Archiv der Kategorie Sprache und Austausch
Würfel Zucker
Donnerstag, 26. August 2010 von Ronald.
Leerzeichen in Komposita
Neben den auch hier behandelten Binnenmajuskeln („MySchachSinn“) erobert eine andere schriftsprachliche Erscheinung zunehmend unser Leben: die Leerzeichen in Komposita. Diese Leerstellen in zusammengesetzten Wörtern können allerdings mehr als jene zu erheblicher Verwirrung beitragen: Soll der Text im Titel als Aufforderung verstanden werden, (mit) Zucker zu würfeln?
Die Anwender der „Deppenleerzeichen“, wie sie auch genannt werden, scheinen nicht darüber nachgedacht zu haben, wie missverständlich ihre Wortkreationen sein können. „Trink Wasser für Hunde“ scheint zunächst eine eindeutige Aufforderung zu sein, den lieben Tierchen das Wasser wegzutrinken. Wenn der Verfasser „Stadt Bücherei“ liest/hört, muss er irgendwie an „statt Bücherei“ denken, was die Erfinder solcher Wortkreationen wohl bewogen hat, anstatt in einem Buch über korrekte Schreibweisen zu suchen, sie sich lieber aus den Fingern zu saugen.
Ihren Ursprung scheinen diese unsinnigen Leerzeichen in der englischen Sprache zu haben, in der Komposita immer getrennt geschrieben werden; auch Unsicherheiten in der Getrennt- oder Zusammenschreibung mögen eine Rolle spielen. Vor allem aber dürfte die Werbung zur Verbreitung dieser Unsitte beigetragen haben, die damit die Bedeutung der einzelnen Bestandteile gleichsetzen will.
Gleichsetzen?
Tüten Suppen? Also meine nicht! Ihre etwa?
U-Bahn Wagen oder Sport Wagen? Um Himmels willen, nein, lieber zu Fuß und kein Sport!
Links zum Thema:
Leerzeichen in Komposita – Wikipedia
Zwiebelfischchen: Trink Wasser für Hunde! - SPIEGEL ONLINE
Zwiebelfisch: Dem Wahn Sinn eine Lücke - SPIEGEL ONLINE
Zwiebelfisch: Tüten Suppe aus der Suppen Tüte - SPIEGEL ONLINE
Deppenleerzeichen | Alleinstellungsmerkmal
die wahrheit: Rettet das Divis! - taz.de
Das Deppen Leerzeichen | Labuschin Webdesign
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MySchwachSinn
Donnerstag, 12. August 2010 von Ronald.
Das Präfix „My“ und die Binnenmajuskel
Nicht nur alle möglichen realen oder virtuellen Ortschaften oder Dinge um das Präfix „My“ zu ergänzen, wie etwa das Einkaufszentrum „MyZeil“ in Frankfurt am Main oder das Internetportal „myheimat“ („Bürger berichten aus Deutschland“!), sondern auch die sprachliche Eigenart, eine Binnenmajuskel wie etwa bei „BahnCard“, „CityForum“ oder „OldtimerCity“ zu verwenden, scheinen zeitgemäß geworden zu sein. Aber was soll damit eigentlich erreicht werden?
Während das genannte Präfix wohl eine gewisse persönliche Verbundenheit suggerieren soll, selbst wenn die Angesprochenen über keinerlei Englischkenntnisse verfügen und daher einfach nur lächerlich ist, sind die großen Buchstaben mitten im Wortinneren doch ziemlich merkwürdig, wenn nicht gar geradezu komisch! Im Englischen und in Programmiersprachen werden sie als „CamelCase“ oder „Camel Caps“ bezeichnet, weil sie wie die Höcker eines Kamels hervortreten. Das Binnen-I zur Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sprache, von der taz einmal als „Die Erektion im Text“ bezeichnet (obwohl selbst einer der Vorreiter), ist inzwischen zugunsten der korrekten Schreibweise mit „/-innen“ zum Glück weitgehend verschwunden. Dafür verbreiten sich andere Anwendungen von anderen Binnenversalien immer mehr. Soll damit eine gewisse Weltläufigkeit demonstriert werden, ein weiterer (Pseudo-)Anglizismus, der zeigen soll, wie international wir doch „aufgestellt“ sind? Ein revolutionärer, gar anarchistischer Umgang mit der Sprache, der mit Althergebrachtem brechen soll, so wie die Errungenschaften, die mit einem Wort mit einer Binnenmajuskel benannt werden? Ein Heischen nach Aufmerksamkeit und Beachtung? Oder einfach zu faul, einen Bindestrich oder einen Wortzwischenraum zu setzen?
„MySchwachSinn“, könnte man den Erfindern solcher Wortkreationen unterstellen, wenn es ihnen nicht bitterernst damit wäre! Doch da diese zeitgenössische Idee als reichlich unausgegoren und noch nicht weitgehend genug erscheint, ist eine weitere Neuerung vorzuschlagen: warum nicht komPlett auf die regeln der großUndKleinSchreibung & der zeichenSetzung verZichten & stattDessen alle wörter zusammenSchreiben & nach wortBestandTeilen + binnenMajuskeln ausStatten, da+ es auch jeder verSteht, ? sich worte zusammenSetzen? OderVielleichtGleichAllesZusammenSchreiben?
„Große Binnenbuchstaben haben einen Touch von Hermaphroditismus, Autogamie, wenn nicht überhaupt von Fortpflanzungsfeindlichkeit“, schrieb ein(e) „Owi I8“ in einem Forum von derStandard.at.
Übrigens: Die Firma Microsoft firmierte bei der Gründung 1975 noch als „Micro-soft“; den Sprung zum Weltunternehmen schaffte sie auch ohne eine Binnenmajuskel …
Links zum Thema:
Binnenmajuskel – Wikipedia
Goethe-Institut: „Sprache im Wandel. Die BinnenMajuskel – SchreibUngetüm aus der MarketingAbteilung“
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Das große Eszett
Donnerstag, 13. Mai 2010 von Ronald.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geriert sich gerne als (moralisches) Vorbild nicht nur für unsere Jugend. Er engagiert sich einerseits gegen Rassismus und Neonazismus, andererseits werden schon einmal spielende Angeber (oder umgekehrt), die den ausgestreckten Mittelfinger gegen das Publikum zeigen, oder unbequeme Torhüter aus dem erlesenen Kreis der Nationalmannschaft ausgeschlossen.
Weder eine Vorbildfunktion noch eine glückliche Hand beweist der weltweit größte Sportverband beim Bedrucken der Trikots der Spieler Stefan Kießling und Kevin Großkreutz, denn es scheint sich nicht bis zum DFB herumgesprochen zu haben, dass es, im Gegensatz zur Überschrift, kein großes Eszett gibt! Wie sonst ist es zu erklären, dass, wie vorhin im Spiel gegen Malta gesehen, ihre Namen darauf als „KIEßLING“ und „GROßKREUTZ“ angegeben werden, da doch „KIESSLING“ oder „GROSSKREUTZ“ in der Majuskelschreibung, falls diese denn unbedingt sein muss, korrekt wäre?
Da das SZ nur noch in Österreich gebräuchlich und wegen dessen nationalmannschaftlicher Nichtqualifizierung in keiner der Sprachen der während der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft vertretenen Länder vorhanden ist: Wie stellt sich der DFB vor, dass deren Namen von anderen Nationen entziffert und gesprochen bzw. geschrieben werden sollen, sofern ihre Träger an diesem Ereignis teilnehmen werden? Etwa „Kiebling“ und „Grobkreutz“?
Es soll hierbei kein Trost sein, dass dieser Fehler anscheinend nicht auszurotten ist und nicht nur der DFB darauf hereinfällt, auch dann nicht, wenn das große Eszett inzwischen in den internationalen Unicode-Zeichensatz für Computer aufgenommen wurde, obwohl es es eigentlich gar nicht gibt …
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Public Viewing
Mittwoch, 21. April 2010 von Ronald.
Ein sportliches Großereignis steht in diesem Jahr wieder an: die Fußball-Weltmeisterschaft. Und damit das seit der von 2006 unvermeidliche Public Viewing!
Auch wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht Weltmeister werden wird, so sind wir doch seit Langem bereits Weltmeister in der Erfindung und im Gebrauch von (pseudo)englischen Wörtern, die es in der englischen Sprache entweder überhaupt nicht gibt oder in einem völlig anderen Sinn (und somit von uns falsch) verwendet werden. Es sei hier nur an Handy, Beamer, Slip, Wellness und das unsägliche Coffee to go erinnert. Dass wir unsere englischen Sprachkenntnisse bei Weitem überschätzen, sofern solche vorhanden sind, wäre ein anderes Thema …
Für alle, die es immer noch nicht wissen sollten: Public Viewing bedeutet im amerikanischen Englisch die öffentliche Aufbahrung einer Leiche, um von der Person Abschied nehmen zu können (siehe zum Beispiel das Suchergebnis bei LEO, dem deutsch-englischen Wörterbuch)!
Wenigstens ist zu hoffen, dass unsere Fußballer nicht dementsprechend auftreten …
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Zwangseinweisungen
Dienstag, 9. Februar 2010 von Ronald.
Die UN-Behindertenrechtskonvention schreibt vor, dass Zwangseinweisungen in die Psychiatrie nur bei strafrechtlich relevantem Verhalten erlaubt sind. In Deutschland jedoch dürfen Menschen zwangsweise eingewiesen werden, wenn Fachleute annehmen, dass sie eine Gefahr für sich oder andere darstellen. Wie ist das möglich?
Diese UN-Konvention gilt seit 2009 auch hierzulande, doch bei ihrer Umsetzung in nationales Recht wurde die Vorgabe durch Einfügen eines einzigen Wortes ausgehebelt: Statt „Eine Freiheitsentziehung aufgrund einer Behinderung ist in keinem Fall gerechtfertigt“ heißt es nun „Eine Freiheitsentziehung allein aufgrund einer Behinderung ist in keinem Fall gerechtfertigt.“ Eine Änderung der vorher angewandten und umstrittenen Praxis wird so umgangen …
Quelle:
medienhandbuch.de: „Welche Themen werden von den Medien nicht gebracht?“
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