The Heart asks Pleasure—first
Von Emily Dickinson
The Heart asks Pleasure—first—
And then—Excuse from Pain—
And then—those little Anodynes
That deaden suffering—And then—to go to sleep—
And then—if it should be
The will of its Inquisitor
The privilege to die—
Von diesem Gedicht „The heart asks pleasure first“ existieren mehrere Versionen, wie auch die Autorin ihre Gedichte immer wieder redigiert haben soll. Eine weitere Version findet sich etwa bei Wikisource. Hier jedoch der für sie so typischen Gedankenstriche und Großschreibungen beraubt!
Diese hier veröffentlichte Fassung fand ich in der Adrian Brinkerhoff Poetry Foundation, New York. „Anodynes“ (deutsch: Anodynum, auch Anodynon) ist übrigens eine – heute auch im Englischen veraltete und nicht mehr gebräuchliche – Bezeichnung für schmerzstillende oder betäubende Mittel. Aufgefallen ist mir das Gedicht im Film „A Quiet Passion – Das Leben der Emily Dickinson” (Originaltitel: A Quiet Passion) des britischen Regisseurs und Drehbuchautors Terence Davies aus dem Jahr 2016.
In nur acht Verszeilen fasst Dickinson in „The heart asks pleasure–first“ ein Menschenleben über das, was das Herz begehrt, zusammen. Zuerst sucht es das Vergnügen, dann das Vermeiden bzw. die Befreiung von Leid und Schmerzen, dann betäubende Erleichterung (Alkohol?), dann den Schlaf (die Müdigkeit des Alters?) bis hin zum Tod, der als Privileg („privilege“), in einer anderen Ausgabe als „Freiheit“ („liberty“) angesehen wird. Dass sie den Tod als Inquisitor ansieht, mag ihrer religionsskeptischen Haltung geschuldet sein, verweist aber auch auf ein Beraubt-Sein jeglicher erlösenden Hoffnung. Das Gedicht ist also wie eine Wunschliste, die in Kapitulation mündet. Vom Vergnügen zur bloßen Abwesenheit von Schmerz!
Auch in dieser für Dickinson unüblichen relativen Kürze ein Meisterwerk!
(Siehe hier auch ihr vorher veröffentliches Gedicht „It’s all I have to bring to-day“!)

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