Die Todteninsel
Von Eugen von Enzberg
Bei Dämmerschein nach fernen Weiten
Der blauen Fluten stille Bahn
Lässt sacht in Traumesbanden gleiten
Geheimnisvoll den schwanken Kahn.Es darf kein Wasserspiegel rühren
Kein Windeshauch, kein Ruderschlag.
Als Fährmann stumm den Nachen führen
Der Tod zum Felseneiland mag.Cypressen rauschen, Harfen klingen,
Im heil’gen Haine singt der Chor.
Der Geist entfaltet seine Schwingen
Befreit zum Licht, er wallt empor!Auf Kampf und Streit folgt Sabbatwonne
Nun endet Trauer, Klage, Pein.
Nun haucht der Wahrheit Strahlensonne
In’s Herz des Friedens Balsam ein.Friedenau am Tage Allerseelen 1898.
Eugen von Enzberg
„Die Toteninsel“ von Arnold Böcklin, hier die Urversion vom Mai 1880 (Öl auf Leinwand, 111 cm × 155 cm, Depositum der Gottfried-Keller-Stiftung im Kunstmuseum Basel, Basel, Schweiz)
Das Gemälde von Arnold Böcklin, von dem fünf verschiedene Versionen existieren, diente als Anregung für knapp dreißig Kompositionen. So viele wie kaum ein anderes Gemälde! So auch 1898 für „Die Todteninsel [Toteninsel]“, Sinfonische Dichtung für großes Orchester op. 45, des schwedischen Komponisten Andreas Hallén (schwedisch/deutsch).
Den Text hierfür verfasste der genannte Eugen (Freiherr) von Enzberg, ein deutscher Schriftsteller (siehe Deutsche Digitale Bibliothek: Eugen von Enzberg. Hier das Libretto als PDF, aus dem ich den Text übernahm.
(Siehe hier auch „Mein Leben nach meinem Tod” und „So ruhig geworden“!)

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