Unterbewertete Inhalte fördern

Wie sich mit einfachen Mitteln alte Blog-Einträge aus dessen Tiefen hervorholen lassen

Wer zu bloggen beginnt, kennt das: Man stellt Inhalte ein, hat aber meist noch wenig oder keine Besucher, die diese Inhalte lesen. So verschwinden diese Einträge in den Tiefen des Blogs. In den Augen der Betreiber sind das oft unterbewertete Inhalte. Um sie präsenter zu machen, dafür gibt es Abhilfe!

Deprimierter Mann vor Rechner

Mist: so viele unterbewertete Inhalte und schon wieder keine Kommentare! (Microsoft Clip Art)

Juhu, das eigene Weblog ist fertig eingerichtet! Ein ansprechendes und persönliches Design und Layout, ein Theme in der Blogger-Sprache, das, je nach Kenntnissen, noch zusätzlich personalisiert wurde, mit übersichtlicher und lesbarer Typografie wurde ausgewählt — und nun geht es an die ersten Inhalte. Um dabei nicht nur der zukünftigen Leserschaft aufzufallen, sondern sich eventuell auch gleich bei den Suchmaschinen „einen Namen zu machen“, neigen viele dazu, in den ersten Beiträgen außergewöhnliche und besondere Inhalte einzustellen. Doch leider stellt sich oft schon bald heraus, dass selbst diese in den eigenen Augen genialen Beiträge nicht so recht ankommen, sodass man weiter neue Inhalte produziert und die älteren naturgemäß in den Tiefen des Weblogs verschwinden, aus denen sich spätere Leserinnen und Leser nicht mehr die Mühe machen werden, sie „hervorzuholen“, um sie entsprechend zu würdigen. In den Augen der Betreiber/-innen sind das dann unterbewertete Inhalte. Gleiches gilt auch für Leute, die ihren Inhalten nicht unbedingt Genialität unterstellen, weil sie eher „aus Spaß an der Freude“ bloggen: Auch sie werden es irgendwann schade finden, wenn alte Inhalte in den Tiefen, also auf den hintersten Seiten verschwinden, ohne so recht bemerkt worden zu sein.

Das hat drei Gründe:

    1. Das neue Blog hat noch kein Publikum und ist
    2. noch nicht in den Suchmaschinen präsent.
    3. Sowohl Suchmaschinen als auch das Publikum haben die Neigung, nur an neuesten Inhalten interessiert zu sein.

Sind, wie meist so eingerichtet, auf der Startseite die aktuellsten fünf oder zehn Beiträge sichtbar, schaut das Publikum, ruft es diese Homepage auf, eventuell noch einmal kurz über die zweite Seite, selten bis nie aber weiter nach hinten. Gelangt es durch einen Treffer einer Suchmaschine oder vielleicht auch durch eine Empfehlung anderer auf einen einzelnen Eintrag, wird dieser meist nur nach Relevanz beurteilt und gelesen. Findet es das Ergebnis hilfreich oder sympathisch, wird eventuell noch ein Kommentar hinterlassen, und schon ist es wieder weg. Es dauert, bis sich eine feste Leserschaft gebildet hat, aber inzwischen sind, sagen wir mal: etwa 90 oder 95 von 100 Einträgen für diese quasi „verschwunden“! Und je länger man sein Weblog führt, je mehr Monate und Jahre zu den Archiven hinzukommen, umso größer wird deren Anzahl!

Doch es gibt einfache Möglichkeiten, unterbewertete Inhalte wieder so hervorzuheben und zu fördern, dass sie nun eine entsprechende Würdigung erfahren können.

Aktualisierung von alten Beiträgen

Eine einfache Möglichkeit, unterbewertete Inhalte neu aufzubereiten, ist, sie zu aktualisieren. Natürlich kann man einfach nur den Zeitstempel, den Timestamp erneuern, indem man das aktuelle Datum eingibt, und den Eintrag „neu“ einstellen. Hierbei sollte allerdings ein Plug-in, eine Erweiterung, eingesetzt werden, das Suchmaschinen über die Änderung des Veröffentlichungsdatums informiert, besonders dann, wenn das Datum Teil des Uniform Resource Identifier (URI, die Internetadresse) des Beitrags ist, weil sonst auf die bisher bekannte URI mit dem alten Datum verlinkt wird, die nun nicht mehr gefunden werden kann, was eine Error-404-Fehlermeldung provoziert: Seite nicht gefunden!

Weitaus sinnvoller ist es jedoch, nicht nur das Datum, sondern den Inhalt selbst zu aktualisieren und ein „Zuletzt aktualisiert am [aktuelles Datum]“ in den Eintrag einzufügen! Zusätzlich kann man diesen manuell an die oberste Stelle seines Blogs setzen, wozu keine Datumsaktualisierung notwendig ist (siehe dazu mehr weiter unten). Wer aber beispielsweise Ratgeber- oder andere fachspezifische Weblogs betreibt, kann nach neuen, bei der Erstveröffentlichung noch nicht berücksichtigten, weil noch nicht vorhandenen Quellen, Artikeln, Produkten usw. Ausschau halten, diese in eine Kopie des alten Eintrags einarbeiten und ihn dann mit aktuellem Datum neu einstellen, wobei er automatisch an die oberste Stelle rückt. Zusätzlich kann man im alten Beitrag einen Verweis auf die neue, aktualisierte Version setzen, falls die alte nicht gelöscht wird, was allerdings wegen der Suchmaschinen, die noch auf den Beitrag verlinken, nicht empfehlenswert ist; siehe vorher. Womit wir zu den internen Verweisen kommen.

Interne Verweise

Wer beispielsweise auch noch in sozialen Netzwerken aktiv ist, hat damit die Möglichkeit, mittels externer Links auf seine Beiträge zu verweisen. Eine weitere Methode, unterbewertete Inhalte in den Blickpunkt zu rücken und zusätzlich das Publikum auf seinen Seiten zu halten, ist, interne Verweise zu schaffen, also Links auf ähnliche Inhalte in die Beiträge einzubauen. Für Leserinnen und Leser sind Kategorien oder Schlagworte (tags), unter denen die Inhalte veröffentlicht wurden, selten interessant; viel wichtiger sind auch schon vom Linktext (der Text, der statt der URI erscheinen soll) her gut erkennbare Verweise, die einen größeren Mehrwert darstellen, besonders dann, wenn sie nicht nur aus dem Wörtchen „hier“ oder aus „[…] finden Sie hier“ bestehen!

Erlaubt sind bei dieser Möglichkeit sowohl Verweise im Text selbst als auch Listen „zum Weiterlesen“ oder „ähnlicher Beiträge“ am Ende desselben. Zudem gibt es Erweiterungen, die sich bei Plug-in-Suchen nach beispielsweise „related content“ oder „popular posts“ finden lassen, auf die aber nicht eingegangen, weil hier zu „Handarbeit“ angeregt werden soll.

Verweise in Widgets

Fast immer haben Weblogs sogenannte Sidebars (Seitenleisten) mit den Widgets, am besten mit „Komponenten einer Benutzeroberfläche“ zu übersetzen, die meist links oder rechts angeordnet und unter denen, je nach Einrichtung, beispielsweise die Kategorien, Schlagwörter und Archive sowie die letzten Einträge und Kommentare gelistet sind. Zudem steht ein Textfeld zur Verfügung, das sich individuell nutzen lässt, von dem aber viel zu wenig Gebrauch gemacht wird. Hierin lassen sich nämlich nicht nur freier Text, etwa das Motto des Blogs, sondern auch Weblinks platzieren!

So schiebe man das Textfeld an die gewünschte Stelle und füge etwa unter der Überschrift „Unterbewertete Inhalte“ seine eigene Auswahl ein (natürlich nicht als vollständigem Text, sondern als URI!), die am besten periodisch ersetzt wird. Sowohl die Überschrift als auch die Art der verlinkten Beiträge kann man natürlich persönlich anpassen, und, sofern vorhanden, hilft eine Übersicht über die aufgerufenen Seiten im Administrationsbereich (Dashboard) des Weblogs dabei, diese nach Nachfrage zu sortieren.

Es gibt zwar Erweiterungen, die Widgets nach meistgelesenen oder -aufgerufenen Inhalten generieren, oder auch spezielle Analysewerkzeuge für die Traffic- oder Protokolldateien-Auswertung, aber hier soll, siehe oben, zu „Handarbeit“ angeregt werden.

Beiträge „sticky“ machen

Beim Aufsuchen jedweder Internetpräsenz landet man allermeist auf der Startseite, es sei denn, dass man über eine Suche oder eine Empfehlung einem deep link folgt, also direkt „tief“ innerhalb der Website auf einer bestimmten Seite landet. Inhalte auf der Homepage und besonders solche, die ganz oben stehen, werden erfahrungsgemäß am meisten gelesen. Auch hat man nicht immer und jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat Material zu veröffentlichen. Warum nicht also unterbewertete Inhalte von ganz hinten sticky machen, sie also oben auf der Startseite zu halten, um damit als erwünschtem Nebeneffekt auch Zeiten von Abwesenheit zu überbrücken und mitzuteilen, dass sich trotzdem „etwas tut“?

Dazu wird entweder im Beitrags-Erstellungs- und -bearbeitungsfenster des entsprechenden Inhalts in der rechten Spalte die „Sichtbarkeit“ durch Klick auf „Bearbeiten“ geöffnet und „Beitrag auf der Startseite halten“ ausgewählt oder im Übersichtsfenster aller Beiträge unter dem ausgewählten Inhalt „Quick Edit“ geöffnet, unter „Status“ „Diesen Beitrag oben halten“ angekreuzt und schließlich aktualisiert. Je nach Theme werden diese Einträge zusätzlich „ausgezeichnet“, was in der Typografie heißt, dass sie besonders hervorgehoben werden, beispielsweise durch Hinterlegung einer farbig abgesetzten Fläche, wie hier auf der Startseite zu sehen ist.

Diese Möglichkeit, unterbewertete Inhalte „künstlich“ oben auf der Startseite zu halten, empfiehlt sich nicht unbedingt für sämtliche unterbewerteten Inhalte, zumindest nicht für alle auf einmal! Und nicht für allzu lange! Da Kontinuität auch schnell langweilig erscheinen kann, ist es sinnvoll, sie je nach Besucherfrequenz wöchentlich oder spätestens nach ein, zwei Monaten zu wechseln.

Fazit und externer Verweis

Nur die (aller)größten Anhänger/-innen unter der Leserschaft gehen auch einmal zurück in die Anfänge des Weblogs und würdigen die dortigen Einträge. In unterschiedlicher Form und Auswirkung, auch auf die eigene Mitarbeit und Kreativität, sind all diese Methoden geeignet, in den eigenen Augen unterbewertete Inhalte auch für die unregelmäßige Leserschaft zu fördern. Finden sie selbst dann keine erhöhte Beachtung, kann man sie leider nur dort belassen, wo sie sich schon befinden: in den Tiefen des Weblogs nämlich!

Ein sehr hilfreicher und lesenswerter, allerdings englischsprachiger Eintrag, der zudem zur Erstellung dieses Beitrags animierte, stammt von Shaun Quarton: „How to promote under-appreciated, old blog content“ auf Torque — WordPress News, WP Community Experts | @thetorquemag. Und wen es interessiert: „Warum ich es jetzt auch mit Bloggen versuche“, der allererste Eintrag hier vom 27. Januar 2009.


Kommentare

Unterbewertete Inhalte fördern — 2 Kommentare

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