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Trinken Sie Ihr Bier im Internet? — 5 Kommentare

  1. Inter­es­sant in der Rede von Harald Wel­zer finde ich, dass er sagt, mit fünf­zehn Jah­ren Dinge schon so emp­fun­den zu haben, wie sie sich spä­ter als wahr her­aus­stel­len wür­den. Genau das­selbe stelle ich auch an mir fest: Mit fünf­zehn, sech­zehn, sieb­zehn, acht­zehn Jah­ren habe ich die Welt auch als völ­lig kom­mer­zia­li­siert und kapi­ta­li­siert emp­fun­den. Spä­ter ver­lor sich die­ses Gefühl weitgehend. 

    Aber seit ein paar Jah­ren durch­schaue ich das ganze Sys­tem mehr und mehr, noch zumal ich wesent­lich mehr poli­ti­sche Lite­ra­tur lese als in frü­he­ren Zei­ten. Und – es ist alles schlim­mer, als es einem lieb sein könnte, es ist schlim­mer, als Marx und Engels es sich in ihren übels­ten Alb­träu­men jemals hät­ten aus­ma­len kön­nen. Die glo­bale Aus­beu­tung von Res­sour­cen, Tie­ren und Men­schen durch Groß­kon­zerne und Ban­ken ist unvorstellbar. 

    Gut, dass es sol­che Men­schen wie Herrn Wel­zer gibt, die die Dinge end­lich mal beim Namen nen­nen. Und auch poli­ti­sche Kaba­ret­tis­ten wie Vol­ker Pis­pers oder Hagen Rether nen­nen die Dinge beim Namen. Aber es ist wie ein Reden gegen Wände. Die Ver­lo­ckun­gen der „smar­ten“ Tech­nik und „sozia­len“ Netz­werke ist ein­fach zu groß. Die Mas­sen wol­len gar nicht aufwachen.

    • Genau das Letz­tere sagt Wel­zer in ande­ren Wor­ten auch: Es scheint, als ob wir die Frei­heit gar nicht mehr woll­ten und statt­des­sen lie­ber die (Kauf)entscheidungen abge­nom­men bekommen!

      Obwohl wir mit der gan­zen Welt in Ver­bin­dung stün­den, werde unser Hori­zont immer klei­ner! Wel­zer spricht hier von „Ich-Bub­bles“. Und je grö­ßer die Distanz zu sich selbst werde, desto grö­ßer werde die Distanz zu den Mit­men­schen und zum eigent­li­chen Welt­ge­sche­hen: Man sei bequem gewor­den — und fern­ge­steu­ert! Wes­halb auch der Kli­ma­wan­del kaum jeman­den inter­es­siere, weil die Fol­gen als weit weg von uns wahr­ge­nom­men wer­den wür­den. Wir hät­ten uns von unse­ren sozia­len und bio­lo­gi­schen Wur­zeln ent­fernt. Nach uns die Sint­flut, in eige­nen Worten.

      Wel­zer, der durch­aus auch bis­sig sein kann, bezeich­net denn auch die­ses Erd­zeit­al­ter, von vie­len schon „Anthro­po­zän“ genannt, das Zeit­al­ter des Men­schen, als „Kne­to­zän“, das Zeit­al­ter des Gel­des, der Knete. Was Marx und Engels nicht vor­aus­se­hen konn­ten, war diese unglaub­li­che Akku­mu­la­tion des Reich­tums auf wenige Per­so­nen: Wel­zer spricht von genau 80, die genauso viel Geld hät­ten wie 3,5 Mil­li­ar­den Men­schen der ärme­ren Hälfte der Weltbevölkerung!

      Aber er sieht auch Hoff­nung: So begeis­terte ihn die Welle des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Enga­ge­ments gegen­über den ankom­men­den Flücht­lin­gen im Som­mer 2015. Und tröst­lich war auch wäh­rend der Buch­vor­stel­lung, dass sich bei einer anfäng­li­chen Zäh­lung, wer denn ein Smart­phone besitzt, nur wenige der (aller­dings meist älte­ren) Teil­neh­men­den dazu bekann­ten, und dass einige von ihnen am Ende tat­säch­lich bereit gewe­sen wären, ihres zu ent­sor­gen, hätte es diese Mög­lich­keit gegeben!

  2. Es ist wirk­lich wahr, wie wir unser Leben mit dem Gebrauch von sinn­lo­sen Apps ver­geu­den, und es gibt immer mehr davon! Diese gan­zen IT-Fir­men mit ihren App-Pro­gram­mie­ren wer­den nur des­halb so reich, weil es immer Dumme gibt, die sie nut­zen wer­den, und seien sie noch so über­flüs­sig. Die­ser Last Psych­ia­trist im emp­foh­le­nen Bei­trag Ein­sam­keit und Allein­sein hat recht mit: Wenn du all deine Ener­gie in Face­book steckst, kannst du sie nicht in Dinge ste­cken, die tat­säch­lich funk­tio­nie­ren könn­ten, und das gilt nicht nur für Facebook!

  3. Pingback:Offline gehen! – Setzfehler

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