Archiv der Kategorie Sport und Spiele

Sambafußball

Was gehen sie einem langsam auf die Nerven, weil sie ein jedes Spiel der brasilianischen Mannschaft vermiesen, sie praktisch verunglimpfen: die Reporter aus den Stadien und die sogenannten „Experten“ in den Studios!

Seit zwei Fußball-Weltmeisterschaften sollte es ihnen bekannt sein, dass die Brasilianer durch ihre Trainer ihr Spiel geändert haben: weg vom früheren „Sambafußball“, der zwar oft wunderschön anzusehen, doch lange reichlich brotlos war. Während ihrer schön spielenden Phase mit vielen Stars und Ballkünstlern zwischen 1974 und 1990 gelang ihnen kein Weltmeistertitel. Man denke nur an das WM-Spiel gegen Argentinien 1990, in dem die brasilianische Mannschaft pausenlos das gegnerische Tor belagerte, Torchance über Torchance hatte, aber der Ball einfach nicht ins Tor wollte, weil ein Tor „zelebriert“, der Ball quasi „ins Tor getragen“, „getanzt“ werden musste. Was folgte? Ein genialer Pass Maradonas auf Caniggia, der nur noch den brasilianischen Torhüter Taffarel ausspielen und einschieben musste. Und damit das Aus!

Und hin zu einem ergebnisorientierteren Spiel. Immer wieder gibt es vor einer anstehenden Weltmeisterschaft Berichte im Fernsehen oder Artikel in den Zeitungen, die die am Stand der teilnehmenden Mannschaften Interessierten darüber informieren, dass spätestens mit Dunga ein Trainer der Mannschaft vorsteht, der „erfolgreichen“ Fußball spielen lassen möchte, was allerdings auch in Brasilien auf wenig Akzeptanz stößt. Aber welcher Trainer stößt dort überhaupt auf Akzeptanz?

Trotzdem wird vonseiten der Reporter das brasilianische Spiel weiter bemäkelt. Es wird von dieser Mannschaft immer mindestens das Doppelte, wenn nicht gar das Drei- oder Vierfache der Leistung verlangt, die sie von anderen Mannschaften erwarten. Und „schön“ soll es dazu auch noch sein: eben „Sambafußball“!

Spieler der brasilianischen Fußballnationalmannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Schweden 1958 (Quelle: svt.se)

Schiebt etwa eine Mannschaft während der letzten Minuten eines Spiels den Ball nur noch in den eigenen Reihen hin und her, weil das Ergebnis für sie ausreicht, wird es jedem Team nach Sympathie als legale Möglichkeit zugestanden, den Brasilianern aber verübelt: Sie sind von den Reportern dazu verdammt, bis zur letzten Minute zu „zaubern“. Den Ball möglichst lange in den eigenen Reihen zu halten und ihn dort zu verteilen, bis sich eine Chance zum Angriff ergibt, ist bei anderen Mannschaften „Sicherheit“, bei den Brasilianern „Überheblichkeit“ oder „Ideenlosigkeit“. Den meisten Mannschaften wird ein nicht so gutes Spiel zugestanden, sofern sie die Sympathien der Sprecher und es gewonnen haben, bei der brasilianischen ist es „wenig überzeugend“ oder gar „enttäuschend“. Es wird mit zweierlei Maßstäben gemessen!

Und zur Erinnerung: Gerade während der Zeit des „jogo bonito“, des schönen Spiels, war die „seleção“, die Auswahl, unwillig und lustlos, wenn es sich um Spiele handelte, bei denen es um nichts (mehr) ging, etwa bei Freundschaftsspielen.

„Jogo bonito“: die brasilianischen Spieler Vavá, Gilmar, Garrincha und Moseir beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel in Schweden 1958 (Quelle: svt.se)

Liebe Reporter und Experten: Ihr seid nicht nur völlig desinformiert, wenn ihr noch nicht einmal die Sendungen eures eigenen Programms gesehen habt, die euch über den Wechsel des brasilianischen Spiels aufgeklärt hätten, wie z. B. im Fall von Béla Réthy und dem ZDF, sondern selbst ungeheuer arrogant und keineswegs vorurteilsfrei! Immerhin ist Brasilien Rekord-Weltmeister und hatte bisher als einzige Nation an allen Fußball-Weltmeisterschaften teilgenommen. Blitzt da etwa Neid hervor? Oder gar Missgunst? Oder im Fall des „Titanen“ Kahn als Experte im ZDF: Hat er seinen Lapsus im Endspiel der Weltmeisterschaft 2002 gegen eben diese noch nicht verarbeitet?

Verschont uns also bitte in Zukunft mit euren abwertenden Kommentaren und betrachtet die Brasilianer als eine Mannschaft unter vielen. Das Zeug zum erneuten Weltmeister haben sie auch ohne euch und ohne „Sambafußball“!

Robert Enkes Leiche

Seit ihrer Veröffentlichung gibt es immer wieder Suchanfragen, durch die Interessierte auf meine Notiz über den Tod von Robert Enke „Robert Enke †“ stoßen. Ob es mit der bald beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft zusammenhängt, ist schwer zu beurteilen, doch es ist auffällig, dass die Häufigkeit der Suchen kürzlich wieder zunahm. Erschreckend ist dabei jedoch, wie häufig und dass fast ausschließlich nach seinem Namen in Verbindung mit dem Wort „Leiche“ gefragt wird!

So hatte ich im Monat Mai drei Anfragen nach „robert enkes leiche“, vier nach „enke leiche“ und sage und schreibe 14 nach „robert enke leiche“. Wenn zwei Anfragen nach „handy bilder enke“ gehen, mag das noch harmlose Gründe haben, schließlich habe ich in meiner Notiz ein solches verwendet, aber spätestens dann, wenn, wie bereits früher geschehen, nach dem Zustand seiner Leiche gefragt wurde, fängt es an makaber und geschmack-, wenn nicht sogar pietätlos zu werden!

Sensations- und (verhinderte) Schaulust? Oder möglicherweise Anfragen von potenziell Suizidgefährdeten?

Es ist im Zusammenhang mit seinem Freitod auch darüber geschrieben worden, dass (zu ausführliche) Nachrichten über erfolgreiche Selbsttötungen Gefährdete geradezu zur Nachahmung anregen. Selbst wenn es also Bilder oder andere Informationen gäbe, sollten selbst unseriöse Sensationsjournalisten davon Abstand genommen haben, sie zu veröffentlichen. Und hier findet man sie erst recht nicht! Dass der Deutsche Presserat das Satiremagazin Titanic, dem bekanntlich nichts heilig ist, wegen mehrerer satirisch gemeinter Bilder inzwischen gerügt hat, dürfte genug verbreitet sein.

Freitod ist niemals eine Lösung, vor allem für die Angehörigen nicht und für solche, die etwa als Lokomotivführer unfreiwillig in diesen hineingezogen werden! Er schafft nur neues Leid.

Lassen wir Enke in Frieden ruhen und vielleicht daran denken, dass er in Südafrika sehr wahrscheinlich die Nummer eins im deutschen Tor gewesen wäre!

(Auszug aus den Suchanfragen für den Monat Mai 2010:

#Anfrag.: Suchbegriff

    4: enke leiche
    2: handy bilder enke
    2: leiche robert enke
    14: robert enke leiche
    3: robert enkes leiche
    2: titanic roberrt enke

Link zum Thema:
medienhandbuch.de: „Presserat rügt Titanic-Cartoons zu Enkes Suizid“)

Das große Eszett

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geriert sich gerne als (moralisches) Vorbild nicht nur für unsere Jugend. Er engagiert sich einerseits gegen Rassismus und Neonazismus, andererseits werden schon einmal spielende Angeber (oder umgekehrt), die den ausgestreckten Mittelfinger gegen das Publikum zeigen, oder unbequeme Torhüter aus dem erlesenen Kreis der Nationalmannschaft ausgeschlossen.

Weder eine Vorbildfunktion noch eine glückliche Hand beweist der weltweit größte Sportverband beim Bedrucken der Trikots der Spieler Stefan Kießling und Kevin Großkreutz, denn es scheint sich nicht bis zum DFB herumgesprochen zu haben, dass es, im Gegensatz zur Überschrift, kein großes Eszett gibt! Wie sonst ist es zu erklären, dass, wie vorhin im Spiel gegen Malta gesehen, ihre Namen darauf als „KIEßLING“ und „GROßKREUTZ“ angegeben werden, da doch „KIESSLING“ oder „GROSSKREUTZ“ in der Majuskelschreibung, falls diese denn unbedingt sein muss, korrekt wäre?

Da das SZ nur noch in Österreich gebräuchlich und wegen dessen nationalmannschaftlicher Nichtqualifizierung in keiner der Sprachen der während der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft vertretenen Länder vorhanden ist: Wie stellt sich der DFB vor, dass deren Namen von anderen Nationen entziffert und gesprochen bzw. geschrieben werden sollen, sofern ihre Träger an diesem Ereignis teilnehmen werden? Etwa „Kiebling“ und „Grobkreutz“?

Es soll hierbei kein Trost sein, dass dieser Fehler anscheinend nicht auszurotten ist und nicht nur der DFB darauf hereinfällt, auch dann nicht, wenn das große Eszett inzwischen in den internationalen Unicode-Zeichensatz für Computer aufgenommen wurde, obwohl es es eigentlich gar nicht gibt …

Public Viewing

Ein sportliches Großereignis steht in diesem Jahr wieder an: die Fußball-Weltmeisterschaft. Und damit das seit der von 2006 unvermeidliche Public Viewing!

Auch wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht Weltmeister werden wird, so sind wir doch seit Langem bereits Weltmeister in der Erfindung und im Gebrauch von (pseudo)englischen Wörtern, die es in der englischen Sprache entweder überhaupt nicht gibt oder in einem völlig anderen Sinn (und somit von uns falsch) verwendet werden. Es sei hier nur an Handy, Beamer, Slip, Wellness und das unsägliche Coffee to go erinnert. Dass wir unsere englischen Sprachkenntnisse bei Weitem überschätzen, sofern solche vorhanden sind, wäre ein anderes Thema …

Für alle, die es immer noch nicht wissen sollten: Public Viewing bedeutet im amerikanischen Englisch die öffentliche Aufbahrung einer Leiche, um von der Person Abschied nehmen zu können (siehe zum Beispiel das Suchergebnis bei LEO, dem deutsch-englischen Wörterbuch)!

Vincente Camuccini: Lamentation over the Corpse of Socrates (Quelle: Wikimedia Commons)

Wenigstens ist zu hoffen, dass unsere Fußballer nicht dementsprechend auftreten …

Robert Enke †

Posted using Mobypicture.com

Unfassbar! Mir fehlen die Worte …

Warum nur, Robert Enke?

(Gleichzeitig veröffentlicht auf Robert Enke † — MySpace-Blog von Ronald, wo sich reichlich Kommentare befinden.)