Persepolis
oder Ein Film und die Zukunft eines Landes
Vor ein paar Tagen hat sich der Autor den Zeichentrickfilm „Persepolis“ nach der gleichnamigen grafischen Novelle der gebürtigen Iranerin und jetzt in Frankreich lebenden Marjani Satrapi angesehen und war beeindruckt von der Schilderung der iranischen (islamistischen) Revolution von 1979 aus der Sicht eines kleinen Mädchens. Der Film wurde kürzlich auch in Tunesien gezeigt — kurz vor einer für die Zukunft des Landes so wichtigen Wahl!
Der sehr berührende Film beschreibt die Freude vor allem iranischer Intellektueller nach der Vertreibung des letzten Schahs Reza Pahlewi und deren Zuversicht in die Zukunft, die nun freie Wahlen und Meinungsfreiheit bringen würde, und deren zunehmende Hoffnungslosigkeit sowie deren Verfolgung, Gefangennahme, Folterung und Ermordung nach dem Sieg der Islamisten unter Ayatollah Khomeini durch dessen „Wächter der Revolution“. Während deren islamistischer Diktatur werden innerhalb kürzester Zeit mehr Menschen getötet als unter der ganzen des Schahs. Die Geschichte wird aus der Sicht des am Anfang achtjährigen Mädchens Marji gezeigt, die mit ihrem Wunsch nach westlicher Musik und Jeans und ihrer Abneigung gegen das nun verordnete Tragen eines Kopftuchs ziemlich aneckt. Dabei hält sie mehrmals Zwiesprache mit Gott, der auch dargestellt wird, was im Islam verboten ist.
Laut einer Meldung von Julia Gerlach in der S-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 17. Oktober 2011 auf Seite 7 wurde dieser Film kürzlich auch im tunesischen Privatsender Nessma-TV gezeigt. Dort löste er allerdings am letzten Freitag heftige Proteste aus, die sich auch gegen den Fernsehsender und dessen Besitzer richteten, die nur knapp einem Angriff auf ihr Haus entkamen, obwohl sie sich für die Ausstrahlung und besonders für die Szenen mit Gott entschuldigt hätten. Die Demonstranten forderten die Anwendung islamischen Rechts. Allerdings fand in Tunis bereits zwei Tage später eine Art Gegendemonstration von Jugendlichen, Musikern und Künstlern statt, die u. a. forderten, dass Tunesien kein zweites Iran werden dürfe.
„Zufällig“ soll am kommenden Sonntag auch eine verfassunggebende Versammlung für Tunesien gewählt werden, die innerhalb eines Jahres eine neue Verfassung erarbeiten soll, die wiederum die Weichen für eine demokratische Zukunft des Landes stellen könnte. Dabei erhitzt die Frage, wie hoch der Stellenwert des Islam sein wird, die Menschen natürlich am meisten.
Sollte der Film „Persepolis“ in Tunesien doch nicht so ganz zufällig vor diesem für dieses Land so wichtigen Termin ausgestrahlt worden sein? Ein Schelm (oder ein Islamist?), wer Böses dabei denkt! Und könnte ein Film tatsächlich die Meinung der Menschen beeinflussen?
Wir werden verfolgen, was aus den Wahlen am kommenden Sonntag geworden ist …