und seine linke Hand langsam auf ihrer Flanke entlang nach unten und in ihre linke Jackentasche gleitet.
Feuchte Taschentücher, bemerkt er, als er mit einer Hand in ihre Jackentasche schlüpft, um sie auch mit ihrem Unterkörper näher an sich zu ziehen. Sie hatte während des Films vor Rührung mehrmals ausgiebig geschnäuzt und die Taschentücher danach in ihren Taschen verstaut, wie er sich erinnert. Unauffällig nimmt er eins nach dem anderen und lässt es zu Boden fallen, als er beim vorsichtigen Wegkicken merkt, dass er mit seinem Schuh an etwas kleben bleibt. Ein Kaugummi!
Caroline bemerkt, dass er mit einem Bein leichte ruckartige Bewegungen macht. Was hat er denn, fragt sie sich, und vernimmt ein Klimpern, das aus der Tasche ihres Anoraks kommt, in die er soeben erneut seine Hand schiebt.
Kleingeld, mindestens zehn Euro, darunter diverse Centstücke bis hinunter zu den Kupfermünzen, schätzt er. Durch das Entfernen der Taschentücher war es aus der Polsterung befreit worden und klimpert nun leise bei jeder ihrer Bewegungen. Behutsam befördert er es langsam in seine Hosentasche, während er nebenbei versucht, seinen Schuh vom Kaugummi zu lösen.
Caroline fühlt, wie seine Hand wieder in ihre Tasche gleitet und auf ihrem Unterleib zu liegen kommt, und schwenkt mit ihrem Unterkörper leicht nach rechts, damit er seine rechte Hand auch in ihre rechte Tasche stecken kann, obwohl sie es schade findet, wenn er seine Hände von ihren Brüsten nimmt, die gerade begannen, steif zu werden.
Sch…kaugummi, denkt er, und lässt seine rechte Hand langsam in ihre andere Jackentasche gleiten. Wenigstens scheint sie verstanden zu haben! Als er auch daraus ein oder zwei Taschentücher entfernt hat, klirrt auch dort etwas: ihr Schlüsselbund! Warum musste sie partout immer sämtliche Schlüssel an nur einen Bund hängen, schimpft er innerlich, und umfasst ihn fest, sodass er ohne weiter zu klimpern in seiner anderen Hosentasche landet, die noch nicht von all dem Münzgeld gefüllt ist.
Caroline spürt, dass sein linkes Bein immer noch zuckt, aber auch, dass ihr Unterkörper von seinen Händen langsam gegen seinen gedrückt wird und wie seine Hände sich ihren intimsten Zonen nähern, die eine immer stärkere Erregung verspüren. Er mag meinen Hintern, fällt ihr ein, drückt diesen fester an ihn und spürt etwas Hartes: sein Geschlechtsteil!
Er spürt etwas Hartes in ihrer Gesäßtasche. Hat sie etwa einen Vibrator dabei? Vorsichtig tastet er mit einer Hand dem Hindernis entgegen. Ihr Mobiltelefon, stellt er beruhigt fest, das sie nach dem Film wohl wegen Überfüllung ihrer Jackentaschen in ihre Hose gesteckt hatte, zieht es langsam heraus und steckt es in die Gesäßtasche seiner Hose, nachdem es ihm endgültig gelungen ist, seinen Schuh vom Kaugummi zu lösen.
Als Caroline wieder seinen Unterleib spürt, erschrickt sie, ihr Mobiltelefon völlig vergessend. War da nicht eben noch etwas Hartes? Hat er etwa plötzlich die Lust verloren, die ihr gerade kommt? Ich muss ihn wieder erregen, beschließt sie, und beginnt, mit ihrem großen Hintern, von dem sie wusste, dass er ihn wie auch ihre füllige Figur liebt, kleine kreisende Bewegungen nach rechts und links, nach oben und unten zu machen.
Verzweifelt will er eine Hand aus ihrer Jackentasche reißen, um seine locker gegürtete Hose festzuhalten, die durch den Zug des Kleingelds, des Schlüsselbunds, des Telefons und ihr Reiben droht, dem Gesetz der Schwerkraft zu folgen und zu Boden zu gleiten. Doch er fühlt, wie seine Hände in ihren Taschen festgehalten und auf ihren Unterleib gedrückt werden.
Vor sich langsam steigernder Erregung bekommt Caroline Panik. Erst ist das Harte verschwunden und jetzt will er mich da unten nicht weiterstreicheln? Sie beginnt, etwas lauter zu stöhnen und sich noch wilder zu bewegen, vielleicht erregt ihn das wieder! Da hört sie ein gedämpftes Klirren unter sich.
Nachdem er vergeblich versucht hatte, seine Hände, die sie mit eisernem Griff auf ihr Geschlecht presst, aus ihren Taschen zu ziehen, prallt seine Hose auf dem Boden auf. Münzen kullern in alle Richtungen.
Caroline erschrickt wieder, aber als sie zu Boden und dort seine Hose sieht, fühlt sie sich fast am Ziel ihrer Wünsche. Ich muss nun wohl in die Offensive gehen, rast es durch ihren Kopf, und dreht sich mit einem Ruck um. Dass an ihrem Anorak etwas reißt, vernimmt sie nur am Rande. Nimm mich, gurrt sie, und will ihn auf eine nahe gelegene Parkbank ziehen.
Mist, jetzt ist sie doch gerutscht! Aber bevor er seine Hände aus den aufreißenden Jackentaschen ziehen und sich bücken kann, um seine Hose wieder hochzuziehen, hat sie sich schon auf ihn gestürzt. Er verliert das Gleichgewicht und findet sich auf dem Boden wieder, Caroline halb auf sich liegend. Etwas knackst in seiner Gesäßtasche …
Nimm mich, fleht sie, und drückt ihren Mund fest auf seinen, während sie mit einer Hand seinen Schwanz streichelt. Noch immer so klein, fragt sie sich, und knetet fester. Als sie hört, dass er zu sprechen versucht, stülpt sie ihre Lippen noch fester auf seinen Mund. Sie möchte es, hier und jetzt, und beginnt ihre Hose zu öffnen.
Autsch, das tut weh, versucht er ihr mitzuteilen, doch ihr Mund und ihre Zunge, die in seiner Mundhöhle bohrt, hindern ihn daran. Außerdem fühlt er, wie sich das Bier während des Films durch einen langsamen Harndrang bemerkbar macht, und versucht sie von sich zu drücken.
Hiergeblieben und Ruhe jetzt, denkt Caroline in ihrer Leidenschaft, hält den zappelnden Körper unter sich fest und küsst und knetet weiter. Dabei fühlt sie, wie ihre Brüste durch die Reibung wieder hart werden, nur bei ihm ist nichts dergleichen der Fall! Sie schwingt sich mit inzwischen heruntergezogener Hose ganz auf ihn und ruckelt auf und ab. Irgendwann muss es ihm doch auch kommen …
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Verlangen
Freitag, 25. Dezember 2009 von Ronald.
Mein Auge sieht sie noch vor mir,
die Jacke auf dem Gang,
träum’ Träume immerfort von ihr
und keiner weiß, wie lang.
Büro gestrichen hätte ich
mit Rosa, Himmelblau,
und kenn’ doch ihren Namen nicht,
weiß nichts von dieser Frau.
Die Stimme klingt mir noch im Ohr,
ihr Lächeln schaut mich an.
Geliebt wär sie wie nie zuvor
und ich so gern ihr Mann.
Ein Zettel war’s und klein dafür
mit Gruß und Name drauf,
doch fand sie ihn vor ihrer Tür
und hebt ihn auch noch auf?
Verlangen hat hier viel Figur
und Blicke voller Heiterkeit.
Verlangen ist es ohne Kur,
geheilt nur von der Zeit.
Verlangen ist es, Wünsche pur,
ein Hafen für die Sinnlichkeit.
Ein Sehn, ein Wort, die Stimme nur
wär’n Liebe für die Ewigkeit.
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Nikolaus
Samstag, 5. Dezember 2009 von Ronald.
Und packt der liebe Nikolaus
heut’ seine große Rute aus,
steckt dich gar in seinen Sack,
dann warst nicht brav, ja so ein …!
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Kommt
Dienstag, 3. November 2009 von Ronald.
Kommt, reden wir zusammen,
wer redet, ist nicht tot,
es züngeln doch die Flammen
schon sehr um unsere Not.
Kommt, sagen wir: die Blauen,
kommt, sagen wir: das Rot,
wir hören, lauschen, schauen,
wer redet, ist nicht tot.
Allein in deiner Wüste,
in deinem Gobigraun —
du einsamst, keine Büste
kein Zwiespruch, keine Fraun,
und schon so nah die Klippen,
du kennst dein schwaches Boot —
kommt, öffnet doch die Lippen,
wer redet, ist nicht tot.
(Gottfried Benn, 1955; siehe dazu auch Robert Gernhardt: „Wie arbeitet der Lyrikwart? Gottfried Benn wird verbessert“!)
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Der poussierte Gast 3
Dienstag, 27. Oktober 2009 von Ronald.
Grabsteine trag ich auf dem Kopf
und wasserhaltig ist mein Leib.
Den alten Adam zieh ich aus
zwölfmal pro Tag zum Zeitvertreib.
Ich stecke bis zum Heft im Licht
und dennoch spring ich durch mein Maul
und trage Eulen nach Athen
und spanne mich vor meinen Gaul.
Lebwohl viel hund- und katzenmal.
Ich folge einem Zug der Zeit
inkognito mit Blei verglast
zum Spiritus der Heiterkeit.
Privaten Kampfer menge ich
mit dem Holundermark der Zeit
und klimm am Mast- und Segeldarm
endgültig in die Ewigkeit.
(Hans Arp, * 1886, † 1966, deutsch-französischer Maler, Bildhauer und Lyriker des Dadaismus, zitiert aus Hans Richter: DADA — Kunst und Antikunst, Köln 1973)
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