Digital abgehängt
QR-Code mit Inhalt „https://de.wikipedia.org“ (Fehlerkorrektur-Level M) (Quarz über Wikimedia Commons)
Auch ich gehöre zu diesen Menschen, wenngleich ich vieles an meinem Heim-Computer erledigen kann. Aber ich weigere mich standhaft, mir eines dieser mobilen Multi-Kommunikations- und -Medien-Geräte zuzulegen. Ich bin nicht so wichtig, um ständig erreichbar sein zu müssen! Und ich muss nicht ständig jemanden anrufen.
Damit stehe ich nicht alleine da. Laut einer sehr interessanten Radiodiskussionssendung sind gut vier Prozent der Bürger/-innen in Deutschland offline. Hierzu gehören aber nicht nur Menschen wie ich, die diesen Zustand freiwillig gewählt haben. Vor allem ältere Menschen können kein Smartphone bedienen, weil es ihnen an der entsprechenden Bildung fehlt. Und das sind immerhin „über vier Millionen Menschen”! Hinzukommen Menschen, die sich die Apparate nicht leisten können und/oder keinen Internetzugang haben.
Zurecht ist hier nicht nur von Senioren- und andere Organisationen schon längst von einem „Digitalzwang“ die Rede. Angeblich wünschten sich „16 Prozent der Menschen in Deutschland eine Welt ohne digitale Technologie“. Und „mehr als 80 Prozent“ sind der Meinung, „dass Behördengänge, Dokumente, Formulare, die den Alltag betreffen, müssen auch analog möglich sein“. Andererseits sieht eine Mehrheit in der Bevölkerung die Digitalisierung mehr als Chance denn als Risiko. Auch der Älteren!
Brauchen wir ein Recht auf analoges Leben oder bremsen wir damit Digitalisierung und Modernisierung aus? Und wälzen Behörden und Institutionen nicht die Kosten der Digitalisierung auf uns Bürger/-innen ab, indem sie uns zwingen, uns die Gerätschaften dafür auch noch zu besorgen? Darüber diskutiert die SWR-Redakteurin Marion Theis mit Frederik Palmer vom AWO-Bundesverband, Astrid Mönnikes von der Initiative „DigitalPakt Alter“ und Leah Schrimpf von der „Bitkom“, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.
Die Sendung: SWR Kultur: Forum: „Offline, abgehängt – Brauchen wir ein Recht auf analoges Leben?“ (Sendung vom 13. Oktober 2025, wiederholt am 2. Juni 2026, 44 Minuten, 32 Sekunden).
[Nachtrag vom 10. Juni 2026: Inzwischen widmete auch der Deutschlandfunk dieser Problematik eine Sendung: „Offliner – Leben ohne Internet in Deutschland“ vom 9. Juni 2026 (knapp 19 Minuten). Sie liefert auch genauere und aktuelle Zahlen, die der SWR-Beitrag nur anreißen konnte.}
(Siehe hier etwa auch „Trinken Sie Ihr Bier im Internet?“ und „Liebe in Zeiten des Festnetztelefons“!)

Bin zwar auch nicht komplett offline und will es auch nicht sein, aber was manche Dienstleistungen anbelangt, die nur noch mit irgendwelchen Codes, die man scannen muss oder mit PINs funktionieren, dann geht es für mich eindeutig auch zu weit. Der Gedanke, dass uns die Behörden die Kosten für die Digitalisierung verdeckt aufdrücken, ist mir noch gar nicht gekommen. Lohnt sich aber, das mal zu überdenken! :-;
Danke für deinen Kommentar!
Die nächstens Überraschungen erwarteten mich kürzlich beim Einloggen in meine Telekom-Nutzer-Seite, als ich nur einfach meine Telekom-Rechnung ansehen wollte. Das Prozedere ist inzwischen dermaßen kompliziert geworden, dass ich mehrmals versucht war, den Anmeldeprozess abzubrechen und bei der Telekom wieder die Rechnungsausgabe in Papier oder als PDF über E-Mail zu beantragen. Zuerst sollte ich eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, die zwar grundsätzlich sinnvoll, aber nur mittels völlig überzogener, weil ausschließlich digitaler Mittel umsetzbar ist, bis es mir endlich gelang, irgendwann tatsächlich bis zu meiner Rechnung vorzustoßen. Was hier gut gemeint ist, wird zu einer echten Herausforderung für Menschen, die digital abgehängt sind!