Ronalds NotizenMarkt und WirtschaftDer Big Boy fährt wieder

Kommentare

Der Big Boy fährt wieder — 4 Kommentare

    • Ja, das ist schon ein Monstrum von einer Dampflok! Nicht nur das Äußere und die Leistung finde ich übrigens beeindruckend, sondern auch die Geräusche des Dampfausstoßes der Lok bei der Fahrt, wie im genannten Video „Last of the Giants“ zu hören und zu sehen, und besonders auch deren meilenweit zu hörende Dampfpfeife, wie auch im genannten Video von der ersten Fahrt außerhalb des Depots zu hören. Davon kann man schon eine wohlige Gänsehaut bekommen!

  1. In der heutigen SWR-Sendung war die Achsanordnung gut erkennbar;auch war sie am Führerhaus angeschrieben und sichtbar: 4-8-8-4, wie im vorliegenden Bericht erwähnt !
    Aus den beidseitig gleich grossen Zylindern ist feststellbar, dass es sich – entgegen Mallet-Lokomotiven – nicht um VERBUND-Lokomotiven handelt!
    Danke für den guten Bericht!

    • Die heutige SWR-Sendung hatte ich natürlich mit Spannung erwartet und auch gesehen. Doch sie enthält, was schon aus der Ankündigung zu erlesen, den üblichen Fehler: Die Big Boy war zu ihren Lebzeiten keineswegs „die größte jemals gebaute Dampflokomotive der Welt“, sondern lediglich eine davon! So gab es in allen Bereichen, die für Grössenvergleiche herangezogen werden können, wie Länge, Gewicht, Zugkraft und Leistung, Maschinen, die die Big Boys überboten. Eine ähnliche Lokomotive, die Norfolk and Western class A (Achsfolge: 1’C)C2’ oder 2-6-6-4), ist in Minute 3:44 zu sehen, und in Minute 29:24 sogar eine Norfolk and Western class Y (Achsfolge: 1’D)D1’ oder 2-8-8-2), die noch vergleichbarer mit dem Big Boy ist!

      Als stärkste in Bezug auf Pferdestärken und Zugkraft und grösste jemals gebaute Dampfloks gelten die Duplex-Lokomotiven Q2 (2’BC2′ oder 4-4-6-4) der Pennsylvania Railroad mit sage und schreibe knapp 8000 PS! Stärker waren auch die in meinem Beitrag unten erwähnten H-8 Allegheny (1’C)C3’ oder 2-6-6-6) der Chesapeake and Ohio Railway mit etwa 7500 PS, die endlos lange Kohlezüge über die gleichnamige Gebirgskette zogen und zudem schwerer als die Big Boys waren. Von der längsten Lokomotive, der mit dem grössten Tender, der stärksten Zugkraft und den höchsten erreichten Geschwindigkeiten, der Stromlinien-förmigen Pennsylvania Railroad class S1 (3’BB3’ oder 6-4-4-6), wurde allerdings nur ein Exemplar gebaut. Sie war allerdings keine Gelenk-Lokomotive, sondern hatte einen starren Rahmen. Auch die unten in meinem Beitrag genannten Dampfloks des Typs Yellowstone (1’D)D2’ oder 2-8-8-4) konnten mit den Big Boys mindestens mithalten. Die EM-1 dieses Typs der Baltimore and Ohio Railroad konnten wie die Big Boys etwa 6000 PS leisten, ebenso die Southern Pacific class AC-12 (die sogenannten Cab Forwards, weil sie den Führerstand an der Spitze der Lokomotive hatten und somit die «umgekehrte» Achsfolge 4-8-8-2 aufwiesen), die der Duluth, Missabe and Iron Range Railroad sogar 6250 PS. Die wenigen Maschinen dieser Achsfolge, die in der Sowjetunion verkehrten, die П38 (transkribiert: P38)) leisteten nur bis zu etwa 4000 PS.

      Die ebenso in meinem Beitrag nur erwähnten und noch grösseren Triplex-Lokomotiven mit den Achsfolgen (1’D)D+D1’ (2-8-8-8-2) oder (1’D)D+D2’ (2-8-8-8-4) konnten ihre Zugkraft nur bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten erbringen, zudem neigten die unter dem Tender angebrachten Triebwerke zum Schleudern, und waren daher kein Erfolg, ebenso Versuche mit vier oder gar fünf Triebwerken. Eine gute Übersicht finden Sie auf steamlocomotive.com: The “Largest” Steam Locomotives oder unter dem im Beitrag genannten Verweis auf die Big Boy ebendort.

      Sie sehen also, dass es genügend Beispiele für Dampfloks gibt, die grösser, schwerer und stärker waren und ausserdem sogar öfter gebaut wurden. Der Mythos Big Boy speist sich wohl hauptsächlich aus der Tatsache, dass sie einen (wenn auch nur relativ kurzen) Teil der transkontinentalen Eisenbahn bedienten. Aber auch hier muss gesagt werden, dass andere Maschinen zum Teil längere und steilere Strecken befuhren! Warum das Fernsehen solche Recherchen nicht tätigt, erschliesst sich mir nicht.

      Dafür zeigt der Film ab Minute 15:32 für zwei Sekunden eine absolute Seltenheit: ein Bild des Big Boy mit der Nummer 4019, dem einzigen, der für eine kurze Zeit versuchsweise mit Windleitblechen ausgerüstet war! Später im Film (Minute 20:42) ist er noch einmal kurz ohne diese in Fahrt zu sehen.

      Auch ist dieser 4000er nicht der erste Dampflok-Gigant, der nach seiner Ausmusterung für historische Zwecke restauriert wurde. Die N & W class A mit der Nummer 1218 wurde bereits 1987 wieder für den Fahrbetrieb neu aufgearbeitet und bis 1991 für Ausflugsfahrten genutzt. Dann wurde das Dampfprogramm dieser Gesellschaft u. a. aus Kostengründen eingestellt. Heute steht sie im Virginia Museum of Transportation in Roanoke, Virginia. Es gibt aber viele Videos, die diesen Giganten noch im Fahrbetrieb zweigen.

      Was den Typus Mallet-Lokomotive anbelangt, so haben Sie in strengem Sinne natürlich recht, auch wenn es sich tatsächlich um eine Gelenk-Lokomotive dieses Typs handelt. Lediglich der Antrieb unterscheidet sich, worauf Sie mit Ihrem Hinweis auf die vorn und hinten gleich grossen Zylinder hinwiesen. Es hätte jedoch eines längeren Exkurses bedurft, um einer nicht-fachmännischen Leserschaft diese Technik zu erklären, worauf ich bewusst verzichtet hatte, weil der Beitrag auch für interessierte Laien lesbar sein sollte. Ein guter englischsprachiger Beitrag findet sich auch auf steamlocomotive.com: Mallet versus Articulated Locomotives. Einige der genannten Loks, die mit den Big Boys mithalten können, sind übrigens echte Verbund-Lokomotiven, so etwa die N & W class Y.

      Herzlichen Dank für Ihr Lob und den offensichtlich interessierten und fachkundigen Kommentar! Für die Antwort habe ich sogar die Rechtsschreibprüfung auf Schweizer Deutsch umgestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.