Ivan Santos ist gestorben
Letzte Nacht habe ich es zufällig erfahren: Ivan Santos ist gestorben!
Ich wollte noch eine Musiksendung von Deutschlandfunk Kultur hören und schaute mir vorher noch die Inhaltsangabe im Programm an. Dort las ich:
Und es gibt auch einige recht spezielle, charismatische Gesangskünstler zu bedenken, die in diesem Jahr verstorben sind: den musikalisch stark mit dem Balkan verbundenen Bretonen Erik Marchand oder den Brasilianer Ivan Santos, der lange in Deutschland lebte.
„… die in diesem Jahr verstorben sind“? Sofort öffnete ich die Suchmaschine meines Vertrauens und fand gleich diesen Nachruf des Frankfurter Musikjournalisten Detlef Kinsler im Journal Frankfurt vom 28. November 2025.
Seit 1982 lebte Ivan Santos in Frankfurt am Main. Er kam aus dem Nordosten Brasiliens, was sich auch stark in seiner Musik niederschlug. Rhythmen wie der Baião bestimmten sie. Ich weiß wirklich nicht mehr, wann und wo ich ihn kennenlernte. Möglicherweise war es das Umfeld der beiden brasilianischen Musikerinnen Rosanna und Zélia, die ich beide kannte und deren Musik ich liebte. Er lebte in einer Wohngemeinschaft mit ihnen. Neben seinen Konzerten trafen wir uns auch immer wieder einmal zufällig in einer U-Bahn oder einem Bus.
Für die musikalische Kollaboration mit seinem brasilianischen Kollegen und Freund Lenine wurde Ivan Santos übrigens für den Text von „Ninguém faz idéia“ im Jahr 2005 ein Latin Grammy Award in der Kategorie „Best Portuguese Language Song“ verliehen. Da lebte also tatsächlich ein Grammy-Gewinner im Frankfurter Nordend – und das gar nicht so weit von hier!
Zu sagen, dass wir Freunde waren, wäre weit übertrieben. Aber ich mochte ihn (und übrigens auch seine spätere Frau). Seine herzensgute Art und die Tatsache, dass ich damals selbst brasilianische Musik machte, schufen eine gewisse Verbundenheit und Nähe. Diese Nähe zu vertiefen, gelang damals nicht mehr. Er zog später von Frankfurt nach Höchst im Odenwald.
Wir blieben jedoch durch seinen E-Mail-Verteiler in Kontakt. So erhielt ich regelmäßig Konzerteinladungen oder Karten mit besten Wünschen zum Jahreswechsel, so etwa die nebenstehende.Leider kam mir bei seinen Konzerten zuletzt immer etwas dazwischen, manche fielen auch kurzfristig aus. So war es mir nicht mehr vergönnt, ihn zu sehen und zu hören. Nun also das: Ivan Santos ist gestorben! Es schmerzt, ihn nun aus meinem E-Mail-Adressbuch löschen zu müssen, denn ich werde weder weitere Nachrichten von ihm erhalten noch ihm welche zukommen lassen können. Und es ist merklich kälter geworden seit letzter Nacht.
„Am Mittwoch, den 26. November 2025, starb er im Alter von 72 Jahren“, schrieb Detlef Kinsler in seinem Nachruf. Also vor ziemlich genau vier Wochen, und das ist in etwa so alt wie ich jetzt bin. Der Tod eines nahestehenden Menschen erinnert uns an den eigenen Tod, soll einmal jemand gesagt haben. Wer weiß, ob wir uns nicht in einem Himmel für Musikerinnen und Musiker wieder begegnen …
Até a próxima vida, descanse em paz!
Hier noch eines seiner schönsten Lieder, geschrieben für Rosanna und Zélia: „Lady Multimelancólica“:
(Datenschutz-Hinweis: Der Film ist hier so eingebettet, dass keine Datenweitergabe an YouTube resp. Google in den USA erfolgt. Sollten Sie auf die Videoseite des Films bei YouTube wechseln, so erklären Sie sich mit der Datenweitergabe an diese Dienste einverstanden!)
(Weitere Verweise zu ihm: die Website von Ivan Santos und sein YouTube-Kanal. Siehe hier auch „(Ohne Titel 2)“!)


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